Leipzig - „Das gab es hier nicht“

Anna Albers Vater wird im Sommer 1935 nach Leipzig versetzt. Die Interviewte vermutet, dass die Versetzung damit zusammenhängt, dass der Vater nicht in der Partei ist. Da der Vater bei einer dienstlichen Untersuchung durch einen Sehtest fällt, wird er anschließend frühzeitig pensioniert, sodass die Familie wieder zurück nach Essen ziehen kann. Dies ist für die Eltern eine Erleichterung, für Anna Büse ist der erneute Wechsel jedoch nicht nur mit guten Erinnerungen verbunden. So ist zum Beispiel ihre neue Leipziger Schule - ebenfalls eine katholische Volksschule - weit besser ausgestattet als ihre alte Schule: Einen Physikraum, einen Werkraum für die Jungen, eine kleine Turnhalle. Zudem werden kulturelle Aktivitäten unternommen, so besucht die Schülerin zum Beispiel mit ihrer Klasse eine Ausstellung im „Grassi-Museum". All so etwas „gab es hier nicht", so die Zeitzeugin über ihre Steelenser Schule. Nach der Rückkehr geht Anna Albers wieder in ihre alte Klasse.

 

An politische Indoktrination kann sich Anna Büse auch in der Leipziger Volksschule nicht erinnern. Insgesamt fühlt sich Anna Albers nach der Eingewöhnung ganz wohl in Ostdeutschland, auch wenn sie einige Zeit braucht, um den sächsischen Dialekt zu verstehen. Eine Mitgliedschaft bei den Jungmädeln kann sie umgehen, da ihre Mutter angibt, dass sie unbedingt in der neuen, fremden Stadt die Hilfe ihrer Tochter im Haushalt benötigt. Anna Albers schließt sich in Leipzig wieder einer katholischen Jugendgruppe an.