Kriegsbeginn: „Die Angst war monatelang, vielleicht auch jahrelang Alltag.“

Den Beginn des Zweiten Weltkrieges erleben Franz-Josef und seine Freunde mit durchaus zwiespältigen Gefühlen. Durch den Kontakt zu Kaplan Angenendt und dessen Religionsunterricht, wissen sie recht genau, welche Gräuel der Erste Weltkrieg mit sich gebracht hat. In dieser Hinsicht hält sich die Begeisterung für den neuen kriegerischen Konflikt – wie in der gesamten Familie Blum - in engen Grenzen.

Andererseits sind damals auch weite Kreise des katholischen Milieus „national“ eingestellt und lehnen den Versailler Vertrag mit seinen gravierenden Folgen und Gebietsverlusten ab. Das gilt nicht zuletzt für die ehemals neudeutschen Kreise, die zudem großen Wert darauf legen, dem „Vaterland zu dienen“ und als „gute“ Soldaten ihre Wehrpflicht zu erfüllen.

Außerdem, so erinnert sich Franz-Josef Blum sehr deutlich, habe sich mit den ersten Kriegserfolgen in Polen und dann insbesondere in Frankreich die die Stimmung in der Bevölkerung allgemein und bei den jungen Leuten im Besonderen natürlich deutlich verbessert.

Das währt jedoch nur einige Zeit, bis dann – zumindest bei Franz-Josef - einer ablehnende Haltung gegenüber dem Kriegsgeschehen eindeutig die Oberhand gewinnt, obwohl bei ihm weiterhin ein Zwiespalt zwischen der „Liebe zum Vaterland“ einerseits und Hitler bleibt.

Am 31. Mai 1942 findet der erste schwere Angriff auf Köln statt. Pfarrer Angenendt richtet mit den Jungen eine Brandwache in St. Maria im Kapitol ein, um die Kirche vor dem Schlimmsten zu bewahren, was letztlich aber nicht gelingt. Dieser „1.000-Bomber-Angriff“ legt weite Teile der Kirche in Trümmer und große Teile des Pfarrlebens finden künftig unterirdisch in der Krypta statt.

Aber auch Franz-Josefs Psyche ist danach erheblich angeschlagen. Monatelang schläft er seitdem nachts auf einem Notbett im Bunker und wird dabei permanent von Angst begleitet, die er jedoch verdrängt: „Eingeschlafen, Angst, wieder eingeschlafen, das kann man als junger Mensch ja.“ Allerdings bleibt die Angst nun „monatelang, wenn nicht jahrelang“ sein ständiger Begleiter.