Neudeutschland : „Es ging ja damals alles etwas romantisch zu.“

Kurz nach dem Wechsel auf das Gymnasium wird Franz-Josef von Mitschülern auf dem Pausenhof angesprochen. Sie werben ihn für den „Bund Neudeutschland“, in dem er begeistertes Mitglied des Fähnleins „Tilly“ wird. Bei den Gruppennachmittagen in den Räumen der ND-Bundesleitung in der Gabelsberger Straße werden den Jungen Abenteuergeschichten erzählt, man sitzt im abgedunkelten Raum im Kreis, in dessen Mitte lediglich eine Kerze brennt: „Es ging ja damals alles etwas romantisch zu!“ Durch die im ND tonangebenden Jesuitenpatres wird Franz-Josef erstmals Aspekte der „liturgischen Bewegung“ vermittelt.

Obwohl die äußeren Zeichen der ND-Mitgliedschaft wie etwa das Tragen der „Kluft“ oder das gemeinsame Wandern durch das NS-Regime längst verboten sind, versuchen die Jungen ihre Zusammengehörigkeit sichtbar zu machen. So tragen sie etwa bei öffentlichen Auftritten anlässlich kirchlicher Feste alle eine kurze schwarze Hose und ein weißes Hemd. Außerdem finden in der Kölner Umgebung weiterhin heimliche „Fahrten“ statt. „Es war ein eingeschränktes bündisches Leben“, erinnert sich Franz-Josef Blum und betont, dass das den Jungen in seiner Abenteuerlichkeit und Naturverbundenheit – man wäscht sich auf Fahrt im kalten Wasser der Agger, schläft auf provisorischen Matratzenlagern, wandert und singt Fahrtenlieder – viel Spaß gemacht habe. Franz-Josef steht kurz vor der Knappenweihe, als der ND 1938/39 endgültig verboten wird.

Sehr beeindruckt ist er danach von dem charismatischen Stadtjugendseelsorger Reinhard Angenendt, der sich zumindest in Teilen konspirativ gegenüber dem NS-Regime verhält. Daher übt er, der auch Kaplan in seiner Heimatpfarre St. Maria im Kapitol ist, einen großen Einfluss auf ihn aus. Franz-Josefs gegnerische Haltung zum NS-Regime wird außerdem wegen dessen Kampfs gegen die Kirche verstärkt. Zugleich muss er aber beobachten, wie zahlreiche ehemalige Mitglieder der katholischen Jugendbewegung hätten „die Fahnen wechseln“ und sich in der HJ engagieren.

Nach der endgültigen Auflösung des ND treffen sich die verbliebenen Jungen im Mariensaal von Kirche Maria im Kapitol, um zu beratschlagen, wie es mit der ND-Bewegung nun weitergehen könne. Dabei wird ihnen nahegelegt, sich in den einzelnen Pfarreien zu engagieren, was Franz-Josef auch beherzigte.