Nachkriegszeit: „Ich darf sagen, dass ich vielen Menschen geholfen habe!“
Nach Kriegsende wird Thereses Chef – in ihrer rückblickenden Sicht „alles andere wie ein Nazi“ - verhaftet, so dass sie das Geschäft weiterführen muss. Die Gründe für die Verhaftung werden zumindest ihr nicht klar.
In der Pfarre St. Maria im Kapitol beschließen junge Katholik*innen, die froh und dankbar sind, dem Krieg entronnen zu sein, nun eine gemeinsame Siedlung zu gründen und aufzubauen. Die Wahl fällt auf Bergisch Gladbach. Durch Beziehungen gelingt es ihnen, den kriegsbedingt völlig Mittellosen, dort auf Hypothekenbasis Baugrund zu erwerben. Die Siedlung mit dem beziehungsreichen Namen „Sturmscharsiedlung“ umfasst 50 Häuser, die in Eigeninitiative gebaut werden. Bei Therese Bauer und deren Mann, der zugleich als Architekt für das Siedlungsprojekt verantwortlich zeichnet, dauert die Fertigstellung des Hauses rund zehn Jahre.
Therese Bauer übernimmt die Bauführung: „Mein Mann gab mir abends Unterricht, was morgens gebaut würde!“ Die Frauen packen mit an, ziehen Mauern hoch und leisten auch sonst die gleiche Arbeit wie die Männer. Nach und nach werden Kinder in die neue Siedlung hineingeboren - „das waren hundert in der Siedlung!“ Politik spielt in dieser Phase des Hausbaus und der Familiengründung unter den Siedlern hingegen kaum eine Rolle mehr.
Rückblickend ist Therese Bauer zufrieden mit ihrem Leben: „Ich darf sagen, dass ich vielen Menschen geholfen habe!“ Viele, besonders die Frauen, hätten insbesondere in der Nachkriegszeit nicht viel besessen. Aber: „Man hat sich alles geteilt!“ Diese Solidarität, die Therese schon als Kind auf den Straßen um St. Ursula erlebt hat, hat sie sich erhalten: „Von klein an!“
Neben der Familie war es insbesondere die Katholische Jugend, die Thereses Leben prägte: Seit ihrem 15. Lebensjahr ist sie - ausgehend von den damaligen Treffen in Altenberg - mit Mitgliedern ihrer Pfarre und anderen katholischen Freundinnen und Freunden zeitlebens zusammen gewesen. Noch bis ins hohe Alter fährt sie mit ihnen jedes Jahr gemeinsam in Urlaub, um zu wandern und zusammen zu sein – „wie in alten Tagen“.
