Politik und religiöses Leben: „Unser Problem war, Nationalsozialismus und Vaterland auseinander zu halten.“

Viele der politischen Folgen aus dem verlorenen Ersten Weltkrieg nutzt das NS-Regime für propagandistische Zwecke. Als problematisch erweist sich dabei, dass vieles von dem – allem voran das Schlagwort vom „Diktat von Versailles“-, auch in katholischen und ganz besonders in ND-Kreisen begrüßt und mitgetragen wird. Auch die gegen Völkerrecht verstoßende Rheinlandbesetzung vom März 1936 wird positiv beurteilt und als Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht gefeiert.

Dem kann sich auch Franz-Josef nicht entziehen, hat er doch durch seine Erziehung „ein gutes Verhältnis zum Vaterland“. Die Vereinnahmung genau dieses auch in seinen Augen positiven Gefühls durch das NS-Regime bringt ihn in eine Zwickmühle. „Unser Problem war es, Nationalsozialismus und Vaterland auseinander zu halten.“ Die seitens der NS-Propaganda betriebene Gleichsetzung von „Führer“ und Vaterland erwies sich schon in Friedenszeiten als Problem für junge Katholiken, das sich im heraufziehenden Zweiten Weltkrieg noch deutlich verschärfen sollte.

Um 1941/42 hört Franz-Joseph zum ersten Mal von Konzentrationslagern. Im Kreis der früheren ND-Mitglieder wird darüber gesprochen, ohne das sie beurteilen können, was Wahrheit und Gerücht ist und wie schlimm die Zustände tatsächlich sind. Franz-Josefs Eltern sprechen über solche Themen überhaupt nicht, um – so Franz-Josef Blums rückblickende Einschätzung – „die Familie zu schützen“. Allerdings geben sie durch ihre aktive Teilnahme am weiterhin regen katholischen Leben ihrer skeptischen politischen Haltung zumindest einen zwar vorsichtigen und somit weitgehend ungefährlichen, aber immerhin weithin sichtbaren Ausdruck.