Studienurlaub (1942-1943) - „Mein Studienurlaub war belastet durch eine Reihe von Ereignissen.“

Im Anschluss an seine Zeit in Danzig beantragt Gisbert Studienurlaub, der ihm zur eigenen Überraschung gewährt wird, so dass er im Wintersemester 1942/43 in Bonn studieren kann. Es ist aber zugleich auch die Zeit, in der die Wirkungsmöglichkeiten der katholischen Kirche immer mehr beschnitten werden: Romano Guardini - seinerzeit an der Universität Berlin tätig - erhält Rede- und Schreibverbot, und auch die Zeitschriften „Hochland" und „Die neue Saat" müssen ihr Erscheinen einstellen. Der Krieg mit seinen Folgen wird nun für Gisbert immer mehr zur psychischen Belastung: „Die Nachrichten vom Tode alter Freunde trafen in immer kürzeren Abständen ein. Im Kessel von Stalingrad hatte meine alte Einheit ausgekämpft."

Im Anschluss an seinen Studienurlaub kann er auch die Familie in essen besuchen. Der Anblick seiner zerstörten Heimatstadt Essen gerät dabei zum Schock: „Meine Heimatstadt Essen, auch mein Geburtshaus in Rüttenscheid, wurde in mehreren Luftangriffen zum großen Teil zerstört. Zwei oder drei Jahre vor Kriegsausbruch hatte ich ein Bild von der brennenden Stadt Essen gemalt, feindliche Luftgeschwader über ihr am roten Himmel. Nun war es Wirklichkeit. Weinend ging ich über Trümmerflächen, wo vorher ganze Wohnviertel standen."

Während seines Heimaturlaubs schreibt er seine letztwillige Verfügung: „Ich listete alle meine Bücher auf und bestimmte bei jedem Titel, wer es nach meinem Tode (mit dem ich als Soldat im Krieg jederzeit rechnen musste) bekommen sollte. Als ich aus dem Krieg heimkehrte, waren alle meine Freunde und mein Bruder Karl Heinz, die ich zu Erben meiner Bücher bestimmt hatte, tot. Meine Bücher aber hatten alle Bombardements überstanden, keines fehlte."