Kindheit und Jugend: „Als guter Katholik gehorcht man!“

Klaus Frankens Familie wohnt am Gereonswall, der zur Pfarre St. Ursula gehört. Hier wächst er zwar in einem katholischen Elternhaus auf, aber seine Familie ist keineswegs ausgesprochen religiös: „Wir gehörten einfach dazu!“ Zu Hause wird eine traditionelle Frömmigkeit gelebt, zu der wie selbstverständlich die katholische Heiligenverehrung zählt - „der ganze Kitsch!“, wie Klaus Franken rückblickend urteilt. Klaus zeigt sich aber sehr früh zur Jugendarbeit der Pfarre hingezogen und wird bereits 1923 zu einem Führer der Jungschar von St. Ursula berufen.

Zwischen 1919 und 1927 besucht Klaus die Volksschule und erlernt anschließend den Beruf des Schriftsetzers. Damit er danach noch Zeit für seine ehrenamtliche Jugendarbeit innerhalb der Diözese findet, reduziert der streng katholische Leiter der Druckerei die Arbeitszeit seines Lehrlings auf die Zeit von 7 bis 15 Uhr.

Zunächst engagiert sich Klaus in der Bündischen Jugend, deren Mitglieder sich aus zahlreichen anderen Gruppierungen zusammenfinden – beispielsweise den Pfadfindern. Die Gruppen sind bunt gemischt und nicht ausschließlich katholisch orientiert; auch evangelische Jugendliche sind dabei. Man trifft sich, wandert und singt Lieder. Grundsätzlich klafft aber weiterhin eine große Kluft zwischen den Konfessionen: „Die Evangelischen, das waren für uns ganz komische Leute!“

Nachdem Klaus innerhalb Katholische Jugend zum Führer aufgestiegen ist, besucht er bald auch Gruppen in anderen Städten, um dort Führerschulungen durchzuführen. Dabei, so betont Klaus Franken rückblickend mehrfach, sind Bezeichnungen wie „Führer“ und „Führertum“ damals etwas Selbstverständliches. „Für uns war das ganz normal!“. Der Begriff habe erst durch Adolf Hitler den ihm innewohnenden negativen Beigeschmack bekommen.

Zu den Schulungen fährt der mittlerweile Volljährige bald mit einem Motorrad - einer DKW 250 -, das ihm und den anderen Diözesanführern von der Diözese zur Verfügung gestellt wird, um die großen Entfernungen zwischen den Schulungsorten zügiger überwinden zu können. Trotz Restriktionen und selbst nach vorläufigen Verboten der katholischen Jugendorganisationen durch das NS-Regime setzt Klaus sein Engagement zunächst konspirativ fort.

Ein politisches Bewusstsein, so erklärt er später, habe sich in dieser Zeit bei ihm und in den Reihen der bedrängten katholischen Jugendlichen jedoch kaum ausgebildet. Es habe auf allen Gebieten die Maxime gegolten: „Als guter Katholik gehorcht man!“ Erschwerend sei damals hinzugekommen, dass es noch keine Massenmedien gegeben habe und Rundfunk und Zeitungen zudem gleichgeschaltet gewesen seien und es somit keine Möglichkeit gegeben habe, sich halbwegs objektiv zu informieren.