Heimkehr (1947) - „Und die völlige Ungewissheit zermürbte uns“
Über die Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft werden Gisbert und seine Mitgefangenen auch noch ein Jahr nach Kriegsende im Unklaren gelassen - „und die völlige Ungewissheit zermürbte uns". Seine Mutter, verzweifelt über den Tod zweier Söhne (der dritte gilt zu dem Zeitpunkt noch als „vermisst"), macht ihm „geradezu Vorwürfe", dass er nichts tue, „um nach Hause zu kommen. Und da war ich fast verzweifelt."
Schließlich teilt man den Gefangenen dann doch einen Plan für die „Repatriierung" mit. Danach werden die Gefangenen in drei Kategorien eingeteilt: A=Antifaschisten. Sie werden als erste entlassen. B= Mitläufer und Unbelastete. Sie werden in Quoten entlassen, in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Gefangennahme, und C= Nationalsozialisten. Sie werden als letzte repatriiert.
Gisbert Kranz wird in Gruppe A eingestuft und kommt im Februar 1947 in das Repatriierungslager Lodge Moor bei Sheffield, um anschließend in Hull eingeschifft zu werden. Es dauert dann allerdings weitere zehn Tage, bis er alle erforderlichen Stempel beisammenhat und die deutschen Behörden ihn endlich entlassen. Über Munsterlager in der Lüneburger Heide und Münster kommt er schließlich nach Weeze am Niederrhein, „wo man am 2. April 1947 den letzten erforderlichen Stempel in meine Papiere drückte." Von dort bringt ihn ein LKW-Fahrer gegen „ein paar Zigaretten - die bessere Währung damals" die 60 Kilometer bis zum Bahnhof Steele-West. Zu Gisberts großen Freude und Erleichterung steht die Humanstraße noch. „Zwei Minuten später schloss ich meine Eltern in die Arme." - Seine drei Brüder jedoch sind nicht wieder aus dem Krieg zurückgekehrt.
