Kriegsende und Gefangenschaft: „Wir wussten nicht, dass die Trennung drei Jahre dauern würde.“

Als die Alliierten im Sommer 1944 in der Normandie landen und Augusts Einheit bedrohlich nahe kommen, verlässt er mit anderen seinen Posten und flieht eine weite Strecke zu Fuß, bis er wieder auf sein Bataillon trifft. Es wird „zur Auffrischung“ in die Lüneburger Heide verlegt.

Von dort aus kann August Broil seine Frau besuchen. Wegen der ständigen Bombardierung Kölns nimmt er sie kurzentschlossen mit in die Heide, damit sich Marga vom Tod ihres Kindes erholen und wieder zu Kräften kommen kann. Zwischenzeitlich ist sein Regiment jedoch bereits ins Saarland gezogen, um von dort aus an der Ardennen-Offensive teilzunehmen. Daher muss sich das Ehepaar erneut trennen. „Aber wir wussten nicht, dass die Trennung drei Jahre dauern würde.“

Noch während der Ardennen-Offensive „wurde Stimmung gemacht“. So „predigte“ der Kompanieführer, ein strammer Nationalsozialist, unbedingte Siegeszuversicht. Aber, so erinnert sich August Broil, „wir wussten alle, das kann nicht mehr lange dauern!“ Seine Kompanie wird jedoch noch einmal nach Bayern verlegt. Dort, so das rückblickende Urteil, wären viele Menschen noch der Meinung gewesen, „dass der Schnäuzer viel Gutes getan hätte!“ „Aber das war ja Bayern!“

August Broil wird kurz vor Kriegsende im April 1945 von den Amerikanern gefangen genommen. Zunächst wird er mit Hunderten anderer Gefangenen auf freiem Feld interniert, wo sie durch Zeltplanen nur notdürftig geschützt sind. Umso wichtiger sind ihm die Briefe seiner Frau, die er trotz aller Bedrängnis ebenso bei sich trägt wie eine Ausgabe des Neuen Testaments. Die Versorgung ist mehr als schlecht, aber er überlebt. In dieser sehr schweren Lage hätten, so erinnert er sich zeitlebens, sowohl evangelische als auch katholische Geistliche den Gefangenen Trost und Zuversicht gespendet.

Das ändert jedoch nichts an der großen Unsicherheit im Camp, was mit den Kriegsgefangenen weiter passieren werde. Die unterschiedlichsten Gerüchte kursieren. Den Hunger versuchen die Leidensgenossen damit auszuschalten, dass sie sich gegenseitig und ausführlich Kochrezepte beschreiben und deren Resultate in schillernden Farben ausmalen. „Man hat sich gesättigt mit Kochrezepten!“

Schließlich werden die Kriegsgefangenen in Güterzügen nach Frankreich transportiert. Deren Lage verbessert sich insofern, dass sie nunmehr in großen Zelten untergebracht sind, und nicht mehr - wie in Bayern - in Erdlöchern. Außerdem kann das Regenwasser aufgrund des sandigen Bodens im neuen Lager besser abfließen. Nach dieser kurzen Zwischenetappe führt der Weg in den Mittelmeerraum. So wird das Wetter zwar besser, aber nicht die Verpflegung, die aus einer undefinierbaren Wassersuppe und Brot besteht. Der Grun ist den Kriegsgefangenen durchaus einsichtig: „Die Franzosen hatten ja selber nix!“ So sind jeden Tag Hungertote zu beklagen.

August Broil meldet sich zur Arbeit als Bauhandwerker und kommt so in die Nähe von Nîmes. Die Behandlung dort ist – gemessen an den Umständen – anständig. Als große Plage empfindet er allerdings die Unmassen an Wanzen. Weil er für körperliche Arbeit nur bedingt geeignet ist, aber französisch spricht, wird August Broil bald ein kleines Büro - „en Kabüffjen“, wie er es in der Erinnerung nennt - zugeteilt, wo er die Lohnabrechnungen für seinen französischen Arbeitgeber erledigt.

Erst nach einem Jahr gelingt es ihm über einen französischen Mittelsmann, endlich seiner Frau eine Nachricht zukommen zu lassen, dass er noch lebt. Danach habe er dann auch von Marga Briefe erhalten, obwohl das eigentlich verboten gewesen sei. Das sei allerdings nur solange möglich gewesen, bis ihn jemand verraten habe. Dann sei diese Kommunikation für längere Zeit nicht mehr möglich gewesen.

Einmal im Monat kommt ein katholischer Priester, um mit den Gefangenen eine Messe zu zelebrieren. Diese dient zugleich auch dem Nachrichtenaustausch. In der Karwoche 1948 geht es für August Broil endlich wieder nach Hause, in das noch immer total zerstörte Köln, wo er Ostermontag ankommt.