HJ und Katholische Jugend
Josef Eickels betätigte sich erstmals in den Sommerferien 1932 im katholischen Jungmännerverein in Beeck. Dort blieb er auch weiter aktiv, als er ab Ostern 1933 das Gymnasium in Erkelenz besuchte. Eine kurze Unterbrechung trat nur von September 1933 bis Januar 1934 ein, weil Eickels in dieser Zeit Mitglied in der HJ wurde. Von Juli 1934 bis Januar 1935 war Eickels dann aber wieder aktives Mitglied im Jungmännerverein und trat im Oktober 1934 auch der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg innerhalb des KJMV bei. Dort legte er am 12. März 1935 sein Pfadfinderversprechen ab, wodurch er nach einer Probezeit zu einem vollwertigen Mitglied wurde. Bereits im Dezember 1934 übernahm er als Stammführer die Pfadfindergruppe des Vereins und im Februar 1935 auch die etwa 20 zehn- bis vierzehnjährige Jungen umfassende Jungschar.
Verantwortlich für Eickels vorübergehenden Eintritt in die HJ war, so sein Vater Mathias Eickels in einem Schreiben an die Reichsbahndirektion vom 5. Juni 1935, der damalige Präses des Jungmännervereins, der die Vereinsmitglieder im geeigneten Alter veranlasst haben soll, zur HJ überzutreten. Diesen Fürsprecher suchte Josef Eickels in späteren Stellungnahmen allerdings tunlichst zu verschweigen – wohl um die Kirche nicht in Misskredit zu bringen. In einer Stellungnahme von 1946 schrieb er daher von einem „vertrauenswürdigen Herrn“, der „glaubte, uns raten zu müssen, in die HJ einzutreten, da uns auf die Dauer kein anderer Weg bleiben würde und es gut sei, wenn gleich zu Anfang unser Geist dort vertreten werde“. Und in einem Brief von 1952 schrieb er, er habe sich zum HJ-Eintritt seinerzeit trotz Abratens seines Vaters „durch die Propaganda in Schule und Jugendkreisen verleiten“ lassen. Auch seine ebenfalls 1952 getätigte Begründung, er habe im Sommer 1933 versucht, „Einfluss auf die Entwicklung der gerade im Ort gegründeten HJ zu nehmen“ und habe als „aktives Mitglied des katholischen Jungmännervereins […] gleichzeitig an den Heimabenden und Veranstaltungen der HJ“ teilgenommen, kann man wohl in den Bereich der Schutzbehauptung verweisen, da eine Doppelmitgliedschaft in HJ und einem konfessionellen Verein seit dem 29. Juli 1933 verboten war.
In der HJ tat Eickels als „gewöhnlicher Junggenosse“ seinen Dienst, versah also kein Führungsamt. Etwa Mitte Januar 1934 wurde ihm durch den HJ-Führer Kühnen jedoch ohne weitere Begründung erklärt, er sei aus der HJ ausgeschlossen. Beschwerden bei den Gefolgschaftsführern Mertens und Maassen sowie bei Bannführer Gebhardt blieben ohne Erfolg. Etwa Ende April war er auf Bitten des Stammesschulungsreferenten dann noch einmal für einige Tage als Schulungsreferent tätig, musste dies jedoch auf Einspruch des Gefolgschaftsführers wieder aufgeben. Er trat dann nochmals an Mertens heran, um den Grund für den Ausschluss zu erfahren, und erhielt nun die Auskunft, die HJ-Führer von Beeck seien an ihn, Mertens, herangetreten und hätten um den Ausschluss gebeten, unter anderem mit der Begründung, er, Eickels, sei ein „Spitzel“. Dieser Grund wurde Eickels indessen weder offiziell noch schriftlich mitgeteilt. Er selbst erklärte sich den Rauswurf durch sein persönliches Verhältnis zu HJ-Führer Kühnen, der offensichtlich glaubte, er wolle ihm seine Stellung als HJ-Führer streitig machen.
Hintergrund hierfür war wohl, dass sich Eickels zu offensiv in die Gestaltung von Heimabenden eingebracht hatte. Diese Treffen waren anfangs nämlich offenbar ziemlich eintönig und langweilig, da es in der HJ keine geeigneten Führer gab. In der Folge begannen die Jungen, allen möglichen Unsinn zu machen. Eickels sah darin eine unnötige Zeitverschwendung, und als erfahrener Jugendführer ergriff er die Initiative und ging daran, nationalsozialistische Schriften, darunter „Mein Kampf“, zu lesen und darüber Vorträge zu halten.
Leider ist nun nicht überliefert, warum die HJ-Führung diese Initiative ablehnte. Ursache könnte sein, dass Eickels Vorträge zu kritisch waren, aber es könnte ebenso gut sein, dass die bisherigen HJ-Führer in Eickels eine unerwünschte Konkurrenz sahen. Er war ja ein erfahrener Jugendführer und dazu belesen und eloquent, so dass sie sich möglicherweise zurückgesetzt fühlten. Vielleicht fürchteten sie auch, er würde die Jungen in religiöser Hinsicht zu beeinflussen suchen. Fest steht nämlich, dass vor allem seine starke Religiosität und sein Kontakt zur örtlichen Geistlichkeit nicht gefielen, und darauf bezog sich auch der Vorwurf, Eickels sei ein „Spitzel“.
Wohl nicht zuletzt Eickels Rauswurf aus der HJ bewirkte, dass die katholischen Gruppen, die unter seiner Führung standen, vielfach von der HJ angefeindet wurden. Wie Eickels in einer Darstellung aus dem Jahr 1946 schrieb, hätte die HJ „immer ungehemmten Hochmut und Intoleranz“ offenbart und die Mitglieder der katholischen Gruppen auf offener Straße belästigt, beschimpft und mit Steinen beworfen. Einmal habe man zwei Jungschärler deswegen sogar im Schwesternheim verbinden lassen müssen. Auch die Heimabende seien von der HJ „gesprengt“ worden: „[Sie] belauerten uns auf Schritt und Tritt.“
Er als Jugendführer stand dabei besonders im Fokus, und es wurde von verschiedenen Vertretern von NS-Organisationen versucht, ihn einzuschüchtern und mundtot zu machen.
