Jungmädelschaft: „Singen, lesen, spielen, Gemeinschaft“

In der Schule wird Marianne Görres für die Jungmädel angeworben. Sie nimmt an den Heimnachmittagen teil und findet auch Gefallen daran. „Und das war dann auch so aufgezogen, man singt zuerst ein Lied, dann wird was gelesen, gespielt oder gebastelt und noch mal ein Lied und dann auf Wiedersehen bis nächstens. Es war eine schöne Unterhaltung", so ihre ungetrübten Erinnerungen.

 

Vor allem das gemeinsame Singen aber auch das übrige Programm und das Gruppenleben insgesamt erinnert sie positiv. Dass die Lieder häufig von nationalsozialistischer Ideologie durchsetzt sind, empfindet sie damals nicht als sehr auffällig. „Natürlich, wir haben auch doofer Weise diese Lieder gesungen", aber die Tatsache, dass überhaupt gemeinsam gesungen wird, findet sie toll, und über den Inhalt macht sich das Mädchen wie wohl fast alle ihrer „Kameradinnen" wenig Gedanken. Heute erinnert sich Marianne Bonsiepen dagegen kopfschüttelnd: „Wenn ich daran denke, was das für Lieder waren, mein Gott noch mal".

 

Als sie um 1934 in der katholischen Jugend aktiv wird, bleibt Marianne den Jungemädeltreffen fern. Ihre BDM-Gruppenführerin, in deren Keller die Heimnachmittage stattfinden, fragt auch nicht nach, warum sie nicht mehr zu den Zusammenkünften erscheint.

Im Gegensatz zu Marianne ist ihr Bruder Bernhard in der HJ sehr aktiv. Er wird zum Jungscharführer und holt sich dort die Anerkennung, die er zu Hause - vor allem vom Vater - nicht bekommt. Ihr dagegen ist damals gar nicht bewusst, wie stark sich ihr Bruder dort engagiert; „das ist irgendwie an mir vorbei gegangen".