Boykott, Pogrom und Judenverfolgung: „Frau Franken, Sie verdienen sich bei mir den Himmel!“
Therese Franken erlebt nicht zuletzt aufgrund ihrer Beschäftigung in einem jüdischen Geschäft den auch in Köln allgegenwärtigen Antisemitismus - einschließlich des Boykotts vom 1. April 1933 und des Pogroms vom 9. November 1938 - hautnah mit. So wird sie beispielsweise Zeugin, wie bei den jüdischen Geschäften in der Hohen Straße die Schaufensterscheiben eingeschlagen werden.
Auch nach dem 1. April 1933, so erinnert sich Therese Bauer später nur zu gut, hätten sich die Überfälle auf die jüdischen Geschäfte fortgesetzt. Auch das Schuhgeschäft, in dem sie lernt, ist hiervon betroffen: „Da habe ich Menschen kennengelernt …!“ Der Fahrer, der bis dahin die Schuhe für das Unternehmen ausliefert habe, habe sich als extremer Antisemit erwiesen und die Menschen, die am Geschäft vorübergegangen seien, dazu aufgefordert, den jüdischen Inhaber zu bestehlen und zu misshandeln: „Unser Fahrer, der hat meinen Chef so verraten, dass ich nur vor dem ausgespuckt hab‘.“ Dabei und bei zahlreichen weiteren Gelegenheiten wird Therese aber ihre Ohnmacht schmerzhaft bewusst: „Ich hätt‘ mich am liebsten vor den Chef gestellt und den geschützt, aber das konnt‘ ich nicht.“
Unter den jüdischen Mitbürgern sind viele, die Therese ausgesprochen mag und denen sie hilft, aber auch solche, die sie regelrecht verachtet. „Die Leute, die ich als Juden kennengelernt habe, waren für mich die wertvollsten, das waren alles so kluge und menschliche Leute, die Herz hatten. Es gab aber auch welche, die unverschämt waren. Aber das gibt es ja überall!“ Therese Bauer erinnert sich auch daran, dass jüdische Kinder von einem Priester der Pfarre St. Gereon getauft worden seien, um sie so vor der Verfolgung zu schützen. Aber auch das habe nichts genutzt. „Sie sind alle umgekommen!“
Im Laufe der NS-Zeit hilft Familie Franken mehreren jüdischen Bekannten, kocht für sie und bietet ihnen Möglichkeiten, sich zu ihren Verfolgern zu verbergen. Die versteckt Thereses Mutter Mimi Schwarz, eine jüdische Lehrerin, die mehrere Jahre unter dem Schutz der Familie lebt. Mimi Schwarz habe ihrer Dankbarkeit überschwänglich Ausdruck verliehen: „Frau Franken, Sie verdienen sich bei mir den Himmel!“ Schließlich gelingt ihr die Emigration in die USA, wo sie einen Rabbi heiratet.
Auch anderen verfolgten Juden habe ihre Mutter mit der Organisation von Fluchtmöglichkeiten geholfen, erinnert sich Therese Bauer und betont die psychischen Belastungen, die gerade für Heranwachsende während der NS-Zeit aus solchen Situationen erwuchsen: „Wir haben eigentlich als Kinder viel zu viel Schweres erlebt mit anderen Menschen.“
