Verhaftung: „Aus dem Wanderer wurde auf einmal der Marschierer.“
Die Zusammenkünfte in den Untergruppen der Sturmschar laufen immer nach gleichem Muster ab. Das, so urteilt Klaus Franken rückblickend, habe den Jugendlichen Orientierung in einer schwierigen Zeit gegeben. Die Ausdrucksformen Singen und Wandern, ab Anfang der 1930er Jahre dann immer stärker das Marschieren sind typisch für die damalige Zeit und finden sich in den Jugendgruppierungen aller weltanschaulicher Richtungen. Insbesondere das Marschieren soll für signalisieren: „Wir sind da!“, was dazu führt, dass verschiedene Gruppen oft auch gegeneinander marschieren. So wird Klaus bereits vor 1933 im Kölner Eigelsteinviertel häufiger Zeuge von Schlägereien zwischen Kommunisten und NS-Anhängern. Insgesamt wandelt sich die ursprüngliche Wandervogelbewegung mehr und mehr zur Marschbewegung: „Aus dem Wanderer wurde auf einmal der Marschierer.“ „Zackig“ wird zum Modewort der Zeit, in dem sich auch die öffentliche die Präsenz der katholischen Jugend am besten widerspiegelt.
Nach dem Verbot von Gruppen des KJMV durch das NS-Regime treffen sich deren Mitglieder der Katholischen Jugend weiterhin. Allerdings müssen diese Treffen nun konspirativ verlaufen und finden in den Kellern oder auf den Dachböden der Elternhäuser statt. Treffen in Pfarrheimen werden seltener, weil immer mehr Pfarrer Angst davor haben, den Jungen diese für ihre inzwischen verbotenen Treffen zur Verfügung zu stellen. Weil auch die Kluft längst verboten worden ist, tragen die Jungen einheitlich buntkarierte Hemden, wodurch sie im Erscheinungsbild manchmal den unangepassten Jugendgruppen der „Navajos“ ähneln.
Klaus versucht in dieser Situation zunehmender Isolation eine lokale Allianz zwischen Führern der Sturmscharen, der katholischen St- Georgs-Pfadfinder (DPSG) und des „Bund Neudeutschland“ zu initiieren, was ihm jedoch weitgehend misslingt. Als im Januar 1936 der katholische Kaplan Rossaint verhaftet wird, dem die Gestapo Kontakte zur illegalen kommunistischen Jugend und damit „Hochverrat“ unterstellt, werden „über Nacht“ auch 40 rheinische Sturmscharführer verhaftet. Klaus Franken zählt nicht zu dieser Gruppe, weil er in beschlagnahmten Listen namentlich nicht genannt ist.
Das schützt ihn jedoch nicht davor, dennoch immer wieder zum Verhör ins EL-DE-Haus zitiert zu werden, wobei ihn die Gestapo allerdings nie misshandelt. Als ihm einer der vernehmenden Beamten doch einmal Schläge angedroht habe, habe er – so erinnert sich Klaus Franken – geantwortet: „Wenn Sie wollen, bitte!“ „Was sollte ich denn anderes sagen?“, fragt er Jahrzehnte später. „Andere aber haben sie blau und rot geschlagen!“ Ein ihm bekannter Pfadfinder, so fügt er hinzu, habe beim Verhör einen Zettel mit Adressen bei sich getragen. Damit der der Gestapo nicht in die Hände fiel, habe er ihn kurzerhand verschluckt, was gleichermaßen schwierig und unangenehm gewesen sei.
Auch Mutter Franken ist eine couragierte Frau, die dem NS-Regime ablehnend gegenübersteht. So findet die sich sofort bereit, Mimi Schwarz, eine mit der Familie befreundete Jüdin, bei sich versteckt und sie – wie auch weitere jüdische Mitbürger – zu Unterstützen. Nicht zuletzt durch diese Hilfe gelingt es Mimi Schwarz später, in die USA auszuwandern.
