Schule: „Dafür waren wir zu arm!“
Therese besucht die Volksschule in der Stolkgasse. Den Schulalltag erlebt sie wie die meisten ihrer Altersgenoss*innen: Die Kinder spielen den Lehrern Streiche und diese versuchen die Disziplin und den Lernerfolg mit Hilfe körperliche Bestrafung zu gewährleisten: „Der hat ihn derart verhauen!“ Sie selbst, so erinnerte sich Therese Bauer noch Jahrzehnte später, sei oftmals vom Lehrer für die Streiche ihres Bruders Klaus gleich mitbestraft worden.
Wichtig ist Therese die Bibelstunde, denn sie ist ein frommes Mädchen. Die Armut, die zu dieser Zeit allenthalben vorherrscht, fällt ihr bei ihren Mitschülerinnen und Spielkameradinnen nicht besonders ins Auge; die meisten hätten ein Schulbrot gehabt. Hierfür hat sie rückblickend folgende Erklärung: „Das lassen arme Eltern nicht zu, dass Kinder Hunger haben, dann gehen die klauen!“ Auch die Kinder leben eine besondere Form der Solidarität: „Der kriegte Schläge, der nicht teilen konnte!“ Und: „Wir waren damals alle gleich!“
Die Volksschule verlässt Therese bereits nach der 7. Klasse, weil sie während ihrer Schulzeit ein Jahr in der Heimat ihrer Mutter bei deren Verwandten im Elsass zugebracht hat. Weil sie eine sehr gute Schülerin ist und ihre Pflichtschulzeit erfüllt hat, wird ihr das 8. Schuljahr erlassen. Eine weiterführende Schule kann sie jedoch nie besuchen: „Dafür waren wir zu arm!“
