Kindheit: „Meine Mutter konnte besser maggeln!“
August ist das älteste von fünf Kindern. ein gutes Jahr später wird Schwester Else geboren, danach Bruder Bruno und noch zwei weitere Geschwister. Die Kinder wachsen in ärmlichen Verhältnissen auf.
Als Kind erlebt August im Ersten Weltkrieg die Bombardierung von Köln durch die Engländer mit. Ostern 1918 wird er in der katholischen Volksschule eingeschult. Auch sonst ist er tief im katholischen Milieu verankert: Er ist jahrelang Messdiener und wird - wie alle seiner Geschwister - Mitglied in der Katholischen Jugendbewegung.
Die Familie ist streng gläubig und befolgt alle kirchlichen Vorschriften bis ins Detail. Selbstverständlich ist der sonntägliche Besuch der Messe. „Da war man ziemlich geborgen“, schildert August Broil seine diesbezügliche Gefühlslage rückblickend.
Politische Strömungen werden in der Familie hingegen fatalistisch wahr- und hingenommen: „Alle Augenblicks kam eine neue Regierung“, erinnert sich August Broil an die politisch unruhigen Weimarer Jahre. Einflussmöglichkeiten auf politischem Gebiet hätten die Angehörigen der Elterngeneration nicht gesehen. Die politische Orientierung sei wie zementiert gewesen: Man wählt „natürlich immer Zentrum“.
Die siebenköpfige Familie Broil wohnt sehr beengt in einer kleinen Wohnung ohne Bad und Heizung. In den Wohnräumen ist zudem noch die Schneiderwerkstatt des Vaters untergebracht. Die Broils sind arm, Kuchen oder gar Bonbons - auf Kölsch „Kamelle“ - bekommen die Kinder nicht, es sei denn, sie erhalten bei Botengängen für den Vater eine kleine Entlohnung.
Der väterliche Betrieb hat 1923 stark unter den Folgen der Inflation zu leiden. „Ich bekam manchmal ein Trinkgeld von zwanzigtausend Mark, das war aber nur eine Mark wert!“, erinnert sich August Broil. Das Geschäft läuft nicht gut, so dass die Mutter, die im großen Haushalt und mit der Kinderschar ohnehin bereits genug zu tun hat, bisweilen auch noch in ihrem erlernten Beruf als Köchin arbeitet. Dabei gelingt es ihr immer mal wieder, auch etwas an Essen für die Kinder zu „organisieren“. „Meine Mutter konnte besser maggeln als mein Vater, der war zu gutmütig.“
Während der Zeit der bis 1926 dauernden englischen Besetzung des Rheinlands hat Vater Otto, von seinem Sohn rückblickend als eher schüchtern und zurückhaltend beschrieben, auch englische Kunden. Folglich werden die Engländer auch nicht als bedrohlich wahrgenommen. Gut Er erinnert sich August Broil an den großen Jubel, der 1926 anlässlich der „Befreiung der Rheinlande“ unter der Bevölkerung ausbricht.
