Pfarrjugend: „Dann kam die Pfarrjugend…“
In ihrer Pfarrgemeinde St. Laurentius wird Marianne Görres zunächst angesprochen, ob sie nicht in der Borromäus-Bücherei helfen möchte. Das findet sie sehr attraktiv, da sie selbst sehr gern liest und eifrige Nutzerin der Bücherei ist. Dort kann, so zumindest ihre spätere Erinnerung, anders als in vielen vergleichbaren katholischer Bibliotheken bis 1945 relativ frei gearbeitet werden, da weder Bücher beschlagnahmt noch andere Einschränkungen verordnet werden. Auch während des Krieges wird die Bücherei nie geschlossen.
Als Marianne von Geistlichen gefragt wird, ob sie eine Jugendgruppe innerhalb der Pfarrjugend leiten möchte, sagt sie zu und findet in der Folgezeit große Freude an dieser Aufgabe. Die neue Rolle liegt ihr. Sie bereitet für ihre Mädchen regelmäßige Themennachmittage vor und sucht Materialien dafür zusammen: „Gedichte, Lesungen, Erzählungen, wir haben untereinander erzählt, gesungen". Natürlich dürfen die gemeinsamen Lieder nicht fehlen, denn Marianne ist eine begeisterte Gitarrenspielerin. Beliebtestes Fahrtenziel der Steeler Pfarrjugend in den 30er Jahren ist Marianthal, wo Lesungen und andere Veranstaltungen besucht werden.
Ihren späteren Mann Erich Bonsiepen lernt Marianne Görres 1939 im so genannten „Sing-Kreis" kennen. Diese Gruppe trifft sich in Steele anlässlich des Heimaturlaubs von Soldaten, die der dortigen katholischen Jugend angehören. Für sie und mit ihnen werden Fahrten, Ausflüge und Kaffeekränzchen veranstaltet. „Ja, dann wurde Freizeitgestaltung gemacht. Da sind wir gepaddelt, wir haben Singekreise gemacht an der Ruhr" und vieles mehr. Auf diese Weise und über Briefkontakte wird das alte Netzwerk der katholischen Jugend zusammengehalten und weiter gepflegt. „Die gaben Halt, diese Zusammenkünfte, man kippte nicht so schnell um", so Marianne Bonsiepen rückblickend. Die Gespräche bei diesen Treffen drehen sich naturgemäß neben anderen Themen auch um Kriegserlebnisse und deren Verarbeitung.
Mit der Zeit reift in der Gruppe der Plan, nach Madagaskar auszuwandern: „Ein ganz verrückter Plan war, wir wollten auswandern", denn falls der Krieg durch die Nationalsozialisten gewonnen werden würde, erwarten die Gruppenmitglieder eine zunehmende Verfolgung der katholischen Kirche und ihrer Jugend. Die Pläne gehen schon so weit, dass bereits genau die in der Emigration zu verricvhtenden Gemeinschaftsaufgaben verteilt werden. „Das war so aufbauend, Sie glauben das gar nicht. Weil man dann schon in der Ferne sah, wir werden zusammen bleiben, in unserem Sinne, etwas Neues schaffen, wo wir dann glücklich leben können."
