Eine Kölner Kindheit: „Es gab kein Spiel, was wir nicht machten!“
Familie Franken wohnt in Köln zunächst auf dem Gereonswall in einem Mehrfamilienhaus, zieht dann in die Cordulastraße, die nahe an der Kirche St. Ursula, aber auch nahe am Gefängnis Klingelpütz gelegen ist. In den Gefängnishof kann man vom Fenster aus hineinsehen: „Das war natürlich interessant!“ Thereses Bruder Klaus begleitet den Pfarrer von St. Ursula als Messdiener ins Gefängnis. Ihre Mutter arbeitet zu Hause als Perlenstickerin. Sie entwirft auch Mustervorlagen für Stickereien, die deutschlandweit vertrieben werden. Aufgrund ihrer perfekten Arbeit zählen auch die Schauspielerinnen des Kölner Schauspielhauses zu ihren Kunden. Mutter Franken verdient gut, allerdings nicht gut genug, um ihrer Tochter den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen.
Therese wird im Eigensteinviertel groß, wo sie eine glückliche Kindheit verlebt, während der viel auf der Straße gespielt wird: „Es gab kein Spiel, was wir nicht machten!“ Besonders gerne spielt sie mit Klickern, worin sie es zur wahren Meisterschaft bringt. Sonntags allerdings werden die Kinder fein angezogen. Weil sie sich nicht schmutzig machen dürfen, können sie nicht so frei spielen wie unter der Woche. Sie müssen sich damit begnügen, bei Kreisspielen Lieder zu singen, und die Eltern schauen von den Fenstern aus zufrieden auf ihre braven Sprösslinge.
Als verbotene Zone gilt für die Kinder das Rotlichtviertel um den Stavenhof, ohne dass man sie über die Gründe des Verbots in Kenntnis setzt. Therese darf auch die dort wohnenden die Kinder nicht mit nach Hause bringen, was sie jedoch nocht davon abhält, auf der Straße mit ihnen zu spielen: „Auf der Straße waren wir ne große Familie!“ Das gilt auch für die Kinder aus einem großen Haus, in dem besonders viele Kommunisten wohnen.
Die Religion prägt und strukturiert das Leben von Familie Franken. Morgens wird zusammen gebetet, und es werden regelmäßig Kirchlieder gesungen. Allerdings gehören auch Karnevalslieder zum Familienrepertoire: „Die konnten wir alle!“ Therese geht jeden Morgen um 6 Uhr mit ihrem als Messdiener aktiven Bruder Klaus zur Messe. Wenn die zu Ende ist, ist es noch zu früh, zur Schule zu gehen und sie laufen einmal zum Rhein und zurück.
Politik erlebt Therese zunächst nur aus großer Ferne, was sich ab etwa 1930 aber ändert. „Als Wirtschaftskrise war, da waren die Kommunisten da und vor allen Dingen: viele!“ Sie wird Augenzeugin von Straßenschlachten zwischen Anhängern der verschiedenen Parteien. „Dann flogen die Mützen!“ Obwohl die Mutter ihr verbietet, während solcher Auseinandersetzungen auf die Straße zu gehen, bleibt Therese interessierte Beobachterin. Als dann aber ein Bekannter der Familie bei einem dieser Straßenkämpfe getötet wird, zieht sie sich zurück.
