Jungmädel - „Die Gedanken sind frei“?

„Und als wir wieder in Steele waren, da konnte ich mich nicht mehr drücken, da konnte Mutter auch nichts mehr sagen", so Anna Büse zu ihrer Teilnehme an den Jungmädelheimabenden nach der Rückkehr aus Leipzig. Beim ersten Heimabend „hab ich gelernt, ein Lied, ‚die Gedanken sind frei'", so die Interviewte schmunzelnd. In der Folgezeit empfindet Anna Büse die Jungmädel-Aktivitäten nicht als politisch aufgeladen: „Die Heimabende waren nicht politisch bedrückend." Vielmehr wird sich hauptsächlich mit speziellen „Wissensgebieten" statt mit Politik auseinandergesetzt, so Anna Büse. Ihre Gruppenführerin ist katholisch, es könnte sein, dass der politische Druck deshalb so gering war. Die Heimabende finden - zumindest zu späterer Zeit - in einem Privatraum des Professors Parisius, dem Leiter des Knappschaftkrankenhauses, statt. Er selbst hat mit der Sache kaum etwas zu tun, seine Frau stellt die Räume für die Jungmädel zur Verfügung.

 

Eine offizielle Mitgliedschaft mit einem Ausweis umgeht Anna Büse bis zuletzt. Die Unterschrift, die dafür nötig ist, „kriegen sie von mir nicht (...) die hab ich nicht gegeben". „Ich weiß nur, dass ich zu den Heimabenden gegangen bin und sonst nichts", so Anna Büse in ihrem Interview. Diesbezüglich habe auch nie jemand nachgehakt oder Druck ausgeübt.