NS-Machtübernahme: „Ich hab ihn jedenfalls nie gewählt!“
August Broil, so seine spätere eigene Einschätzung, ist zwar anpassungsbereit und zurückhaltend, aber letztlich nicht verführbar. Wenn er auch eingesteht, dass ihn die machtvollen Aufmärsche der Nationalsozialisten durchaus mitgerissen hätten, so bleibt deren Inszenierungen gegenüber doch ein großes Unbehagen, das ihm auch auf Distanz zu Adolf Hitler hält: „Ich hab ihn jedenfalls nie gewählt, es gab aber viele, die auf ihn hereingefallen sind!“ Viele Menschen auch aus seinem Umfeld hätten den Versprechungen, dass nun alles besser werde, eben geglaubt: „Jetzt hört endlich die Schweinerei auf!“
Man sei in den damaligen unruhigen Zeiten schnell und leicht verführbar gewesen. Bei ihm und im engeren Bekanntenkreis macht sich aber bald Ernüchterung breit. Beim Hören der Hitler-Reden habe er sich dann gedacht: „Mein Gott, was ist das für ein Quatsch alles!“ Allerdings bringen weder er noch Familienangehörige oder Freunde den Mut auf, diese kritische Sichtweise laut und nach außen hin zu äußern.
August Broil wird von seinen Vorgesetzten im Betrieb für eine Funktion in der Nationalsozialistischen Betriebsorganisation (NSBO) ausgewählt, wo ihm aber der Drill und das Brüllen nicht gefallen. „Da hab‘ ich gesagt, da mach ich nicht weiter mit!“ und: „Mir widerstrebte das, mich da rumscheuchen zu lassen!“ Seine Weigerung, weiter in der NSBO tätig zu sein, kann er nicht zuletzt deshalb durchsetzen, weil er sehr häufig auf Dienstreisen unterwegs ist und daher nur zeitweise in Köln zur Verfügung steht. Außerdem findet er selbst einen Nachfolger für seinen Posten, dem sogar seine NSBO-Kluft gepasst habe.
Ansonsten hält sich August Broil mit politischen Äußerungen zurück: „Jeder hatte Angst um sein eigenes Leben!“ Aber auch schützt ihn nicht vor gelegentlichen Schikanen seitens der Nationalsozialisten. Als er beispielsweise einmal mit einer Freundin spazieren geht, wird er – in seinen Augen völlig willkürlich - von einem jugendlichen SA-Trupp festgehalten und verhört, weil man hinter dem Spaziergang ein konspiratives Tun wittert.
Spätestens nach den Ereignissen des Novemberpogroms ist August Broil hinsichtlich der Absichten des NS-Regimes endgültig und vollständig desillusioniert: „Schlimm war es in der Ritterstraße, da wurde alles kaputt geschlagen.“
