Wehrmacht und „Graue Briefe“: „Stand hielten die Frauen, die zu Hause waren.“
1940 wird Klaus Franken zur Wehrmacht eingezogen und ab 1941 auch an der Ostfront eingesetzt. Seine „Heimaturlaube“ nutzt er zum Treffen mit alten Freund*innen, mit denen er samstagsabends auch die Deutsche Komplet in der Kirche Maria im Kapitol besucht. Ort und Anlass werden im Laufe der Jahre zum immer stärkeren Magneten und zugleich zum Austauschplatz der neuesten Nachrichten von den Fronten und aus der Heimat.
Mit anhaltender Dauer des Krieges erweist es sich als immer schwieriger, den angestrebten Kontakt zu den Angehörigen der katholischen Jugend aufrechtzuerhalten. Um einen kontinuierlichen Meinungsaustausch zu sichern und ein Gemeinschaftsgefühl zu wahren, ersinnt Klaus Franken das Kommunikationsmittel der „Grauen Briefe“. Er selbst kann später nicht endgültig zur Klärung der Namensgebung beitragen. Er habe sich für den Titel „Grau“ entschieden, so erklärte Klaus Franken später, weil diese Rundbriefe auf grauem Papier gedruckt worden seien. Wahrscheinlicher erscheint jedoch die Erklärung, die er hinsichtlich des Namens an anderer Stelle gab: „Grau, wie die Hemden der Sturmscharführer.“
Da die weitaus meisten jungen Männer zur Wehrmacht eingezogen sind, übernehmen in Köln verbliebene junge Frauen aus der katholischen Jugend zentrale Aufgaben bei der Herstellung und Verbreitung der „Grauen Briefe“. Nachdem Klaus Franken die an ihn gerichteten Briefe von Freunden an der Front redigiert hat, schickt er sie an seine Schwester Therese, die mit einer Freundin die ausgewählten Passagen auf Matrizen abtippt, diese unter konspirativen Umständen abziehen lässt, zu den „Grauen Briefen“ zusammenheftet und dann aus Köln und der näheren Umgebung an jene Feldpostadressen verschickt, die ihr Bruder ihr zukommen lässt. „Die Männer waren ja im Krieg. Stand hielten die Frauen, die zu Hause waren“, fasste Therese Franken ihre Aufgabe später knapp zusammen. Etwa anderthalb Jahre werden die „Grauen Briefe“ produziert, bis Klaus Franken diese Tätigkeit aus Angst vor Repressalien einstellt.
„Wir lebten in einer Endzeitstimmung, die kann heute gar keiner begreifen! Rundum wurde gestorben.“
