Die Gleichschaltung der „Teutonia“

Die Gleichschaltungsbestrebungen des NS-Regimes wurden sehr schnell auch im Ausland wirksam, wo bestehende Organisationen und Vereine kritisch beobachtet wurden. So musste der deutsche Generalkonsul Marckwart im Juli 1933 zu einer Beschwerde eines in Istanbul lebenden Deutschen Stellung beziehen, der sich über die personellen Verhältnisse in der „Teutonia“ – genauer: über die Vereinsmitgliedschaft von Juden - beschwert hatte. Der Diplomat versuchte zu beschwichtigen, indem er die Eingabe des Denunzianten als „Machwerk“ qualifizierte und nach Berlin mitteilte: „Der hiesige deutsche Klub ‚Teutonia‘ umfasst 150 Mitglieder, davon sind 18 Juden, letztere halten sich seit dem Umschwung fern.“[1]

Eine solche Strategie hatte aber auch in der Türkei nicht lange Bestand. Auch hier wurden im Interesse einer „Erstarkung der Volksgemeinschaft“ ehemals unabhängig agierende Vereine und Institutionen „gleichgeschaltet“ und dabei nicht selten zusammengeschlossen. Den ersten und aufgrund ihrer Bedeutung für das deutsche Leben am Bosporus aufsehenerregendsten Schritt machten die Vereine „Teutonia“ und „Alemania“, die noch 1933 auf Betreiben der letztgenannten, zu diesem Zeitpunkt bereits weitaus stärker nazifizierten Vereinigung fusionierten.

Danach zählte die neue „Teutonia“ 310 Mitglieder und versammelte verschiedene Interessengruppen unter ihrem Dach. Generalkonsul Toepke lobte noch im Januar 1935 in einem Bericht an das Auswärtige Amt in Berlin die gelungene „ Verschmelzung“ der beiden Vereine. „Unter der rührigen Leitung eines hiesigen Parteigenossen werden in der Teutonia Konzerte, Tanztees, Eintopfessen, Theateraufführungen usw. zu billigsten Eintrittspreisen veranstaltet, die die hiesige Kolonie, die sich auf etwa 900 Köpfe beläuft, oft fast geschlossen vereinigt.“ Dabei wurden natürlich all jene nicht zur deutschen Gemeinschaft gezählt, die aus Deutschland emigriert waren. Anne Dietrich schätzt die Zahl der Kolonie-Angehörigen zu diesem Zeitpunkt auf immerhin bereits 2.000 bis 3.000 Personen.[2]

Fußnoten

[1] Zitiert nach Dietrich, Deutschsein, S. 198

[2] Vgl. Dietrich, Deutschsein, S. 211f. Dort auch das Zitat.