Kindheit - „Als ich mit 9 Jahren einen Wipproller bekam“

In seiner Kindheit besucht Gisbert Kranz wie viele Steelener Kinder den Kindergarten des St.-Anna-Stifts. Aber auch sonst ist für reichlich Abwechslung gesorgt. Vom Wohnzimmer der Familie kann man in den großen Garten der Kammanns blicken, vom Gisbert Kranz sen. einen Teil anmietet, damit seine Kinder darin spielen können. Er baut dort einen Sandkasten und eine Schaukel auf und zäunt das Stück mit Maschendraht ein.

Älter geworden verlässt Gisbert den engen Radius des elterlichen Hauses und erschließt sich mehr und mehr die nähere und weitere Umgebung: „Als ich mit 9 Jahren einen Wipproller bekam, begann ich, die Gegend auf eigene Faust und allein zu erkunden." Dabei kommt er erstaunlich weit herum, bis nach Wattenscheid, Leithe, Bochum, Gelsenkirchen und noch weiter gehen seine Ausflüge. „Die Strecke von Steele über Rellinghausen oder Heisingen an dem damals im Bau befindlichen Baldeneysee vorbei nach Werden und Kettwig und wieder zurück - insgesamt 36 Kilometer, zum Teil mit Steigungen - schaffte ich als Elfjähriger mit dem Wipproller, einschließlich der Pausen, in vier Stunden."

Häufig spielen die Brüder Kranz verbotenerweise auf dem Brink, einer kleinen Insel in der Ruhr, die zu Fuß über eine Eisenbahnbrücke zu erreichen ist. „Kein Mensch schien die Insel zu kennen, hier waren wir immer unter uns." Ungestört von den Blicken der Eltern werden hier auch Spiele gespielt, die nicht ganz ungefährlich sind, etwa jene, bei denen die Kinder Ereignisse aus dem noch allgegenwärtigen Ersten Weltkrieg aufgreifen: „Eines Tages spielten wir Materialschlacht vor Verdun, bildeten zwei Parteien, formten in einiger Entfernung zwei Frontlinien gegeneinander, gingen in Deckung und bewarfen uns ziemlich lange und ausdauernd mit Steinen, von denen manche fast faustdick waren. Helme trugen wir nicht. Die Schutzengel müssen Mitleid mit unserem unwahrscheinlichen Leichtsinn gehabt haben. Nichts passierte."

Die Ferien verbringt Gisbert mit seinen drei Brüdern oft in Rheindahlen im Elternhaus seiner Mutter. Die Jungen werden dort vor allem von Tante Aloysa umsorgt, aber die Hauptperson ist natürlich die Oma, Katharina Zilges. „Sie war die Güte in Person und dennoch bestand eine ehrfurchtsgebietende Distanz zwischen ihr und ihren Enkeln." Sie stirbt, als Gisbert 16 Jahre alt ist. Den Vater seiner Mutter hat Gisbert nicht mehr kennengelernt.