Schule: „Die Qualität der Schule, die nahm ab.“

Eingeschult wird Franz-Josef am 1. April 1932 in die Volksschule im Brigittengässchen. Mit der NS-Machtübernahme verändert sich das schulische Klima: Uniformen tauchen in der Schule auf, aber, so erinnert sich Franz-Josef Blum später, habe das „direkt keinen Einfluss“ gehabt, weil er habe einen guten Klassenlehrer gehabt habe. „Er war ein Lehrer, kein Ideologe.“

Nach der Volksschule besucht Franz-Josef zunächst das katholische Apostelgymnasium. Dort hat er einige jüdische Mitschüler. Weil er aber zu keinem von ihnen freundschaftlichen Kontakt unterhält, bemerkt er nicht, dass diese irgendwann verschwunden sind. Die Stimmung am Gymnasium schildert er rückblickend als distanziert gegenüber dem Nationalsozialismus.

 

Er macht zwei Leitfiguren in der Lehrerschaft aus, die eindeutig gegen den Nationalsozialismus eingestellt sind: Prälat Eichen und Studiendirektor Schlippenkötter, der sich auf witzige Weise dem eingeforderten Entrichten des „Deutschen Grußes“ widersetzt. Einige Lehrer seien jedoch „voll auf die neue Linie abgefahren“. So berichtet Franz-Josef Blum von einem Lehrer, der dezidiert eine idealisierte, geschönte NS-Ideologie vertreten habe – wohl eher aus Selbstschutz, um mit seiner jüdischen Frau überleben zu können. Diese Lehrkraft sei dann aber nach den Ferien nicht mehr wieder an die Schule erschienen. Erst später habe er dann erfahren, dass das Ehepaar verzogen und als der Mann zwischenzeitlich gestorben sei. Seine Frau sei nach Köln zurückgezogen, doch sei ihre Wohnung zwischenzeitlich von Nazis besetzt gewesen sei. Später sei sie dann deportiert worden.

Viele der Gymnasiasten sind in der Hitlerjugend organisiert: „Denen war es nicht recht, dass so viele noch im ND waren.“ Die Lehrerschaft sei diesem Punkt aber eher moderat als rabiat vorgegangen. Dennoch ist völlig klar, dass sich die Unterrichtsinhalte im Geschichts- und Deutschunterricht massiv verändern. Es gibt neue Schwerpunkte wie etwa Vererbungslehre oder Rassenideologie, die nun prominent auf dem Lehrplan stehen. Auch der Biologieunterricht wird nun „großgeschrieben“. Franz-Josef Blum betont bis heute, dass sich die Lehrer an diese geänderten Lehrpläne hätten halten mussten.

Aufgrund einer Straßenerweiterungen wird das Apostelgymnasium aufgelöst: „Das war für die Nationalsozialisten die Gelegenheit, diese Schule zu zerschlagen, d.h. also auch diese Schülerschaft zu zerschlagen, die sich aus einem bestimmten Bevölkerungskreis zusammensetzte“, nämlich der Kölner katholisch-bürgerlichen Mittelschicht. Franz-Josef wird dem Gymnasium Spiesergasse zugewiesen. „Die Qualität der Schule, die nahm ab.“ Aber auch hier gibt es Lehrer, die versteckt das NS-Regime kritisieren. Franz-Josef selbst bleibt auf Distanz zum Nationalsozialismus. So findet er die Hitler-Reden, zu denen sich alle Schüler zum „Gemeinschaftsempfang“ in der Aula versammeln müssen, langweilig – und freut sich, dass Unterricht ausfällt.