Die Strafversetzung
Am 18. März 1935 wurde Mathias Eickels bei der Eisenbahndirektion vernommen. Leider gibt es auch von diesem Termin weder Protokoll noch Bericht, doch wird durch die Konsequenzen, die aus dieser Vernehmung erfolgten, klar, dass man sich dort der Sicht der Kreisleitung anschloss. Zwar reichten die Vorwürfe gegen ihn für eine Anklage nicht aus, doch wo rechtliche Mittel „versagten“, wurde nun zur Schikane gegriffen: Am 19. Juli 1935 wurde Eickels von Wegberg, wo er sein Haus hatte, über 40 Kilometer weit entfernt zum Bahnhof Krefeld-Linn versetzt. Da er in Krefeld zunächst wegen Wohnungsmangels keine Unterkunft fand, musste er die Strecke zunächst unter großen Schwierigkeiten mehrmals in der Woche zum Teil mit dem Fahrrad zurücklegen. Erst am 7. Februar 1936 gelang es ihm, in Hohenbudberg, einem Teil von Krefeld-Uerdingen, ein Zimmer anzumieten. Mehrere Gesuche um Rückversetzung in die Nähe seines Wohnortes, die er mit der Krankheit von Ehefrau oder Kindern begründete und die auch seine Dienststelle befürwortete, wurden nach Benehmen mit parteiamtlichen Stellen abgelehnt.
Die zusätzlichen Kosten durch die entfernte Wohnung fraßen einen Teil des Gehaltes. Zudem musste Mathias Eickels auch noch seinen Sohn Josef finanziell unterstützen, da dieser im September 1936 auf Betreiben seines Schuldirektors vom Gymnasium verwiesen worden war und nur in Krefeld eine Lehrstelle hatte finden können. Dort war er auf Unterstützung angewiesen, weil sein geringes Lehrlingsgehalt für Kost und Logis nicht reichte. So kam zu den Strapazen durch den weit entfernt liegenden Arbeitsplatz auch noch eine angespannte finanzielle Lage hinzu.
Am 1. Juli 1938 wurde Mathias Eickels dann zwar etwas näher an seinen Heimatort versetzt, nämlich zum Bahnhof Baal (heute ein Stadtteil von Hückelhofen), doch betrug die Wegstrecke immer noch gut 14 Kilometer, die er wegen ungünstiger Zugverbindungen von seinem Wohnort Wegberg nur mit dem Fahrrad in gut zwei Stunden bewältigen konnte.
Der anstrengende Arbeitsalltag und die Drangsalierungen durch das Regime trugen vermutlich erheblich dazu bei, dass sich seine Gesundheit zunehmend verschlechterte. 1940 wurde bei ihm eine „hochgradige Neurasthenie“ diagnostiziert, eine „Nervenzerrüttung“, die man heute vermutlich als „Burn out“ bezeichnen würde. In der Folge wurde er bahnärztlich vom 1. Oktober 1940 bis 29. Juni 1941 für dienstunfähig erklärt und anschließend zur Bahnmeisterin Dalheim versetzt – immer noch gut 14 Kilometer von seinem Wohnort im Ortsteil Beeckerheide entfernt, aber immerhin zurück in Wegberg. Seinen Dienst trat er gleichwohl nicht wieder an: Ein neues bahnärztliches Gutachten erklärte ihn für dauernd dienstunfähig, so dass im November 1941 seine Versetzung in den Ruhestand eingeleitet wurde. Das Betriebsamt Möchengladbach hielt ein Beibehalten von Eickels als deutschen Beamten auch aufgrund von dessen politischer Haltung nicht länger für tragbar.
