Katholischer Jung-Männer-Verband: „Wir sind ja gar nicht politisch interessiert gewesen!“
Als führendes Mitglied der lokalen katholischen Jugendbewegung nimmt Klaus Franken für sich und die gleichgesinnten katholischen Heranwachsenden in Anspruch, in Opposition zur „alten“ Kirche zu stehen. „Die Jugend, die hat sich selbst weitergeführt, es war ein ungeheurer Stilwille da!“, lautet seine rückblickende Analyse. Dieser Stil - die „Form“, wie die jungen Leute damals sagten – äußert sich etwa aus in einer bestimmten Ausgestaltung der Jugendzimmer oder der Lektüre bestimmter religiöser Schriften, die deutschlandweit von Angehörigen und Sympathisanten der Katholischen Jugend gelesen werden.
Deren Dachorganisation, der „Katholische Jung-Männer-Verband“ (KJMV), gliedert sich in Gruppen vor Ort, die – wie etwa die „Sturmscharen“ - aus der Heimatpfarrei heraus entstehen. Deren geistliche Leiter sind in aller Regel die Jugendkapläne der Pfarreien, geleitet werden die Gruppen zumeist jedoch von älteren Jugendlichen. Unter dem Dach des KJMV, dessen Zentrale im „Jugendhaus“ in Düsseldorf angesiedelt ist, werden zahlreiche Aktivitäten organisiert, Zeitschriften und Liederbücher herausgegeben oder – als damals modernstes Medium – Schallplatten mit katholischen Texten oder Liedern produziert werden. Auf den hohen Grad der eigenständigen Organisation und Produktion bleibt Klaus Franken lebenslang besonders stolz.
Die Sturmschar besteht zu einem sehr Prozentsatz aus Arbeiter- und Handwerkerkindern und Heranwachsenden aus anderen Berufszweigen. Höhere Schüler oder gar Studenten gibt es dort kaum. Auch die Sturmscharen pflegen seit Ende der 1920er-Jahre zunehmend ein bündisches orientiertes Gemeinschaftsleben mit „mit Fahrt und Lager“.
Die Sturmscharen der Pfarreien gliedern sich in drei Altersgruppen: Jungschar (10-14 Jahre), Jungenschaft (14-18) und Jungmannschaft der Älteren. Eine Gruppe soll möglichst nicht mehr als 15 Jungen umfassen. Eine entsprechende Organisationsform für die Mädchen gab es hingegen nicht. „Also, bei uns waren nur Männer, um Gottes Willen, damals gab es ja noch keine Koedukation!“ Auf den Gruppennachmittagen, die meist in der Pfarrei stattfinden, wird gesungen, gebetet und gespielt. Am Wochenende geht es mit der Straßenbahn hinaus aus Köln. Vor allem im Königsforst und im Bergischen wird gewandert und in Jugendherbergen, bei Verwandten, bei Bauern oder in Zelten übernachtet. In den Ferien geht es möglichst auf große „Fahrt“, wobei auch unorganisierte Jungen mitfahren dürfen, die nicht wissen, was sie ihre Ferien gestalten sollen.
Auch in den Sturmscharen, so betonte Klaus Franken später, habe Politik zunächst keine Rolle gespielt: „Wir sind ja gar nicht politisch interessiert gewesen. Wir waren kulturell interessiert. Man würde heute sagen: Selbstverwirklichung!“ Und: „Wir waren mythisch veranlagt, es war ja auch eine Flucht zurück in das christliche Reich!“ Vor diesem Hintergrund besuchen die katholischen Gruppen auch Museen, interessieren sich für neue kulturelle und künstlerische Strömungen, bewundern – darin zeitgemäß modern - das „Bauhaus“ und damit das Schlichte, was sich insbesondere in der oft kargen und klaren Linien verpflichteten Gestaltung der Jugendzimmer niederschlägt.
Nach Ableistung seines Arbeitsdienstes übernimmt Klaus Franken in Köln wieder die Jungschar seiner Pfarrei St. Ursula.
