Schutzraum Kirche: „Da war immer irgendeiner, der aufpasste und der anschwärzen konnte!“
In der Kirche in der Ulrichgasse findet während der NS-Zeit ein nach August Broils Erinnerung intern so bezeichnetes „Politisches Nachtgebet“ statt, an dem auch er regelmäßig teilnimmt. „Sturmschärler“ aber will er nicht sein, weil er solchen Organisationen skeptisch gegenübersteht und es ihm nicht gefällt, „mit Fahnen da rumzumachen“.
August Broil beobachtet, dass auch zahlreiche Geistliche nach „dem Umbruch“ die Seiten wechseln und sich auf die Seite des NS-Regimes schlagen, obwohl sie zuvor dagegen gepredigt hätten. Allerdings habe nach der NS-Machtübernahme auch kaum noch Verfängliches „von der Kanzel“ verkündet werden können: „Da war immer irgendeiner, der aufpasste und der anschwärzen konnte!“
Es habe aber immer wieder einzelne mutige Ausnahmeerscheinungen gegeben wie den später als „Ruhrkaplan“ bekannt gewordenen Carl Klinkhammer, der wegen seiner NS-kritischen Haltung mehrfach verhaftet wurde. Das führte schließlich dazu, dass ihn das Kölner Erzbistum im Frühjahr aus seinem Amt verwies. Außerdem musste er das Rheinland verlassen. Bis dahin seien aber insbesondere die jugendlichen Katholiken geströmt, um ihn in der Bataillonskirche predigen zu hören. Klinkhammer, so August Broil, habe „das Äußerste“ in seiner Kraft Liegende gegen das NS-Regime unternommen.
Im katholischen Freundeskreis und im familiären Umfeld kann er – unter großer Vorsicht - durchaus auch mit den anderen über die politischen Missstände sprechen. Aber dabei habe es sich keinesfalls um ein „Oppositionsfeld“ gehandelt, sondern es sei häufig um eher theologische Fragen gegangen. Solche seinen besonders intensiv auch stets im Umfeld der während des Krieges samstagsabends in der Kirche Maria im Kapitol stattfindenden Deutschen Komplett erörtert worden.
