Schulzeit: „Die Erlebnisse in der Schule waren sehr betrüblich.“

Weil die Eltern auf die Mithilfe des ältesten Sohnes angewiesen sind und sie zudem das Schulgeld nicht aufbringen können, bleibt dem hierzu befähigten August nach dem 4. Schuljahr ein Wechsel auf die „Höhere Schule“ verwehrt. Daher besucht er die Volksschule bis zum Ende des 8. Schuljahres.

„Die Erlebnisse in der Schule waren sehr betrüblich“, lautet August Broils rückblickendes Fazit seiner Volksschulzeit. Die Klassen sind mit über 50 Schülern viel zu groß, die Lehrerschaft alt und krank, einige Pädagogen deutlich von den Folgen des Ersten Weltkriegs gezeichnet. Auf deren Fähigkeiten wird wenig geachtet: „Die Lehrer wurden eingesetzt, ob sie sich eigneten oder nicht.“ Um die große Zahl der Kinder beschulen zu können, werden provisorische Schulbaracken erbaut, und es werden – eine Neuerung! - nun auch Lehrerinnen eingestellt. Ein reformorientierter jüngerer Lehrer, so erinnert sich August Broil habe nach Ende des 4. Schuljahrs bessere Schüler zur Betreuung ihrer leistungsschwächeren Klassenkameraden eingesetzt. Die zumeist aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Schüler bekommen in der Schule kostenlos Kakao. Das Klima untereinander ist eher rau: In den Pausen prügeln sich die Jungen untereinander, wobei sich häufig ganze Gruppen bilden, die gegeneinander regelrechte Kämpfe ausführen.

Das 7. und das 8. Schuljahr werden in der „Oberklasse“ zusammengefasst. Zum Ende ihrer Schulzeit müssen alle Schüler eine sogenannte „Berufskarte“ ausfüllen, in die sie ihren Berufswunsch eintragen. Der Rektor der Schule, der hier unterrichtet und das Potential von August erkannt hat, rät ihm, in diese Rubrik zu schreiben: „Ich möchte gern studieren“. Derart angeregt, traut sich August und nimmt tatsächlich diesen so gar nicht zur Volksschule passenden Eintrag vor.

Trotz aller wirtschaftlichen Engpässe ermöglichen die Eltern ihrem Sohn nach Abschluss der Volksschule 1927 tatsächlich, auf eine weiterführende Schule zu wechseln. Da ihnen das aufgrund der damit verbundenen Kosten sicherlich alles andere als leicht fiel, rechnet August Broil ihnen diese Unterstützung zeitlebens hoch an. Es gibt zu dieser Zeit in Köln eine neue Schulform, die „Aufbauschule“, die – eine bestandene Aufnahmeprüfung vorausgesetzt - in sechs Jahren zum Abitur führt. August wird aufgenommen und verlebt seine restliche Schulzeit mit der „Crème“, wie er die besonders begabten Jungen bezeichnet. Sie stammen nicht nur aus Köln, sondern auch aus den umliegenden Kleinstädten und Dörfern.