Katholische Jugend: „Und ich bin da weggegangen und dort hingegangen“
Mit zwölf Jahren wird Marianne Görres Mitglied im Jugendbund des katholischen Frauenbundes. Fortan engagiert sie sich dort und nimmt nicht mehr an den Jungmädeltreffen teil. Positiv in Erinnerung sind ihr vor allem die katholischen Festlichkeiten geblieben, die im Gruppenleben der weiblichen Jugend eine große Rolle spielen. Diese Feiern finden in der Regel in einem Haus des Jugendbundes in Essen-West statt. „Es war ähnlich, nur mit anderen Inhalten", vergleicht Marianne Bonsiepen heute die Situation bei Jungmädeln und Jugendbund. Wichtig sei bei der katholischen Jugend neben reiner Freizeitgestaltung aber natürlich „die christliche Komponente"gewesen, „nämlich Kirchgang, Beten, Gottesdienst".
Mit 13 Jahren fährt sie das erste Mal mit der katholischen Jugend nach Bendorf, wo der Frauenbund ein Tagungshaus besitzt. Dort wird auch bei künftigen Aufenthalten dem Gruppenleben den ganzen Tag über ein ausgesprochen christlicher Charakter gegeben, was Marianne Görres nachhaltig prägt.
1935 unternimmt ihre Jugendgruppe eine Fahrt nach Brakel an der Weser, die zu einem drastischen Einschnitt werden soll. Bis dahin war es bei Ausflügen und Fahrten zu keinen Konfrontationen mit dem NS-Regime gekommen, wohl nicht zuletzt deshalb, weil die katholischen Jungengruppen stärker im Visier von Gestapo und HJ-Streifendienstes stehen als jene der Mädchen. Die Gruppe aus Steele übernachtet in Brakel in einer Scheune und hält sich tagsüber in einer Hütte auf, die der dortigen Pfarrjugend gehört. „Da lebten wir, kochten wir, da machten wir unsere Spiele, da sangen wir, da machten wir Runden, da wurde gemeinsam die Komplet gefeiert, also all diese christlichen Dinge wurden da weiter getragen."
Im Rahmen dieser Fahrt kommt es nun doch zu einem Aufeinandertreffen mit dem NS-Überwachungs- und Verfolgungsapparat, bei dem einzelne Utensilien der Jugendgruppe beschlagnahmt werden. „Unsere Liederbücher wurden mitgenommen, es wurde der Wimpel mitgenommen", und die Anwesenden müssen über ihr Tun Rechenschaft ablegen. Es passiert ihnen weiter nichts, dennoch führt dieses Erlebnis de facto zur Auflösung der Gruppe, da die Mädchen sehr eingeschüchtert sind. Daher ist es die letzte gemeinsame Fahrt des Jugendbundes, auch andere gemeinsame Unternehmungen wagen die Mädchen anschließend nicht mehr.
„Aber die Pfarrjugend ist dann geblieben", benennt Marianne Bonsiepen die nächste und wohl wichtigste Etappe ihrer Jugendzeit.
