Nachkriegsleben: „Da wurden leider welche zu frommen Christen gemacht.“
Über die nach dem Krieg erfolgte Entnazifizierung äußert sich August Broil auch nach 60 Jahren noch überaus kritisch: „Da wurden leider welche zu frommen Christen gemacht, wenn sie nur passende Zeugen aufweisen konnten!“
Er und seine Frau orientieren sich zur „Katholischen jungen Mannschaft“, der KJM, zu der nun auch Frauen gehören. Hier hätten sich, so erklärt August Broil, all jene jungen Katholiken zusammengefunden, „die sich nicht mehr bevormunden lassen wollten“. Die sehr aktive Gemeinschaft, zu der etwa auch das Ehepaar Schäfer-Strausfeld zählt, baut sich ein eigenes Zentrum auf. In einem Schloss bei Merten an der Sieg, das ihnen zur Verfügung gestellt wird, werden katholische Tagungen organisiert, in deren Rahmen so bemerkenswerte wie unterschiedliche Referent*innen wie Dorothee Sölle oder Josef Beuys auftreten. Dort können auch – in einer Zeit, in der Geld knapp ist und Köln noch immer in Trümmern liegt - Familien mit Kindern kostengünstige und interessante Ferien verbringen. Das Ganze firmiert schließlich (und bis heute!) unter dem Namen „Kölner Stiftung Schloss Merten“.
August Broil wird Mitglied der CDU: „Die war ja, als sie gegründet wurde, verhältnismäßig christlich, was sie aber jetzt nicht mehr ist“, begründet er rückblickend seine damalige Entscheidung. Er bleibt sein gesamtes weiteres Leben im Rahmen der katholischen Kirche aktiv und gestaltet auch Gottesdienste mit.
Auf das in den 1950er-Jahren so heiß diskutierte Thema der „Wiederbewaffnung“ angesprochen, fällt sein Urteil klar aus: „Ich hätte mir gewünscht, das wäre nicht passiert.“ Aber in dieser Frage fühlte er sich damals machtlos. Ansonsten aber, so betont August Broil abschließend, habe er stets versucht, einen persönlichen und immer geraden Weg zu gehen: „Unabhängig von Politik und auch von Kirche!“
