Politik: „Ich empfand das als gefährlich.“

Während seiner Schulzeit können in Augusts Klasse, in der Schüler mit den unterschiedlichsten politischen Ansichten zusammentreffen, die Meinungen noch offen ausgetauscht werden. Anfang der 1930er-Jahre wird er dann aber immer häufiger Zeuge handgreiflicher Auseinandersetzungen zwischen NS-Anhängern und Kommunisten. „Ich empfand das als gefährlich!“, erinnert sich August Broil an die eskalierende Situation.

Nach 1933 muss er erleben, wie Hitler begeistert in Köln empfangen wird und im unmittelbaren Umfeld erfahren, dass denjenigen, die nicht in der Hitlerjugend organisiert sind, das berufliche Weiterkommen verwehrt wird. So wird seiner Schwester, die bereits zur Meisterprüfung als Schneiderin angemeldet ist, dieser Abschluss verwehrt, weil sie nicht Mitglieder im „Bund Deutscher Mädel (BDM) organisiert ist. Machtlos beobachtet er zudem die massive Einflussnahme des NS-Regimes auf das katholische Milieu. Vieles bisher Selbstverständliches erfährt erhebliche Einschränkungen oder wird sogar verboten.

Augusts eigene Haltung ambivalent: Einerseits mag er den Ton und das Grobe der Nationalsozialisten nicht, weder deren Marschieren noch die Uniformen, andererseits macht er aber auch positive Aspekte aus: Vor der NS-Machtübernahme, so erinnert er sich, habe keine Frau allein auf die Straße gehen können, „und als die Nazis kamen, war das mit einem Schlag zu Ende!“ Wie viele andere auch begreift er das NS-Regime - zumindest zunächst – als neuen, dringend benötigten Ordnungsfaktor: „Es war eben eine gewisse Ordnung eingetreten, es konnte nicht mehr jeder machen, was er wollte!“