Krieg: „Einmal war es ganz furchtbar“
Der Kriegsbeginn löst bei Marianne Görres keine Begeisterung aus. Aber sie weiß noch heute, dass in der ersten Zeit der Alltag noch ganz gut funktioniert. Doch das währt nicht lange. Ihr Bruder Bernhard wird als Soldat schon in den ersten Kriegsmonaten verwundet und verbringt anschließend lange Zeit in Maria Laach im Lazarett. Marianne besucht ihn regelmäßig und kommt auch in Kontakt zu den dortigen Geistlichen. Nach der Entlassung aus dem Lazarett legt der nicht mehr „kriegsverwendungsfähige" Bernhard Görres sein Abitur ab und studiert anschließend in Leipzig.
Den Bombenkrieg in Essen erlebt Marianne nur in den Semesterferien, da sie seit 1941 an der Hochschule für Lehrerbildung im schlöesischen Hirschberg studiert. Sie empfindet die Angriffe im Grunde nicht als sehr bedrohlich, sondern ist meist gelassen und geht bei Alarm - den sie aus Hirschberg gar nicht kennt - nicht in den Keller.
Sie kann sich jedoch deutlich an eine Ausnahme erinnern, bei der diese Unbekümmertheit verlassen hat: „Da hab ich zu ersten Mal und einmalig Angst gehabt." Eines Tages gerät sie während eines Angriffs auf Essen nämlich in eine Situation, wo um sie herum plötzlich ganz nah die Bomben einschlagen. Sie läuft panisch zu ihren Eltern in den Stadtgarten-Bunker, und als sie dort in den Keller eintritt, hört sie die Leute „beten und jammern und schreien" und sieht sie „auf den Knien liegen bzw. am Boden, weil es hieß, niederwerfen, wenn so was geschieht." Anschließend, als sie zurück im ruhigen Hirschberg ist, versucht sie, die Erlebnisse in Essen zu vergessen. „Ich hab das dann ein wenig weggedrängt".
Beim Umgang mit dem Tod von Bekannten und Freunden hilft ihr immer wieder der Glaube daran, dass ein besseres Leben nach dem Tod folgt. Da ihr späterer Mann Erich nur kurze Zeit unmittelbar an der Front eingesetzt wird, bereitet ihr dessen Wohlergehen zudem relativ wenig Sorge. „Der war praktisch gerettet" durch seine Tätigkeit als Ausbildungsoffizier in Wien.
