„Der Speerflug“: „Wenn der Klaus weg war, dann musste der Koffer auch weg!“
Thereses älterer Bruder Klaus nimmt eine prominente Rolle innerhalb der katholischen Jugendbewegung ein. Er ist nicht nur Mitarbeiter im Jugendhaus in Düsseldorf, sondern auch Kölner Stadtjungscharführer. Für das Jugendhaus gibt er monatlich die Jungen-Zeitschrift „Am Scheidewege“ heraus, die in den Kreisen der katholischen Jugend viel gelesen wird, bis sie 1938 verboten wird.
Bereits ab 1933/34 beginnen die Schikanen, denen sich Klaus Franken von Seiten des NS-Regimes nun dauerhaft ausgesetzt sieht. Er wird in den nächsten Jahren mehrfach zu Verhören ins EL-DE-Haus geladen, wo die Kölner Gestapo ihren Sitz hat. Wenn er von dort nach Hause zurückkehrt, instruiert er seine Schwester für den Fall, dass sie selbst verhört werde: „Therese, du musst so blöd sein und die Bibel kennen, so dass die denken: Die ist blöd.“ Besonders betont, so erinnert sich Therese Bauer, habe ihr Bruder dabei stets den unbedingten Verzicht auf ein Thema: „Keine Politik!“ Das habe ihr dann später, als die Gestapo sie tatsächlich zum Verhör vorgeladen habe, tatsächlich sehr geholfen. Die Gestapo-Leute, die an der Haustür der Frankens erscheinen, erkennt sie schon von weitem: „Die kannten wir, die hatten alle Ledermäntel und große Hüte.“
Klaus wird auch deshalb immer wieder abgeholt, weil er mit „Der Speerflug“ ein sehr populäres Jugendbuch geschrieben hat, dessen illegale Verbreitung er teilweise selbst übernimmt. Mit einer trickreichen Vorrichtung gelingt es der Familie, die hierbei entstandenen, in einem Koffer verborgenen Unterlagen bei Hausdurchsuchungen zu verbergen. „Wenn der Klaus weg war, dann musste der Koffer auch weg!“ Es ist vor allem Thereses Aufgabe, das im Koffer untergebrachte Manuskript des „Speerflugs“ bei Gefahr außer Haus zu schaffen.
Wenn sie aufgrund der Abwesenheit ihrer Freundinnen oder anderer guter Bekannter gar keine andere Möglichkeit mehr sieht, gibt die den Koffer bei der Gepäckaufgabe am Kölner Hauptbahnhof ab. So kann erfolgreich vermieden werden, dass die Gestapo das gesuchte Manuskript in der Wohnung der Frankens findet.
