Kriegsbeginn und Krieg: „Da war klar, dass man nicht für den totalen Krieg sein konnte!“

Schon das Jahr vor dem Beginn des Krieges macht August Broil ihn irritierende Beobachtungen. Mit Blick auf Österreich und das Sudetenland stellt er fest: „Das wurde ja immer so dargestellt, als ob die dort wohnenden Leute nicht anderes gewollt hätten, als möglichst bald unter Hitlers Fittiche zu kommen.“ Da alle Medien und Die Informationsquellen aber gleichgeschaltet gewesen seien, sei es dem NS-Regime weitgehend gelungen, der Bevölkerung Glauben zu machen, als ob alle Österreicher „heim ins Reich“ gewollt hätten.

Den Beginn des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 erlebt er in Köln auf dem Neumarkt, wo er eine große, laut jubelnde Menschenmenge sieht. Die Menschen hätten gejubelt, weil sie nun auf bessere Zeiten für Deutschland gehofft hätten. „Die schlimme Zeit war aber nur für die Kriegsgewinnler vorüber.“

Kirchliche Organisationen und Privatpersonen, die gegen den Krieg sind, halten sich - nach seiner Beobachtung - angesichts der Übermacht der herrschenden Kriegseuphorie, mit Protesten zurück. „Die schwiegen weiter.“ Persönlichkeiten wie Clemens von Galen, auch die die Kirche später so stolz gewesen sei, stellen lediglich einen Minderheit dar. „Aber etwas unternehmen, bei dieser Masse, die gegen einen war, war ja kaum möglich.“

 

August Broils Arbeitgeber, die AEG, gilt als wichtiger Rüstungsbetrieb, weshalb er in den ersten Kriegsjahren als unabkömmlich („uk“) eingestuft wird und daher in Köln bleiben kann. Er hält weiterhin die Kontakte zu zahlreichen Geschäftspartnern im gesamten Reichsgebiet aufrecht und ist entsprechend viel unterwegs.

Auch zum Zeitpunkt des „1.000-Bomber-Angriffs“ auf Köln in der Nacht zum 31. Mai 1942 ist er nicht in Köln. Als er dorthin zurückkommt, wird ihm bei der Überquerung des Rheins bereits im Zug das Ausmaß der Zerstörung seiner Heimatstadt schmerzhaft bewusst. „Da war klar, dass man nicht für den totalen Krieg sein konnte!“

Mit Fortschreiten des Krieges, den großen personellen Verlusten und dem so entstehenden Mangel an Soldaten müssen auch die rüstungsrelevanten Firmen immer mehr wehrfähige, bis dahin aber uk-gestellte Mitarbeiter zur Wehrmacht ziehen lassen. Auch August Broil wird 1942 dorthin eingezogen.