Machtübernahme: „Einbruch in eine bürgerliche Welt.“
Dadurch, dass Franz-Josef im Kölner Zentrum wohnt und auch sein Schulweg durch die Kölner Altstadt führt, erfährt er zahlreiche lokale Auswirkungen der wirtschaftlichen und politischen Krise der Jahre zwischen 1931 und 1933 sehr hautnah.
Am Tag nach der NS-Machtübernahme ziehen SA-Trupps mit Pechfackeln durch die Kasinostraße. Seine Mutter und eine Haushaltsgehilfin, die diesen Aufmarsch mit ihm gemeinsam beobachten, treten erschrocken vom Fenster zurück. Sie alle empfinden diesen so machtvollen wie gewaltbereiten Aufmarsch als einen „Einbruch in eine bürgerliche Welt“. „Für meine Mutter war das Gesocks!“
Dennoch folgt auch Franz-Josef dem Zug der Zeit und tritt trotz seiner ND-Mitgliedschaft auch in die Hitlerjugend ein, ohne sich später an die genauen Umstände und Motive dafür erinnern zu können. „Ich bin im Jungvolk gewesen, ich weiß nicht, wie ich hineingekommen bin!“ Er habe das Exerzieren und das Antreten immer als langweilig empfunden und die Heimnachmittage daher oft geschwänzt. Selbst als ein Fähnleinführer gekommen sei, um ihn abzuholen und gemeinsam mit seinen Eltern entsprechend auf ihn einredet habe, habe er seelenruhig weiter auf dem Fußboden mit seinen Spielsachen hantiert und sei nicht mitgegangen. Nachteile habe das weder für ihn noch seine Familie gehabt.
An die Besuche Hitlers in Köln kann sich Franz-Josef Blum nicht erinnern. Sehr gut entsinnt er sich hingegen auf die eingeschlagenen Schaufensterscheiben in der Kölner Innenstadt während des Pogroms im November 1938. „Es war eine stille, gedrückte Atmosphäre und auch in der Schule wurde kaum groß darüber gesprochen.“
