Bombenkrieg: „Ich hab‘ acht verschiedene Adressen gehabt!“

Über den drohenden Beginn eines Krieges, so Therese Franken, sei 1939 in ihrer Familie nicht gesprochen worden. Allerdings habe man böse Vorahnungen gehegt. Sie selbst befindet sich bei Kriegsbeginn wegen einer Erkrankung im Sanatorium. Als ihr Bruder Klaus dann 1940 eingezogen wird, hat sie nicht nur deshalb dauerhaft Angst um ihn, weil ihm als Soldat etwas zustoßen könne, sondern auch wegen ihrer Befürchtung, dass er den „Nazis in die Finger fallen“ könne.

Mitte 1943 trifft auch Familie das Schicksal vieler Kölner*innen: Das elterliche Haus wird von Bomben getroffen und total zerstört – einschließlich der illegalen Druckerei im Keller. Mutter Franken zieht daraufhin zu einer ihrer Töchter in die Eifel.

Thereses Leben verläuft während der Zeit der dauernden schweren Bombardierungen zwischen Todesangst und Gleichgültigkeit, weil sie weiß, dass sie aufgrund der dabei entfalteten Zerstörungskraft kaum noch aktiv Einfluss auf ihr Überleben nehmen kann. Wegen des ständigen durch Alarme und Angriffe bedingten Schlafmangels nimmt ihre Erschöpfung stetig zu. Als sie dann auch noch ihre letzte Tasche, in der sie die Zeichnungen eines Bruders hütet und aufbewahrt, bei einem Angriff verliert, ist sie erleichtert: Jetzt hat sie nichts mehr, auf das sie aufpassen muss.

Therese zieht nun - obdach- und heimatlos geworden - in Köln und Umgebung zum Schlafen von einer Freundin zur nächsten. Sie hat alles verloren, trägt auch tagsüber über ihrem Schlafanzug nur noch ihren Mantel und ist und bleibt immer übermüdet.

Auch ohne festes eigenes Dach über dem Kopf arbeitet sie weiter in Köln und wird in ihrer Firma sogar mit einem Vertrauensposten betraut. Erst gegen Kriegsende geht sie zu ihrer Schwester in die Eifel: „Da bin ich die ganze Zeit geblieben, weil ich einfach schlafen musste.“