Politische Erinnerungen: „Aber so was lässt mich nicht los.“

Die Ereignisse um das Novemberpogrom gehen weitgehend an Marianne vorüber, da sie zu diesem Zeitpunkt ihr Pflichtjahr auf dem Land ableistet. Von den Zerstörungen, Demütigungen und Gewalttaten dam 9. November 1938 erfährt sie erst durch spätere Erzählungen.

Während des Krieges hört Marianne dann immer wieder Gerüchte über angebliche Untaten der Nationalsozialisten, weiß dabei allerdings nicht, was sie davon glauben soll. „Man hat ja was gehört, ob es stimmt, weiß man nicht, aber es sind Gräueldinge, die dann da so kommen. Und, wie haben es ja erlebt". In Steele gab es nämlich eine Zwangsarbeiterbaracke, und am Schicksal von deren Insassen kann Marianne zumindest einige s9olcher Dinge persönlich beobachten. So sieht sie, wie eingeschüchtert, verschreckt und ausgehungert die Zwangsarbeiter sind. „Ich weiß noch, wie da einer kam und sie antrieb, schneller zu gehen, wie der denn zusammenzuckte." Solche Erlebnisse beschäftigen die junge Frau damals intensiv. „Das hat mich immer wieder sehr getroffen."