Gisbert Kranz: "Meine Pennezeit" (4)

Es handelt sich hier um das letzte von vier Heften, die Gisbert Kranz als Schüler des Carl-Humann-Gymnasiums in Essen Steele angelegt hat. Auf insgesamt fast 300 handschriftlichen Seiten (die hier auch transkribiert vorliegen) bietet er eine Chronik seiner Schulzeit von seiner Aufnahmeprüfung am Gymnasium im März 1931 bis zum Abitur acht Jahre später.

Es wird Wichtiges und Unwichtiges beschrieben und immer wieder um längere Charakteristiken einzelner Lehrer ergänzt. Insofern bietet diese "Chronik" aus Schülersicht interessante Einblicke in den Schulalltag in Steele.

Das Werk entstand offenbar nicht "in einem Guss". Der erste Band etwa wurde zwischen Juli 1935 und Februar 1937 im Schularchiv aufgehoben und muss demnach bereits vor Juli 1935 entstanden sein.

Meine Pennezeit. G. Kranz.

4. Buch.

[Zeichnung]

Abschrift verboten.

Fortsetzung des 3. Abschnitts: Obersekunda.

IX. Obersekunda.

Ostern 1937 – Ostern 1938.

1. Das Schuljahr 1937/38.

Bierzeitung, Zeugnis, Kommers, das alles lag nun hinter uns, auch die Ferien. Ein neues Schuljahr begann, das uns viel Neues bringen sollte. –

Durch die Schulreformen war die Schulzeit auf dem Gymnasium und den höheren Schulen um ein Jahr verkürzt worden. So machten Ostern 1937 zwei Klassen ihr Abitur: die Oberprima und die Unterprima. Die Obertertia 1936/37 machte mit uns das Einjährige, weshalb wir auf diese Klasse – die obendrein ab Ostern 37 „Obersekunda b“ hieß – einen „großen Bart“

hatten. Die Obertertianer wurden also in die Obersekunda versetzt. Eine Untersekunda gab’s nicht mehr. Die Untersekunda umfasste drei Klassen (VI-IV), die Mittelstufe zwei (UIII und OIII), die Oberstufe wieder drei (OIIb, OIIa, UI), das heißt, eigentlich vier, denn die Prima war wegen ihrer Größe in zwei Klassen eingeteilt, die beide ihren eigenen Ordinarius und ihren eigenen Stundenplan hatten. – Da unsre Klasse nun plötzlich in zwei Jahren ihr Abitur machen mußte anstatt in dreien, wie bisher, und wir im Pensum sowieso sehr weit zurück waren, wurde unsre Klasse in zwei Abteilungen eingeteilt, in eine sprachliche und in eine mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung; das heißt, die sprachl. Abteilung hatte 4 Latein-, 4 Griechisch- und nur 2 Mathematik- und 2 Physik-

stunden in der Woche, während die mathem. Abteilung 6 Mathematik-, 2 Physik-, 2 Chemie- und nur 2 Lateinstunden hatte. Der Griechisch-Unterricht fiel für die math. Abteilung ganz aus. Im Französischen erhielt der math. Teil 3, der sprachliche 4 Stunden. In den obengenannten Fächern war der Unterricht für beide Teile natürlich getrennt. Diese Neuerung sollte bezwecken, daß wir in den zwei Jahren bis zur Reifeprüfung wenigstens etwas noch vollständig lernten, da wir alles ja doch nicht mehr durchnehmen konnten. –

So mußten wir uns schon am ersten Tag des neuen Schuljahres entscheiden, in welche Abteilung wir wollten. Das war sehr schwierig, weil sich zuerst die meisten für die sprachliche Abteilung erklärten. Da jedoch beide Teile ungefähr

gleich groß sein sollen, mußten viele ihren Entschluß ändern. Bei manchem setzte das einen schweren Kampf ab, da ihm Mathematik und Sprachen gleich lieb war und er auf beiden Gebieten gute Leistungen zeigte. –

Zwölf Kameraden waren zum Einjährigen von uns gegangen. Wir dachten, daß unsere Klasse nun bedeutend kleiner geworden sei. Allerdings rechneten wir mit einigen „Neuen“ von Essen. Denn von der Göthe-Schule und der „Burg-Penne“ kamen jedes Jahr welche, sodaß unsere Anstalt den Beinamen „refugium peccatorum“ erhielt. Aber daß da 6 Neue standen, damit hatten wir doch nicht gerechnet. Im Laufe des Jahres erhöhte sich die Zahl der Neuhinzukommenden sogar auf 14, sodaß wir Ostern 1938 zu 35 Schülern waren, das sind mehr als

im Vorjahre, trotzdem 13 im Laufe des Jahres abgegangen waren. –

Noch eine andere Änderung trat ein. Studienrat Linnenborn (Pille-Pat) war nicht mehr unser Klassenlehrer; unser neuer Ordinarius wurde Studienassessor Konrad Eggerath, den wir im letzten Jahre ja in Biologie hatten. Er war uns ein guter Kamerad gewesen und blieb es auch in diesem Jahre. Über die feine Grenzlandfahrt nach Aachen, Monschau, Eupen-Malmedy, Lüttich, die wir mit ihm machten, habe ich in einem besonderen Buch geschrieben. – Im Juli feierten wir – wie in jedem Jahre – unser Schulfest. Nach alter Weise fanden morgens in den Ruhrweiden die sportlichen Wettkämpfe statt, im Schwimmverein Wettschwimmen und im Stadtgarten Turnen und Freiübungen. Abends kamen Lehrer,

Schüler und Eltern im Stadtgartensaal zusammen, wo der Chor unter Leitung des alten Oberlehrers Kaps (der an diesem Abend übrigens aus Anlaß seines 40 jährigen Dienst-Jubiläums besonders geehrt wurde) und die Prima mit Turnübungen und Feez für Stimmung und Unterhaltung sorgte. Groß war der Jubel, als Dr. Weyres, unser ehemaliger Lehrer, unter den Gästen erschien in Uniform eines Fliegerhauptm.s. – August Böhmer hatte im Schulgebäude wieder eine Ausstellung aufgebaut, wo die Arbeiten für den Wettbewerb „Volksgemeinschaft – Blutsgemeinschaft“ ausgestellt wurden. –

Als wir nach den großen Ferien wieder in die Schule kamen, waren die Räume und Flure alle gestrichen, wie der Chef sagte, das erstemal seit 30 Jahren. – Im Herbst fuhr unsere Klasse zur Aus-

stellung „Schaffendes Volk“ nach Düsseldorf. –

Nach den Weihnachtsferien mußte unser „Konrad“ für 8 Wochen zum Kommis. Er kam nach Detmold. Wir blieben mit ihm brieflich in Verbindung. Als er zweimal zum Urlaub nach Essen kam, kamen wir mit ihm zusammen. Einmal wünschten wir uns im Wunschkonzert des Reichssenders Köln den Kaiserwalzer und ließen bei dieser Gelegenheit unsern Konrad grüßen, was auch prompt geschah. Der Ansager fügte noch hinzu: „Man muß sagen, die Jungens haben für ihren Lehrer ’was übrig! Oder ob sie’s bloß tun, um ihre Zensuren zu verbessern?“ Daß Konrädchen sich über unsere Äthergrüße sehr gefreut hat, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. –

Im Februar machten die Primaner ihre

Reifeprüfung. Der Turnprüfung sahen wir zu. Wir staunten, was die Kerls alles konnten. Ob wir solche Leistungen im nächsten Jahr vollbrachten, ist ein großes Fragezeichen. – Die Entlassungsfeier der Abiturienten fiel in eine große geschichtliche Stunde: In der Nacht waren deutsche Truppen in Österreich einmarschiert und nun erließ der Führer seine Proklamation an das deutsche Volk.

Am letzten Schultag traf sich unsere Klasse mit den ehem. Mitschülern zu einem Kommers bei Scheidt. Konrad war dabei. Es wurden große Reden geschwungen, die mathem. Abteilung gegen die sprachliche, und die sprachliche gegen die Mathematische. –

2. Die Pauker.

Daß Studienassessor Eggerath Ostern unser Ordinarius wurde, habe ich schon geschrieben. Er gab in beiden Abteilungen Mathematik und Physik. – Ein Anekdötchen muß ich von ihm erzählen. Er fragte, was wir augenblicklich im Griechischen läsen. „Arrian“. „Ach, das ist der, den die heilige Kirche als Irrlehrer verurteilt hat?!“ Lautes Gelächter. Wir müssen dem verdutzten Konrad klar machen, daß Arius eine ganze Zeit später als Arrian gelebt hat. „Ja, warum heißt dat denn Arianismus? Haben wir früher so auf der Schule gelernt. Müsst ihr mal Herrn Spenrath fragen.“ –

Die sprachliche Abteilung bekam Latein und Griechisch bei Herrn Dr. Gaillart, „Frosch“ genannt. Von ihm schreibe ich noch ein besonderes Kapitel. – Die math.

Abteilung hatte bei Herrn Studienassessor „Johannes“ Holtermann Latein und Französisch. Wir hatten Französisch bei „Jupp“ Hochkirchen. Bei Jupp war es immer sehr gemütlich. Man konnte die Stunde schön schlafen. Die Worte, die Jupp in einer Stunde sprach, konnte man zählen. Oft ging er ganz plötzlich hinaus. Wir mußten uns dann „beschäftigen“ oder das nächste Kapitel aus „Vol de nuit“ oder „La France d’apres-guerre“ schriftlich übersetzen. Hatten wir die sechste Stunde bei ihm, ließ er uns meistens nach Hause gehn. – Erdkunde hatten wir nur noch die erste Stunde im neuen Schuljahr bei Dr. Tillmann. Dann wurde er versetzt, und nach kurzer Pause kam Herr Studienassessor Marlberg, ein riesengroßer Kerl, dessen blonder, ungescheitelter Haarschopf aufrecht in die Höhe stand. Zuerst war er immer

ganz frech, das heißt, wir nicht minder. Wenn es geschellt hatte und er in die Klassen hereinkam und gegrüßt hatte, ließen wir uns – wie wir es bei den anderen Herren gewohnt waren – sofort auf die Bänke fallen. Er sagte: „Ich habe noch nicht ’setzen’ gesagt.“ Dann ließ er uns immer eine halbe Minute stehen, ließ seine Augen über die Köpfe gehen, und sagte endlich: „Setzen Sie sich!“ Was wir dann mit lautem Krach taten. Oft war der Krach in der Klasse bei seinem Eintreten so stark, daß er wütend seine Bücher auf’s Pult knallte, daß es staubte, und rief: „Zum Donnerwetter noch mal!“ Dann gab es eine Strafarbeit oder Arrest, was einfach nicht getan wurde. Oft rief er mitten in der Stunde: „Nu lassen sie das!“ – Er hatte schnell seinen Spitznamen weg. Da er in der ersten Stunde

mit einem großen Globus, der schon sehr kaput war, in die Klasse kam, und sein dicker Kopf einem solchen an Form ähnlich war, hieß er „Globus“. – Am Ende des Schuljahres war unser „Globus“ fein sanft und lieb geworden. Wir hatten ihn „erzogen“. –

In Deutsch und Geschichte behielten wir Dr. Steinbrink alias „Schöps“. Er konnte sehr hinterlistig und zynisch sein und machte alles lächerlich. Als „Frosch“ in der Klasse drei Tafeln aufgehangen hatte – die erste zeigte „Germanische Tracht um 1600 vor der Zeitrechnung“, die zweite „Ein germanischen Bauerngehöft um Chr. Geb.“, die dritte „Germanische Tracht um 400 nach der Zeitenwende“ – da sagte „Schöps“, nachdem er sich die Tafeln angesehen hatte, langsam und feierlich: „Tja, wenn man sich als Fachmann diese Bilder besieht, muß man unwillkür-

lich den Kopf schütteln und sagen: Woher weeßte?“ Dann lachte er, hob den Holzarm und sagte nochmal: „Woher weeßte?“ Dann machte er seine Glossen über die Bilder: „Wenn heute einer so’n Anzug hätte, der könnte froh sein. Dat war aber auch mindestens ’n Sonntagsen!“ –

Studienrat Linnenborn oder „Pille“ gab uns Unterricht in Biologie. Wenn er redete, sprach er immer für die Wände. Jeder tat was anderes. Er war ein richtiger Hampelmann. –

Musik hatten wir nach wie vor beim alten Kaps. – Turnen gab uns „Dackel“ Dittmar, von dem ich schon in früheren Heften schrieb. – Etwas Neues war für uns der Boxunterricht, den uns Studienassessor Schultes gab. Im letzten Jahre hatten wir bei ihm Chemie gehabt. – Religionsunterricht erteilte uns Herr Studienrat Spennrath. –

Zeichen- und Kunstunterricht hatten wir bei August Bömer, von dem ich nicht viel zu schreiben brauche, da er aus früheren Heften bekannt ist. Kurz nach den Weihnachtsferien erlitt er einen Schlaganfall. Er wurde linksseitig gelähmt und konnte nicht mehr zur Schule kommen. Nach einiger Zeit kam zu seiner Vertretung Studienassessor Hellrung, ein kleiner, dicker, schwarzer Kerl. Er war aber Mathematiker und kein Zeichner. Er hatte, wie er uns vorstrunzte, 14 Semester Mathematik studiert. Wir machten bei ihm Körperzeichnen und Geometrie. –

Als Eggerath nach Weihnachten zu einer achtwöchigen Übung nach Detmold mußte, wurde für diese Zeit Studienassessor Kramer unser Klassenleiter und Mathematik- und Physiklehrer. Wir kannten ihn schon

von Zülpich, wo er unser Lagerleiter war. Ostern 1937 ist er an unsere Schule versetzt worden. –

Der Chef, Dr. Trieloff, gab uns Unterricht im Englischen. Die zwei Englisch-Stunden in der Woche waren freiwillig und waren immer in der Frühstunde.

3. Was lasen wir in Latein und Griechisch?

„Gallia est diversa in partes tres.“ So fängt der Caesar an, den wir im Unter- und Obertertia übersetzten. „Dackel“ war darin unser Meister. Bei ihm lasen wir auch Publii Ovidii Nasonis Metamorphoses. Mit Daedalus und Ikarus fings an. Die ersten 10 Hexameter mußten wir auswendig lernen. Später übersetzten wir Perdix, Niobe und die Lykischen Bauern. „Quamvis sunt subaqua, sub aqua, maledicere temptant...“ „Dackel“ war von der „plastischen“ Ausdrucksweise des Ovid immer ganz begeistert. Uns vermochte Naso nicht zu begeistern, denn er war viel zu schwer für uns. –

Leichter war es schon mit Livius, von dem wir mehrere Kapitel von seinem Werke

„ab urbe condita“ lasen, vom Alpenübergang Hannibals und anderes. Livius übersetzten wir bei Holtermann, bei dem wir auch des Sallust Crispins „Catilina“ anfingen. Bei „Frosch“ lasen wir „Die katilinarische Verschwörung“ zu Ende. Ich weiß noch, wie er bei der Rede Caesars im Senat das Buch von Mirko Jelusisch mitbrachte, worin diese Rede übersetzt ist. „Patres conscripti“ ist darin mit „Hohes Haus!“ übersetzt. Die Stelle, wo geschrieben steht, daß Cicero der Sicherheit halber einen Dolch oder ein Schwert (ferrum) bei sich trug, übersetzte „Frosch“ so: „Und er trug immer einen Revolver bei sich.“ –

Bei „Frosch“ lasen wir auch des Tacitus Germania. Er verstand es vortrefflich, uns den Tacitus zu erklären, Unwahres zu widerlegen und Wahres zu bestätigen. Später lasen wir

die Quellen über Arminius, die Johannes Holtermann in einem Heft herausgegeben hatte. Ich weiß noch wie „Frosch“ sich mit hochrotem Kopf über den feigen Segestes aufregte. –

Unsere erste Lektüre im Griechischen war des Xenophons Anabasis, die wir bei Jupp Hochkirchen in der Untertertia lasen. In Obertertia lasen wir die Hellenika bei Joh. Holtermann und danch Homers Odyssee. Die ersten zehn Verse mußten wir auswendig lernen:

[....]

Nachher nahmen wir wieder die Hellenika, da Homer für uns doch zu schwer war. Die Anfangsgründe der Grammatik und ein gehöriger Vokabelschatz fehlten uns. Auch bei „Frosch“ lasen wir die Hellenika weiter.

Später übersetzten wir Arrians Anabasis. Ich muß sagen, daß ich bei Dr. Gaillart von dem Inhalt der Lektüre viel mehr mitbekam, als bei den anderen Herren. Denn er legte nicht nur Wert auf Grammatik usw., sondern suchte uns den Geschehnissen nahe zu bringen. So habe ich von der [....] nicht viel behalten, höchstens die Geschichte von Kyros und der Kilizierin und die eine Schlacht bei – ich weiß es nicht mehr. Ich erinnere mich wohl noch des langweiligen [...] ... Doch von der [....] weiß ich noch ganz genau, was wir alles übersetzt haben: Die Schlacht am Granikos, Alexanders Verhalten den persischen Frauen gegenüber, Alexander und sein Feldherr Parmenio und sein Freund Klitus, Alexander in Ägypten, Alexander und Poros und Alexanders Tod. – „Frosch“ brachte öfters

das Buch am Birt „Alexander und das Weltgriechentum“ mit, um uns daraus vorzulesen. Bei einer Stelle war die Rede von einer Erkrankung des Königs. Birt sagt, viele führten diese Erkrankung auf das üppige Leben in Babylon und den übertriebenen Alkoholgenuß zurück. Er (Birt) aber meine, da Alkohol kein Malaria hervorbringt. Da sagte „Frosch“: „Tscha, der Birt liebte einen guten Tropfen. Isch bin ein Jugendfreund von ihm, und er schätzte misch damals wegen meiner ausgezeichneten Baßstimme. (Dabei kriegte „Frosch“ einen roten Kopf) Tschä, und wenn das heute noch so wäre, dann könnte ich mich mit Otto Trieloff messen.“ – Später, am Ende der Obersekunda, lasen wir Herodot. Frosch begeisterte sich für die „alte, gemütliche, breite, hausbackene“ Erzählungsart des Dichters.

In Klasse 8 lasen wir mit Herrn Dr. Gaillart Ciceros „De re publica“ und „De officiis“ in Auszügen (Somnium Scipionis). Ferner lasen wir das „Monumentum Ancyranum“, das Testament des Augustus, Tacitus „Ab excessu divi Augusti (Annales)“ in Auswahl, etwas von Horaz und Vellejus Paterculus (Arminius). –

Von den griechischen Lyrikern lasen wir Hesiod, Xenophanes, Parmenides, Kallinos, Mimnermos, Tyrtaios, Solon, Sappho. Dann lasen wir Teile der Ilias. Aus der Prosaliteratur nahmen wir Platons „Kriton“ und „Apologie“, Xenophons „Staat der Lakedämonier“ (Lykurg) und einige Stellen von Thukydides, Demosthenes, Isokrates durch.

4. Der Frosch.

Dr. Gaillart, „Frosch“ genannt, war ei allen Schülern beliebt. Er suchte uns wirklich noch etwas Griechisch beizubringen und sorgte für uns wie ein Vater für seine Kinder. Seine Hochanständigkeit wird überall gerühmt. Und jeden Tag werden Witze von ihm erzählt, solche, die er selbst gemacht, denn er ist ein humorvoller Mensch und weiß sich aus einer peinlichen Lage, in die ja auch mal ein solider Lehrer, wie Frosch, der in allen Sätteln der Grammatik fest ist, kommen kann, mit einem erlösenden Witz zu befreien. Hier einige Anekdötchen, die wirklich passiert sind. –

Die Geschichte, wo Frosch bei seinem Eintritt ins Klassenzimmer dem an der Tür Wache stehenden „Hasi“ gesagt hat: „Tscha, ich weiß,

was du gesagt hast! Der Frosch kommt.“ Kennt jeder. –

Middelmann übersetzte: „Die Römer nahmen das Lager...“ Pause. Da sagt Frosch: „Steckten es unter den Arm und gingen davon.“ –

Middelmann übersetzt ein anderes Mal: „Gesandte kamen zu Varus und sagten...“ Fährt Frosch fort: „Tag, Varus!“ –

Ich hatte Schnupfen. Putzte mir die Nase. Alle fuhren um und sahen mich an. Da bemerkt Frosch: „Tscha, der Kranz, der putzt sich immer die Nase...“ –

Wir sollten ins Kino gehen. So gegen Mittag. Mit der ganzen Schule. Fragte einer: „Gehen wir schon um 11 Uhr?“ „Tscha,“ antwortet Frosch, ärgerlich, daß seine Lateinstunde ausfällt. „Sie bekommen auch Bier und belegte Brötchen, „ein solennes Frühstück“. Und Zigarren wird Ihnen das Lehrerkolle-

gium zur Verfügung stellen.“ –

Kommt ein Sextaner mit dem Mitteilungsbuch in die Klassen hinein. Ohne Anzuklopfen. „Tschä.“ sagt Frosch. „Der tut so, als wenn hier keiner wär.“ Das nächstemal kommt derselbe Sextaner. Klopft an, wartet aber nicht auf das „Herein“ und kommt sofort in die Klasse. „Der tut so, als ob er der Direktor wär!“ sagt Frosch empört. Und nach einer Pause: „Tschä, das war ein direktorialer Anklopf!“ –

Fritz Helle hatte Nasenbluten. Das hat er öfters. Ich sitze neben ihm. Auch jetzt hält er den Kopf hoch, während ich übersetze. Da sagt Frosch: „Helle, der Kranz kann das alleine. Sie verbergen so Ihr Angesicht!“ „Ja, ich hab Nasenbluten, das ist der ganze Witz!“ –

Frosch kam in die Klasse, legte seine Bücher auf die erste Bank (wo er die ganze

Stunde so steht), schlug den Arrian auf. „Tscha, der Kastor ist doch der Bruder des Pollux. Das fiel mir ein, als ich mich gestern abend zu Bett legte.“ Gelächter. „Ja, is wahr!“ –

Ich übersetzte. Falsch. Frosch korrigierte. „Ach so!“ „Tscha, Kranz, mit Ihren Zwischenbemerkungen! Ein Pauker hätte davon längst seinen Spitznamen weg!“

Die Klasse schläft. Niesert steht schon eine halbe Stunde. Murkst an einem Satz herum. Alle fünf Minuten fällt ein Wort in die Stille. Frosch ruft ganz verzweifelt: „Huch, was ist das langweilig!“ Da schellt es. Frosch klappt das Buch zu. „Gott sei Dank, daß die Stunde ’rum ist!“ –

Das Schonblech an der Klassentüre war lose und pendelte immer am Türdrücker herum. Frosch sagte: „Das muß repariert werden. Ich habe keine Lust, immer vor jeder Stun-

de an der Türe ’rumzuhampeln! Kranz, Sie bringen Schrauben mit!“ „Jawohl!“ „Wer bringt den Schraubenzieher mit?“ „Kann ich auch machen!“ „Wer macht das dran?“ „Kann ich auch machen!“ „Nö, brauchen Sie nicht alles zu machen. Oder, da muß Ihnen wenigstens einer helfen. Sonst sieht es ja so aus, als ob sie das kaput gemacht hätten. Das tut der Niesert.“ – Am nächsten Morgen habe ich alles vergessen. Lasse mir von Eggerath Erlaubnis geben, in der Pause Schrauben und Schraubenzieher zu holen. „Sind Sie in 10 Minuten wieder hier?“ „Jawohl!“ Ich laufe. Komme trotzdem um 1 Minute zu spät. Eggerath ist schon in der Klasse. „Was habe ich gesagt, Kranz? Heute nachmittag ½ 3 Arrest. „Ja, da kann ich doch nichts für, ich opfere mich für die Allgemeinheit und repariere die Tür und werde obendrein bestraft!“

Die andern lachen. Doch Eggerath bleibt hart. – In der nächsten Stunde haben wir Latein bei Frosch. Ich arbeite an der Tür. Die halbe Stunde geht dabei drauf. Als ich fertig bin, sagt Frosch: „Wir danken dem Kranz, ... und ich hoffe, daß niemand mehr die Tür beschädigt.“ Als die Dankesrede vorbei ist, sage ich trocken: „Ja, und heute Nachmittag muß ich in’ Arrest.“ Frosch fällt aus allen Himmeln. Seine gutmütigen Froschaugen glotzen mich an: „Wie?!“ „Ja...“ Und dann erkläre ich ganz kurz alles. „Sie können ja mal mit Herrn Eggerath sprechen!“ „Tscha, das will ich dann tun!“ – Nach der Stunde ging er mit mir zu Konrad. Dieser sagte zu mir: „Kranz, heute nachmittag können Sie ihren Mittagsschlaf halten!“

Middelmann übersetzte eine Herodotstelle etwas schwach: „Die Griechen kamen von allen Seiten heran, ergriffen den Mardonios...“ Frosch fährt fort: „Und setzten ihn in Spiritus.“ –

Niesert übersetzt: „[.....].“ folgendermaßen: „Sie sind schön und – nackt.“ (Frosch hatte früher mal erklärt, daß [...] = „turnerisch“ von [...] = „nackt“ herkommt). Da lacht Frosch laut auf und sagt: „Da kam Se aber tief jeschlafen! Da kam Se’n Witz jemacht! Dä muß aber in die Bierzeitung. – Fehlte nur noch, daß das „sie“ jroß jeschrieben würde.“ – Die Klasse platzte fast vor Lachen. - -

Das ist unser guter, alter Frosch. Ein waschechter Kölner. Ein feiner Mensch. Ein Lehrer, der uns sehr stramm hielt, der aber beim Abitur uns recht und schlecht in der mündl. Prüfung half.

X. Prima.

Ostern 1938 – Ostern 1939.

1. Das Schuljahr und was sich so alles ereignete.

Als Sextaner ist man ein braver, gehorsamer, fleißiger Schüler. Das währt solange bis man in Quarta – Untertertia in die „Flegeljahre“ kommt. Dann wendet man sich den verschiedensten Interessengebieten zu: Sport, Briefmarkensammeln, Lesen (Karl May!), Basteln und was so ein Tertianer alles gerne tut. Aber die Schule muß darunter leiden. Sie betrachtet der wachsende Junge als Luxus, für die man höchstens im letzten Tertial vor Ostern etwas tut. Das ist alles ganz natürlich, und wer kleben bleibt, tut es meist in diesen Jahren. – Mit 16 Jahren wird man allmählich ernster. Man rasiert sich, trägt Schlips und Kragen, wird mit „Sie“

angeredet, man macht den Tanzkursus mit – und das alles verpflichtet den angehenden Mann, „seine Kinderschuhe abzustreifen“, sich zu „benehmen“ und mit größter Würde durchs Leben zu gehen. Zugleich nimmt er nicht mehr alles einfach wahllos hin, was man ihm an geistiger Kost vorsetzt: Er wird kritischer, und was man ihm im Unterricht beizubringen versucht, glaubt er nicht mehr alles. Der Primaner ist schon kein Schüler mehr. Er genießt das, was er in vielen Schuljahren gelernt hat. Er läßt sich mit „Lehrern“ über Kontroversfragen in Diskussionen ein und widerspricht vagen Behauptungen seiner Pauker sehr oft und energisch. So kann man hier von einem Unterricht im eigentlichen Sinne nicht mehr sprechen. Der Primaner ist selbständig geworden, selbständig nicht nur in seinem Handeln, sondern auch in seiner Meinung, in seiner Weltanschauung, in

seinem Urteil. Er ist – so sagt man – „reif“. –

In den folgenden Zeilen will ich nicht vom Betrieb in der Schule selbst erzählen, sondern von dem was sich mehr oder weniger außerhalb dieser abgespielt hat. Die Klassengemeinschaft war keine, die morgens um 8.15 Uhr begann und mittags um 13.25 aufhörte. Auch außerhalb der Schule trafen wir uns oft, so zum Beispiel auf Kegelabenden, an denen Dr. Steinbrink, Dr. Gaillard und Dr. Eggerath oft auch zugegen waren. – Im Sommer fuhren wir mit Herrn Kreidt und einigen anderen Herren nach Düsseldorf per Autobus. Hier besuchten wir die Ausstellung „Entartete Kunst“ und anschließend das Freimaurermuseum. – Wie in jedem Jahr, feierten wir auch diesmal ein Schulfest im Steeler Stadtgarten. – Die Klasses 8 b (Mathem. Abt.) machte mit Herrn Eggerath eine Fahrt nach Würzburg – Mün-

chen – Kufstein. Unsere Klasse fuhr nicht mit, wohl unser Klassenlehrer. Eine mit Herrn Dr. Gaillard geplante Fahrt nach Köln fiel leider ins Wasser. – Beide Klassen machten nach dem Examen ein Autobusfahrt nach Belgien mit Herrn Eggerath, an der auch Dr. Trieloff, Studienrat Linnenborn und Studienrat Hochkirchen teilnahmen. Ich habe mir von einem erzählen lassen (ich selbst war nicht mit), daß Dr. Otto Trieloff für die Bande gesungen hat, damit sie etwas zu essen bekämen, als sie stundenlang auf vereister Straße froren. –

Das Examen war der Endpunkt dieses Jahres und unserer ganzen Schulzeit. Es war mit vielen Schwierigkeiten und Verzögerungen für uns verbunden. Zuerst mußten wir einen riesigen Papierkrieg führen: Mehrere Male Lebenslauf, Gesuch und was sonst noch alles zu einem Examen erforderlich ist auf DIN A4 schreiben, bis alles aufs

I-Tüpfelchen stimmte. „Ich bitte den Herrn Oberschulrat zum siebenten Mal...“ Als alles unter viel Schweißverlust erledigt war, wurden alle Akten (einschließlich der Charakteristiken. Schöps als Graphologe!) in ein Paket gepackt und dieses dem Hausmeister Bertels übergeben mit dem Auftrag, es zur Post zu bringen. – So stiegen wir guten Gewissens in das schriftliche Examen, allerdings bedingungsweise, denn unsere Zulassungen waren noch nicht angekommen. Wir schrieben Arbeiten in Erdkunde, Deutsch, Griechisch, Latein. Am letzten Tag der Prüfung – mitten im Griechischen – ruft das Provinzialschulkollegium in Koblenz an: die Akten seien noch nicht angekommen. Helle Aufregung; die Post weiß von nichts, bis sich schließlich herausstellt, daß der faule Bertels das Paket noch überhaupt nicht weggeschickt hat. Dadurch große Verzögerungen. Wir voll Wut auf den Pedell. Obendrein kommt das Ant-

wortpaket von Koblenz mit großer Verspätung – zehn Tage nach Aufgabe – an, und zwar in ganz „aufgelöstem“ Zustand: Offen, die Papiere zerknüllt und ... die Zulassungen fehlen! – Zu all diesem Pech kam noch, daß unser lieber Direktor Dr. Trieloff versetzt wurde. Nachdem eine Zeitlang Dr. Gaillard den vakanten Posten in Stellvertretung übernommen hatte, kam von Essen ein neuer Direktor: Dr. Grutkampf, der uns sehr unsympathisch war. Doch davon noch später. – Wegen der vielen Verzögerungen fand unsere mündliche Prüfung erst am 15. u. 16.III. statt. Wir kamen als letzte Schule des Rheinlandes dran. Den Vorsitz führte Oberschulrat Dr. Dörner. Alles ging ziemlich schnell und reibungslos. Einen kuriosen Fall kann ich noch erwähnen. „Szepan“ Stumpe war am Vormittag noch überhaupt nicht drangekommen. Mittags ging er aus Angst in eine Kneipe und trank sich Mut an. Besoffen stieg er ins Examen.

Doch es ging alles gut. Von der Prüfungskommission hat niemand etwas gemerkt, außer Dr. Steinbrink, der „es gerochen“ haben wollte, als er Stumpe das Thema gab. –

Nachdem wir alles überstanden hatten, feierten wir Kommers im Stadtgarten. Dr. Gaillard und Dr. Steinbrink waren auch zugegen. Bemerkenswert ist noch, daß wir uns von ½ 12 Uhr an bis nach Eins über die Persönlichkeit und Bedeutung des Sokrates, seine Lehre, über Einsteins Relativitätstheorie und andere philosophische Fragen unterhalten haben. Als wir gegen ½ 2 nachts den Laurentiusweg hinunterzogen, brachten wir unserm alten Direktor Dr. Trieloff an seiner Wohnung ein dreifaches Hoch aus. Nachher zogen wir gröhlend durch die Stadt (unsere Reife hatten wir ja schriftlich bescheinigt) und kneipten noch weiter bis in den frühen Morgen. –

2. Unsere Studienräte und Doktoren.

Eine Anzahl von Lehrern, die wir bereits in Obersekunda gehabt haben, behielten wir auch in diesem Jahre. So erteilte uns Dr. Steinbrink weiterhin „Unterricht“ in Deutsch und Geschichte. Dr. Gaillard, Frosch genannt, führte uns wie im letzten Schuljahre durch die Literatur der Antike. –

Bei Jupp Hochkirchen konnten wir im Französischen noch genau so gut schlafen, wie früher. –

Studienrat Holtermann wurde inszwischen zum Burggymnasium versetzt. –

Geopolitische Probleme und wirtschaftliche Fragen behandelte mit uns in sehr angeregter Weise Studienassessor Mahlberg, der uns ein sehr lieber Lehrer war. Auf seine Erdkundestunden freuten wir uns schon immer die ganze Woche. Er betreute außerdem unsre Bibliothek und ergänzte sie um manches

wertvolle Stück. –

Turnen hatten wir bei Studienrat Dittmar (Dackel), der allerdings wenig davon verstand. Das Ergebnis der Turnprüfung fiel dementsprechend aus. – Boxunterricht gab uns Studienassessor Becker, ein prächtiger Herr. –

Mathematik und Physik waren für uns sprachliche Abteilung Nebenfächer. Studienassessor Kramer hatte es aufgegeben, uns hierin etwas Vernünftiges beizubringen. Ich glaube, er verstand auch nicht allzuviel davon. In Physik bekam er meist die Stunde mit Aufräumen um. in Mathematik mit Vorlesen und – wenn es hochkam – mit grafischen Darstellungen. Zeichnen ist übrigens seine Stärke. – Im Gegensatz zu ihm war Studienassessor Eggerath ein Mann, der von seinem Fach wirklich etwas verstand. Er versuchte verzweifelt, uns in Chemie wenigstens etwas beizubringen, was ihm allerdings nicht gelungen ist. Schuld

daran ist auch der Umstand, daß wir nur eine Stunde in der Woche hatten, die aber meistens ausfiel. –

Biologie hatten wir bei Studienrat Linnenborn, der auf seinen Titel ordentlich stolz ist. Ganz früher hieß er „Vinzenz“, später wurde er mit dem Beinamen „Pat“ belegt, und in unserer Zeit hatte sich allmählich der Name „Pille“ eingebürgert. Ein Witz von ihm (Seine Stunde war übrigens nichts anders als ein einziger großer Witz): Als wir die Vorgeschichte durchnahmen und Pille von gefundenen Menschenknochen sprach, fragte einer, in welchem Gestein diese Reste gelegen hätten. „Natürlich in sehr altem Gestein.“ antwortete er. –

In Zeichen trat ein Wechsel ein. Herr Studienassessor Kreidt, der seit Ostern uns in Zeichen hatte und sehr feine Kunstbetrachtungen mit uns machte, verließ uns wegen Krankheit. An seine Stelle trat Herr Studienassessor Hein. –

Unser Musiklehrer war unser guter alter Herr Kaps, der mit seinem Chor und Orchester die Feierstunden der Schule umrahmte. –

Eine etwas unliebsame Überraschung war es, als Dr. Trieloff, unser Oberstudiendirektor, kurz vor unserm Abitur zur Humboldt-Schule versetzt wurde. An seine Stelle trat Oberstudienrat Dr. Grutkamp von der Maria-Wächtler-Schule für Mädchen. Er stand im diametralen Gegensatz zu unserm früheren Direktor. Jener war uns ein lieber Kamerad, der unser Herz hatte, dessen Herz wir hatten, nicht Vorgesetzter, sondern Führer; dieser ein Mann, der seinen Beruf nicht als Pädagoge, sondern als Beamter auffaßt, ein Bürokrat und Pedant, wie er im Buche steht, der seine Autorität nicht anders als in Strafandrohungen zu wahren wußte.

Alphabethisches Namensregister.

Die römischen Ziffern geben das Buch an, die arabischen die Zahl der Seite.

Balensiefen, Studienrat. Erdkunde. Unterrichtete uns vorübergehend in Obertertia (35/36). II 87.

Becker, Studienassessor. Gab uns in Prima Boxunterricht. In andern Klassen Biologie. IV 255.

Beckmann, Studienassessor. Altphilologe. Turnen. II 90, 95. Gab uns in UII (36/37) Geschichte.

+ Böhmer, August, Studienrat. Zeichenlehrer an unsrer Schule seit 1932. Erteilte in den unteren Klassen auch Deutsch und Rechnen. I 11, 14, 31, 50, 51; II 81, 82, 87, 90, 95; IV 224, 232.

Decker, Studienassessor. Gab uns eine kurze Zeit in Untersekunda (36/37) Biologieunterricht. II 90.

Dittmar, Karl, Studienrat. „Dackel“. Gab uns Untertertia (34/35) und Obertertia (35/36) Latein.

Später unser Turnlehrer. Gibt in andern Klassen noch Geschichte und Erdkunde. – I 46-50; II 77, 86, 89; IV 231, 234, 255.

Dresen, Heinrich, Studienrat. Von 1930-1933 an unsrer Schule Religionslehrer. I 12.

Eggerath, Konrad, Studienassessor. „Peias’ Stift“. „Lutsch“. Seit 1936 an unsrer Schule. Organisator von Fahrten. Gab uns Biologie, Physik, Chemie, Mathematik. – II 90, 95-97; III überall; IV 223, 225-26, 227, 232, 244, 245, 249, 250, 205.

Gaillard, Ferdinand, Dr. Studienrat. „Frosch“. – Altphilologe. Gab bei uns in Untertertia (34/35) Geschichte, in Obersekunda und Prima (38/39) Griechisch und Latein. „Protektor“ des Rudervereins. – I 58; II 95; IV 227, 230, 234-246, 249, 250, 252, 253, 254.

Goldstein, Studienassessor. SS-Führer. Altphilologe. Gab uns Ende Obertertia (36) Griechisch. II 86.

Gressner, Turnoberlehrer von Opladen. II 141.

Grutkamp, Direktor Dr. Seit Februar 1939 an unsrer Schule. IV 252, 257.

Hein, Studienassessor. Seit November 1938 an unsrer Schule Zeichenlehrer. IV 256.

Hellrung, Studienassessor. Mathematiker. Im letzten Tertial 1937/38 Zeichenlehrer an unsrer Schule. IV 232.

Hochkirchen, Josef, Studienrat. „Jupp“. Gab uns in Quarta (33/34) Französisch, in Untertertia (34/35) und Obertertia (35/36) Griechisch und eine kurze Zeit Latein. Seit Obersekunda (37/38) bis zum Abitur unser Französisch Lehrer. Liebt gerne einen guten Tropfen... – I 33; II 86; IV 228, 236, 250, 254.

Holtermann, Johannes, Studienassessor. Altphilologe. Unterrichtete uns in Untersekunda in Latein (36/37). Ostern 1938 versetzt nach „Barg“. II 89, 100; IV 228, 235, 236, 254. –

Kaps, Fritz, Oberlehrer. Gab uns in Sexta Unterricht in Rechnen und Erdkunde. Seit 40 Jahren an

unsrer Schule Musik- und Turnlehrer. Gründete und leitete Chor und Orchester der Schule. I 10, 11; II 84, 87, 103; IV 224, 231, 256.

+ Klausenberg, Professor. In Untertertia (34/35) hatten wir Erdkunde und eine Zeitlang Deutsch bei ihm. „Knicke“. I 32. Bücherei.

Klein, Josef, Dr. Studienrat. Altphilologe.

Knapp, Studienassessor. „Davi“. Bei ihm hatten wir im letzten Tertial der Quarta (33/34) Latein und Spielturnen. Er war damals unser Klassenlehrer. I 26, 28, 34-37.

Knupfert, Studienassessor Dr. „Schabbes“. Im letzten Tertial der Untertertia hatten wir Deutsch und Erdkunde bei ihm, außerdem Spielturnen. I 59-64.

Kramer, Werner, Studienassessor. Unser Lagerleiter in Zülpich 1936. Kam Ostern 1937 zu unserer Schule. Seit 1938 unser Mathematik- und Physiklehrer. „Kriminalist und Reformator“. In andern Klassen Turnlehrer.

II 141; IV 232, 255.

Kreidt, Studienassessor. 1938 Zeichenlehrer an unserer Schule. IV 249, 256.

Langenberg, Praeses. Im letzten Tertial des Jahres 34/35 Religionslehrer an unserer Schule. I 59.

Linnenborn, Walter, Studienrat. „Vinzenz-Pat-Pille“. In Sexta und Quinta unser Biologielehrer. In Untersekunda (36/37) unser Mathematiklehrer. Zugleich Ordinarius. Seit Ostern 1937 unser Biologielehrer. War 1936 mit uns in Zülpich. – I 11; II 89, 95, 96, 102, 106; IV 223, 231, 250, 256.

Mahlberg, Studienassessor. „Globus“. Seit 1937 an unserer Schule und unser Erdkundelehrer. Außerdem in andern Klassen Turnlehrer. IV 228-230; 254.

Nebel, Dr. Studienassessor von Opladen. II 141.

Nußbaum, Erwin, Studienassessor; Gab uns in Obertertia (35/36) eine Zeitlang Geschichte und Erdkunde. II 88.

Pöppinghaus, Studienrat. Neuphilologe. Seit Ostern 1938 an unsrer Schule.

Reusch, Studiendirektor. Bis 1933 an unsrer Schule. I 12, 15, 34.

53 + Rincke, Karl, Rektor. In Untertertia (34/35) eine Zeitlang unser Religionslehrer. I 59.

Schelter, Rektor. Stenografielehrer.

Schick, Studienassessor. „Jumbo“. Gab uns in Quarta (33/34) eine kurze Zeit Erdkunde und Spielturnen (Ruhrwiesen).

Schiefer, Professor. „Papa“. Bis 1932 an unsrer Schule.

Schmitthausen, Regens, eine zeitlang 1935 Religionslehrer an unsrer Schule. I 59.

+ Schmitz, Oberlehrer. „Tuan“. In Sexta hatten wir bei ihm Zeichnen und Biologie. Seit 1932 im Ruhestand. I 11.

+ Spenrath, Heinrich, Studienrat. „Spenni“. Seit 1935 mit Unterbrechungen an unserer Schule Religionslehrer. Früher am Lyzeum in Steele.

Eine zeitlang hatten wir bei ihm auch Französisch und Latein. I 59; II 87, 90; IV 231.

Spieker, Studienrat. Germanist. Ev. Religionslehrer. Seit Ostern 1938 an unsrer Penne.

Schultes, Studienassessor. In Untersekunda (36/37) unser Chemielehrer. In Obersekunda (37/38) hatten wir bei ihm Boxen. II 90; IV 231.

Steinbrink, Heinrich, Dr. Studienrat. „Schöps“. Seit Ostern 1935 (Obertertia) unser Deutschlehrer. Später Geschichte und eine Zeit Erdkunde. Ostern 1938 bis zum Abitur unser Klassenlehrer (8 a). Machte die Grenzlandfahrt und die Fahrt nach München mit. II 86, 87, 90, 91; III überall; IV 230, 249, 251, 253, 254.

Sternitzke, Dr. Studienassessor. Im letzten Tertial der Untersekunda (36/37) unser Deutschlehrer. II 90, 102.

Theißen, im letzten Tertial des Schuljahres 33/34 an unsrer Schule Religionslehrer. I 59.

53 + Tillmann, Erich, Dr. Studienassessor. Aus der Jugendbewegung. In Obertertia (35/36) unser Französisch-Lehrer, in Untersekunda (36/37) hatten wir bei ihm Erdkunde. II 86, 87, 90; IV 228.

Trieloff, Otto, Dr. Oberstudiendirektor. Seit 1934 an unserer Schule. Olympiasieger von 1908 (London, Silberne Medaille). Hoher Luftschutzführer. Sänger. Gab uns in Untersekunda (36/37) Französisch, seit Ostern 1937 Englisch. Weihnachten 1938 versetzt nach der Humboldt-Schule in Essen. – I 45-46; II 78, 79, 87, 89, 101, 105-108; III 153; IV 233, 250, 252, 253, 257.

Wagner, Studienassessor. 1934-36 Turnlehrer an unserer Schule. I 58; II 87. „Kiki“.

Weber, Hans, Professor. „Stutz“. Ev. Religionslehrer. VDA-Leiter. In Sexta, Quinta und Quarta

(Ostern 1931 – Herbst 1933) war er unser Klassenlehrer. Wir hatten bei ihm Deutsch und Latein. Herbst 1938 in den Ruhestand getreten. – I 6-10, 18, 34, 39, 41-43.

Weyres, Theobald, Dr. Studienrat. „Peias“. Seit Quarta (33/34) unser Mathematiklehrer. In Untertertia (34/35) hatten wir bei ihm Physik. Er gab unser Physikbuch heraus. Ostern 1936 Offizier der Luftwaffe. SS-Führer. Später hatten wir in Untersekunda (36) eine Zeit bei ihm Biologie. – I 29-32; II 84, 85, 90; IV 224.

Wissmann, Studienrat. War in Untertertia (34/35 in Griechisch mal bei uns als Gast.

Register aller meiner Mitschüler.

Zeichenerklärungen:

s = sitzengeblieben. a = abgegangen.
S = Sprachliche Abteilung.
M = Mathematische Abteilung.
A = Abiturient Ostern 1939.
ND = früheres Mitglied Neudeutschlands.
HJ = Führer in der Hitlerjugend.

Km = Mitglied des Komitees der Bierzeit.
E = Einjähriger 1937.

+ Acker, Kurt. Steele. Jude. VI-IV a. Buch I, Seite 25, 39.
+ Badde, Fritz. Rellinghausen. VI – A. Km. M. Buch I, 34, 47; II 91; III 184, 188, 209.
Barkher, Winfried. Steele. VI a.
Basten, Hans. Essen. OII – A. M.
Belke, Jürgen. Essen. UII – A. S. Buch III 209.
Bergmann, Clemens. Steele = Fr. s OIII s.
Bockholt, Ludw. Schulte =. Eiberg. V sa. ND.

Bolli, -. Essen-West. VI-Va. ND.
Braun, Günter. Kray. VI-IV sa. Buch I 39.
+ Brixius, Kurt. Steele. s IVa. ND. Buch I 39.
+ Brühl, Leonhard. Steele. s OII – A. M.
Buchholz, Paul. Huttrop. VI-UII. E a. ND. Km. Buch I 39; II 75, 91, 104.
Büscher, Wolfgang. Essen. „Jonny“. s UII – A. S. Buch II 96;
Butterwege, Heinz. Kray. VI a.
Castro, Hans. Huttrop. s V sa. ND.
+ Collenberg, Helmut. Altendorf. OII – A. M.
Durchleuchter, Heinz. Rellinghausen. s UIII – UII E a.
Escher, Heinz. Überruhr. OII a.
Feldhaus, Alfons. Huttrop. VI a.
Fischer, Hermann-Josef. Kray. „Tucki“. VI-UII s. Buch I 39.
Freistühler, -. Horst. VI a.
+ Frölich, Ferdi. Altendorf. VI-UII Ea. Km. Buch I 39; II 91, 105.

Gahmann, Heinz. Überruhr. VI-UIII s. HJ. Buch I 39.
Gantenberg, Werner. Kray. VI-V a.
Gaubatz, Karl Franz. Kray. s 8. Herbst-A.
Gessart, Otto. Steele. VI a. Buch I 10.
+ Gockel, Heinz. Altendorf. VI a.
Götzen, Gerd. Steele. VI-IV s a. HJ. Buch I 39.
Groß, Willi. Steele. Aus Düsseldorf. OII- A. S. Buch III 185, 209. NS-Führer.
Grunau, Arthur. Steele. „Atsch“. VI-IV s. HJ. Buch I, 39.
+ Hagenbruch, Heinz. Steele=Fr. VI.- A. M. Buch I 38; II 103; III 165, 172.
Hahn, Hermann. Essen. „Arminius“. OII – A. S.
Hartke, Willi. Steele. V-IV s. HJ. Buch I 22, 24, 39. „Kiki“.
Hasenkamp, Fred. Steele-Fr. VI-UII Ea. Buch I 38, 62, 63. II 103, 105.
Hecker, Heinz. Huttrop (aus Düren). s V – A. M. Km. ND. HJ. Buch I 38, 62; II 75, 76, 79,

92, 91, 93, 104, 107; III 168, 184, 188, 209.
Hecker, Helmut. Huttrop (aus Düren). VI-UII Ea. ND. Buch I 39; II 97, 104.
+ Helle, Fritz. Horst. VI-OIII a nach Münstereifel, OII – A. S. ND. Buch I 39, 48; IV 242.
Hensel, Heinz, Steele. VI-V sa.
+ Herrmann, Manfred. Essen. 8 b. A. M.
Hohlmann, Helmut. Kray. VI-IV s. Buch I 39.
Jäger, Willi. ? VI a.
Jechalik, -. Essen. Kurze Zeit in Klasse 8 a.
Kaltenborn, Josef. Huttrop. VI-UII s. „Pepi“. Buch I 39;
Kefenhörster, -. Kray. VI s.
Keuter, Rudi. Steele (Oberhausen). VI-IV s. ND. Buch 39 I.
+ Kirchhoff, Herbert. Steele. „Erpel“, „Gandhi“. ND. VI – A. M. Buch I 27, 38, 39, 47; II 103.
+ Kirchhoff, Rudolf. Kray. OII – A. M. HJ. Buch III 155, 184, 209.
Kleeberg, Ernst August. Kray. VI-UII s.

Kogge, Wolfgang. Essen. Einige Tage in OII. a.
Köhler, Heinz. Essen. s UII a.
Kolley, Norbert. Steele. s V s a. ND.
+ Korstick, Hans. Essen. UII – A. S. „Minna“. Buch III 169. „Jak“.
Krampe, Willi. Steele. s IV a. ND. Buch I 39.
Krause, Hans. Niederbonsfeld. IV – UII E a. Buch I 39; II 103.
Lang, Edmund. Steele. VI-UIII s a. ND. Buch I 39, 48, 50, 61, 62.
Leggewie, Heinz. Kray. VI-IV s. Buch I 39.
Lillich, Josef. Überruhr. „Knöl“. s V-UII E a. Km. ND. Buch I 39; II 75, 91, 105.
Lohmann, Eduard. Steele. VI-V s a.
+ Lohne, Willi. Essen. s UIII – A. S. Buch III 173, 184.
Luttrop, Fritz. Steele-Fr. VI-IV a. „Tuktuk“. Buch I 37, 39.
Margulies, Willi. Essen. Jude. VI-IV a.
Mathenaer, Heinrich. Essen. 8 Herst-A. HJ.
Meiwes, Anton. Steele. Einige Tage in 8 a.

Middelmann, Wolfgang. Essen. UII – A. S. Buch III 184, 209; IV 241, 242, 246.
Mintrop, Rudi. Altendorf. s UII – A. M. Buch II 105; III 209.
Multhaupt, Berni. Steele. VI-UII E a. ND. Buch I 38; II 103.
Niesert, Wolfgang. Essen. s OII – A. S. Buch IV 242, 244, 246. „Bobby“.
Obiger, Hans. Kray. s UIII – OII. a. HJ. Buch III 155.
Paganetty, Theo, Steele-Fr. s V – A. M. Buch I 39. II 103; III 209.
Pöppinghaus, Franz-Josef. Steele. 8 b. A. M. ND.
+ Röhring, Hans. Steele. VI-V s. ND. HJ.
Rosenbaum, Günter. Steele. Jude. VI-IV a. Buch I 39.
Rosenbaum, Horst. Essen. s OII – A. S. HJ. Buch III 169, 172, 185, 195. „Fletsch“.
Rosiepe, Ferdi. Höntrop. RAD. OII s. Buch III 172, 184, 188, 209.
+ Rotermund, Jupp. Altendorf. VI – A. M. Buch I

38; II 105;
+ Sattler, Reinhold. Essen. s OII – A. M. HJ. „Bör“. Buch III, 155, 172, 202, 209.
Schemel, Willi. Steele. VI-IV s. Buch I 39.
+ Schemien, Karl Heinz. Essen (aus Insterburg). UIII – A. S. Buch III 165, 185, 195.
+ Schempershofe, Leo. Bredeney. V – A. M. ND. Buch I 38; II 105; III 209.
+ Schlaustein, Fritz. Steele (aus Münster). IV – A. S. HJ. Buch I 47; III 214.
+ Schocke, Hermann. Steele. V-IV a. ND. Buch I 39.
Schön, Kurt. Steele. s VI-OII s. Buch I 39; II 103;
Schulte, Heiner. Steele. VI-IV s. HJ. Buch I 39.
Schweppe, Günter. Steele. VI-V s a.
Stenzel, Karl. Essen. 8 a. A. S.
+ Stricker, Rudolf. Steele. s IV- A. M. ND. Buch I 39; II 75, 76, 79, 92, 103; III 172, 209. Km.
Stumpe, Kurt. Kray. VI – A. M. HJ. Buch I 39; IV 252. „Szepan“.
Vedder, Heinz. Essen-Bergerhsn. s IV-OII a. Nd.

Buch I, 38; II 104; III 184.
Velten-Emden, Wilhelm. Steele. VI-UII E a. HJ. Buch I 9, 10, 39; II 100-103.
Vogt, Karl-August. Steele. 8 a. Herbst A.
Wachs, Gerd. Essen. Ende OII – A. S.
+ Weise, Herbert. Steele. „Zappel“. VI – A. M. Buch I 23-26, 39, 47, 56, 57, 61, 63; II 96, 100-104; III 169, 184, 209.
Wilmers, Karl Heinz. Steele. VI-IV a. ND. „Punk“. I 26, 39.
Woll, Franz. Huttrop. VI-UII E a. ND. Buch I 39, 61; II 104.

Reifeprüfung an der Karl-Humann-Oberschule

Unter der Leitung von Oberschulrat Dörner fand am 15. und 16. März die Abschußprüfung an der Karl-Humann-Schule statt. Es bestanden folgende Prüflinge:

Klasse 8 a: Jürgen Behlke (Arzt), Wolfgang Büscher (Volkswirt), Willi Groß (Offizier), Herm. Hahn (Sanitätsoffizier), Friedr. Helle (Volkswirt), Hans Korstick (Philologe), Giesberth Kranz (Kath. Theologie), Willi Lohne (Kath. Theologie), Wolfgang Middelmann (Kaufmann), Wolfgang Niesert (Jurist), Horst Rosenbaum (Jurist), Karl-Heinz Schemien (Offizier), Friedrich Schlanstein (Offizier), Karl Stenzel (Sanitätsoffizier), Gerhard Wachs (Sanitätsoffizier).

Klasse 8 b: Friedr. Badde (Ingenieur), Hans Basken (Ingenieur), Leonhard Brüh ( Polizeioffizier), Helmut Kollenberg (Militärlaufbahn), Heinz Hagenbruck (Chemiker), Heinr. Hecker (Journalist), Manfred Herrmann (Chemiker), Herbert Kirchhoff (unbestimmt), Rudolf Kirchhoff (unbestimmt), Rudolf Mintrop (Ingenieur), Theod. Paganetty (Arzt), Franz-Josef Pöppinghaus (Arzt), Josef Rotermund (Ingenieur), Reinhold Sattler (Ingenieur), Leo Schempershofe (Beamter), Rudolf Stricker (Ingenieur), Kurt Stumpe (Beamter), Herbert Weise (Orchesterleiter).

Volks-Zeitung
(Steeler Zeitung)
1939, N 66.

Chronik der Schule und der Klasse.

18. März 1931 Aufnahmeprüfung für Sexta.

Sexta 1931-1932.
Klassenlehrer Prof. Weber.

Quinta 1932-1933.
Klassenlehrer Prof. Weber.

Juli 1932. Schulfest. Sportl. Wettkämpfe auf den Ruhrwiesen. Abendveranstaltung bei Klaus. August Böhmer inszeniert die „Zaubergeige“.

Dezember 1932. Ausstellung. Apostelspiel v. M. Mell.

31. Jan. 1933. Machtübernahme d. Adolf Hitler.

21. März 1933. Wir hören die Übertragung des historischen Reichstages zu Potsdam.

Quarta 1933-1934.
Klassenlehrer Prof. Weber, später Stass. Knapp.

September 1933. Beamtenabbau. Prof. Weber kom. Direktor.

März 1934. Dr. Trieloff Direktor an unsrer Schule.

Untertertia 1934-1935.
Klassenlehrer Studienrat Dittmar.

Sommer 1934: Schulreformen: Staatsjugendtag, „Gleitender Stundenplan“.

7.-19. Dez. 1934. „Volk und Heimat.
1. Ausstellung.
2. Feierstunde. Ehrung Karl Humanns. Ansprache des Direktors der Berliner Staatl. Museen, Prof. Dr. von Massow.
3. Uraufführung: „Meier Helmbrecht“. Volkspiel nach Werner dem Gärtner von Karl Jakobs.

Februar 1935. „Bierzeitung“ und „Komplott“.

Obertertia 1935-1936.
Klassenlehrer Studienrat Dittmar.

21. Juli 1935. Schulfest. Fahnenweihe. Die Schule erhält offiziell den Namen: „Carl-Humann-Gymnasium“. Aufstellung einer Gedenktafel. – Sportl. Wettkämpfe. Abends Verteilung der Preise. „Kirmes auf dem Nottendöppelskamp“. August Böhmer.

Untersekunda 1936-1937.
Klassenlehrer Studienrat Linnenborn.

27. Juni 1936. Gründung des Komitees der „Bierzeitung“.

22. Juli 1936. Schulfest. „Der Roßdieb zu Fünsingen“.

19. Okt.-4. Nov. Nationalpolitischer Lehrgang in Zülpich.

November: Kartoffelschalensammlung für Schweine.

Februar 1937. Neue Schulreformen: Schuljahre

von 9 auf 8 herabgesetzt. Zwei Abiturientien auf einmal! Unser Gymnasium wird Oberschule.

23. März 1937. Autobusfahrt Mülheim – Duisburg – Xanten – Kalkar.

24. März. Zeugnis der mittleren Reife (Einjähriges). Kommers. Vorlesung der „Bierzeitung“.

Obersekunda 1937-1938.
Klassenlehrer Dr. Eggerath.

Trennung des sprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts nach neuen Richtlinien. Zwei Abteilungen.

13.-19. Juni. Grenzlandfahrt.
Aachen – Monschau – Eupen – Verviers – Lüttich – Malmedy – St. Vith.

21. Juli. Schulfest. Ausstellung „Volksgemeinschaft – Blutsgemeinschaft“.

Sommerferien: Nach 30 Jahren erhält die Schule den ersten Innenanstrich.

Oktober 1937. Fahrt nach Düsseldorf: „Schaffendes Volk“.

Februar 1938. Eggerath zum Kommiß nach Detmold.

Prima. 1938-1939.
Völlige Trennung der beiden Abteilungen.
Klassenlehrer der 8 a: Dr. Steinbrink.
Klassenlehrer der 8 b: Dr. Eggerath.

14. Mai 1938. Ratsherrensitzung in der Aula der Carl Humann-Schule aus Anlaß der Jahrtausendfeier. Eröffnung der großen Ausstellung im Gymnasium.

8. Juli: Fahrt nach Düsseldorf. „Entartete Kunst“.

21. Juli. Schulfest: „Blut und Liebe“.

Oktober: Fahrt der Klasse b nach München und ins Kaisergebirge.

Weihnachten 1938: Dr. Trieloff versetzt. Dr. Gail-

lard kom. Direktor.

1. Februar 1939. Unser neuer Chef Dr. Grutkamp.

16.-20. Jan. Schriftliche Reifeprüfung.

28. Februar. Turn-Prüfung.

16. März. Mündliche Reifeprüfung unter Vorsitz des Oberschulrates Dr. Dörner.

17. März. Abitur-Kommers.

25. März. Entlassungsfeier.

Carl Humann-Schule.
Oberschule für Jungen.
Essen-Steele.

Zeugnis der Reife.

Kranz, Johann Gisbert Hugo,
geboren den 9. Februar 1921 in Essen-Rüttenscheid, Kreis Essen, katholischer Konfession, war 8 Jahre auf der Oberschule für Jungen und zwar zwei Jahre in Klasse 7 und 8. – Er gehörte dem sprachlichen Zweig an.

Allgemeine Beurteilung des körperlichen, charakterlichen und geistigen Strebens und Gesamterfolges: Bei seiner Veranlagung und seinem geistigen Streben brachte er es zu entsprechenden geistigen Leistungen.

Die Leistungen waren in: (1. Für Leibeserziehung Punktwertung 1-9; geringste Wertung = 1) (2. Noten für die Fächer und die körperliche Lei-

stungsfähigkeit: sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend, mangelhaft, nicht genügend.)

I. Leibeserziehung.
Leichtathletik: 4. Turnen: 4.
Schwimmen: 4. Spiele: 4. Boxen: 3.
Körperl. Leistungsfähigkeit: befriedigend.

II. Deutschkunde.
Deutsch: befriedigend
Geschichte: befriedigend
Erdkunde: gut
Zeichnen: sehr gut
Musik: befriedigend

III. Naturwissenschaften und Mathematik.
Biologie: befriedigend
Chemie: ausreichend
Physik: befriedigend
Rechnen und Mathematik: befriedigend.

IV. Fremdsprachen
Griechisch: ausreichend

Latein: ausreichend
Französisch: ausreichend

V. Religionslehre: gut.

Er hat die Reifeprüfung bestanden. –

Der unterzeichnete Prüfungsleiter hat ihm nach Beratung mit den Mitgliedern des Prüfungsausschusses das Zeugnis der Reife zuerkannt. – Kranz will kath. Theologie studieren.

Essen-Steele, den 16. März 1939.

Staatlicher Prüfungsausschuß:

Siegel des Staatl. Kommissars.

Oberpräsident der Rheinprovinz.

Dr. Dörner, Prüfungsleiter.

Dr. Grutkamp, k. Oberstudiendir. als Anstaltsleiter.

Siegel der Schule.

Dr. Gaillard, Studienrat               Dr. Steinbrink
Pöppinghaus                                 Werner Kramer
Dittmar                                        Mahlberg
Spenrath                                       Kaps
Hochkirchen                                 Eggerath
Linnenborn                                   Becker

                                                     Hein

Beilage der Steeler Zeitung 1932.

„O, wär’ es doch...“

Schulfest des Gymnasiums.

Und was ein Elfjähriger dazu schreibt.

Das Gymnasium benutzte einen der vorgeschriebenen Wandertage, um ein Schulfest zu feiern. Am Vormittag fanden auf den Ruhrwiesen volkstümliche Wettkämpfe statt, an denen alle Schüler sich beteiligten. Sie bestanden für die unteren Klassen in Ballweitwurf, Weitsprung und 75-m-Lauf; für die mittleren und oberen Klassen in Kugelstoßen, Weit- bezw. Hochsprung und 100-m-Lauf. Die beste Durchschnittsleistung erzielte die Untersekunda mit 44 ¾ Punkten. Den Abschluß der Wettkämpfe am Vormittag bildete eine gemischte Staffel (Radfahrer, Läufer, Schwimmer und eine Rudermannschaft).

Nach der Mittagspause folgte ein Wettspiel zwischen einer Fußballmannschaft des Burggymnasiums und des Steeler Gymnasiums. Die Steelenser siegten mit 3:2. Gleichzeitig fand ein Werbespiel einer erst kürzlich gebildeten Hockeymannschaft gegen den Steeler Hockeyklub statt.

Am Nachmittag folgten im Stadtgarten musikalische Darbietungen, turnerische Vorführungen und ein Theaterstück.

Das Orchester spielte: 1. Händel: Conzerto grosso, Satz 4, für Streichorchester; 2. Schubert: 1. Satz der B-Symphonie für Orchester, Volkmann, Skizze für Streichorchester. Der Chor sang zwei Lieder von Mendelsohn: a) „O Täler weit...“, b) „Wer hat dich, du schöner Wald...“ und zwei weitere Chorlieder: a) Schneidercourage, b) Der Specht. – Eine Riege der Oberprima führte Sprünge über das hohe Pferd und Uebungen am Barren vor. Eine gemischte Mannschaft, bestehend aus Unterprimanern und Untersekundanern, führte Freiübungen in Form von Haltungsübungen nach Musik vor. Die Einstimmung zu dem Theaterstück gaben Sextaner, die Schelmenstreiche erzählten. Das Theaterstück „Die Zaubergeige“ sollte auf der Wiese des Stadtgartens aufgeführt werden; leider mußte die Vorführung wegen des Regens abgebrochen werden, so daß die zahlreich erschienenen Zaungäste, insbesondere die Kleinen unter ihnen, um ihren Genuß kamen. Die Aufführung im Saale bildete den Abschluß. Der Freude der Eltern über das Gebotene gab der Vorsitzende des Elternbeirats, Herr Rektor Cohen, Ausdruck.

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Der Bericht eines elfjährigen Schülers.

„Endlich haben wir mal ein Schulfest. Morgens versammeln wir uns auf der Ruhrwiese. Schnell ziehen wir uns um. Dann beginnen die Wettkämpfe. Wir laufen, springen und werfen. Darauf zeigen die Ruderer ihre Künste. Viele Schüler baden in der Ruhr. Schließlich gehen wir wieder nach Hause. – Nachdem wir uns das Essen haben gut schmecken lassen, gehen wir wieder zur Ruhrwiese. Hier spielen zwei Fußball- und Hockeymannschaften. Hurrah! Die Steeler siegen im Fußball. Nach den Spielen gehen wir zum Stadtgarten. Die O1 zeigt Uebungen am Pferd. Danach wird ein Theaterstück gespielt: „Die Zaubergeige“. Ein Herr hält zuerst eine kleine Rede. Nun wollen wir ein Theaterstück spielen. Alle sollen mal lachen! Hahaha! Die Personen – ee!! nichts! Wer et nicht weiß, der kann sich begraben lassen... – Am besten hat mir gefallen, wie der Richter, Schreiber und Dieb tanzten. Mitten im Stück fing es an zu „plästern“. Dat war nicht vörgeseh’n, dachte ich, und alle laufen in den Saal. Hier spielte das Orchester. Auch der Chor sang schöne Lieder. Die Sextaner führten Gedichte auf. Zuletzt wurde das „verplästerte“ Stück nochmal aufgeführt. Die höheren Klassen machten dann noch ein paar Uebungen vor. Der Direktor sagte die Punkte der Klassenn von den Wettkämpfen. Um 10 Uhr gingen wir müde nach Hause. – O wären doch immer so schöne Feste!!!“

Steeler
Bürgerschafts
Mitteilungen
1. Jahrgang        1. Juni 1948                 Nr. 2

Unsere geliebte Penne

Aus der Geschichte des Carl-Humann-Gymnasiums in Essen-Steele

Die Hertigerstraße, die am Carl-Humann-Gymnasium vorbeiführt, hat ihren Namen von dem Manne, der die Geburtsstunde unseres Gymnasiums bestimmt hat. Leo Hertiger ist kurz nach dem 30 jährigen Kriege Vikar in Steele gewesen.

Eine am 22.7.1697 von ihm unterschriebene Urkunde weist nach, daß er hier eine Lateinschule gegründet und die hierzu nötigen Gelder durch eine Stiftung aus eigenen Mitteln zur Verfügung gestellt hat. Diese Urkunde ist noch vorhanden und befindet sich im städt. Archiv in Essen. Er stiftete eine schola trivialis Latina, in welcher Söhne von kath. Eltern unentgeltlich Unterricht zur Vorbereitung auf die unteren und mittleren Klassen eines Gymnasiums erhalten sollten. Den Unterricht erteilte immer der Inhaber der Vicaria sancti Leonis, die von Leo Hertiger ebenfalls gestiftet wordenn ist. Diese „Lateinschule“ ist bis zum Jahre 1847 ununterbrochen durchgeführt worden. Die Zahl der Schüler kann höchstens zehn betragen haben; denn die Zahl der Einwohner von Steele betrug zwischen drei und vier Tausend.

Von 1849-54 ist wegen Mangels an Schülern kein Unterricht erteilt worden. Aber in der Bürgerschaft regte sich der Wunsch, eine Schule größeren Umfanges zu errichten, die im Jahre 1854 als Rektoratschule zustande kam. Auch diese neue Schule hatte wegen des häufigen Lehrerwechsels und der geringen Schülerzahl immer mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Die Schülerzahl wuchs erst ständig, als im Jahre 1868 der tatkräftige Rektor Tombach die Leitung übernahm. Sie stieg auf 54 im Jahre 1868, später, unter dem ersten weltlichen Rektor Zerwes (1884-98) auf 64. Aber auch das war noch keine richtige Schule. Man wollte eine höhere Schule haben, die auch mit der Erteilung von Berechtigungen ausgestattet war. Dieses Streben wurde unter dem Bürgermeister Farwick in die Tat umgesetzt und im Jahre 1898 die bis dahin kath. Rektoratschule in ein Progymnasium in Entwicklung umgewandelt. Sofort stieg die Schülerzahl auf 142 und nach kurzer Zeit auf 200. Die erste Prüfung zum Einjährig freiwillig. Militärdienst war Ostern 1899. Die 8 Prüflinge waren Graf, Gronow, Kondring, Schempershofe, Paul Steimer, Stoßberg, Tacke und Zur Nieden.

Am 8.5.1900 wurde die Umwandlung in ein Vollgymnasium beschlossen. Von da an bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges bewegte sich die Zahl der Schüler zwischen 300 und 350. Die erste Reifeprüfung war Ostern 1904 mit den 8 Prüflingen: Ludwig v. d. Grinten, Paul Block, Wilh. Gröne, Paul Haffner, Gustav Heimann, Hermann Runte, Karl Schnüttgen und Ernst Weiler. In allen Verhandlungen über die jeweilige Form der hiesigen höheren Schule wird immer auf die Hertiger Stiftung zurückgegriffen und deren Einkünfte werden zur Bestreitung der Kosten mit herangezogen. Seit der Inflation hat das aber wegen der Geringfügigkeit der Beträge aufgehört.

Die Leiter seit der Umwandlung in eine berechtigte Schule waren: Dr. Emil Genniges 1898-1901, Anton Wirtz 1901-28, Albert Reusch von 1928 bis 30.9.1933, der infolge der Intrigen zweier Kollegen und mehrerer Schüler unter dem nationalsozialistischen Regime gewaltsam abgesetzt wurde, Dr. Otto Trieloff von Ostern 1934 bis 4.1.1939, Dr. Hermann Grutkamp seit

1.2.1939. Als er am 24.9.39 zum Militärdienst eingezogen wurde, trat an seine Stelle Dr. Gaillard bis 1.6.1947. Der jetzige Leiter ist Dr. Albert Behler.

Wo war die Schule in den einzelnen Abschnitten der Entwicklung untergebracht? Es ist anzunehmen, daß die Schüler in der Wohnung des jeweiligen Inhabers der Stiftung zusammengekommen sind. Die Rektoratschule war in zwei Räumen der jetzigen Bäckerei Ruhrmann in der Alten Zeile untergebracht. Dieser beschränkte Raum veranlaßte die Stadtväter, mit der Verwaltung des Waisenhauses in Verbindung zu treten. Diese stellte am 1.9.1856 einen unbenutzten Flügel zur Verfügung.

Im Jahre 1871 tauchten die ersten Pläne für die Errichtung eines eigenen Gebäudes auf; aber erst 1874 wurde das neue Gebäude bezogen. Es ist das Haus in roten Ziegelsteinen Ecke Paß- und Westfalenstraße. Der Platz wurde für 7500 Rtlr. von dem Rentner Jos. Boismard erworben und das Gebäude nach den Plänen des Architekten Karl Pickel für 120000 Mark errichtet. Hier waren auch das Progymnasium und Gymnasium untergebracht, bis am 17.5.1904 das jetzige Gebäude bezogen wurde. Noch heute muß man den Stadtvätern danken, daß sie es wagten, ein solches Gebäude mit einem Kostenaufwand von 260000 Mark zu errichten.

In die stille und erste Tätigkeit des Gymnasiums haben die beiden Weltkriege wie überall mit rauher Hand eingegriffen. Im ersten Weltkrieg wurden aus dem Lehrerkollegium 10 Herren einberufen, von denen einer, Oberlehrer Funke, gefallen ist. Von den eingezogenen Schülern, deren Zahl nicht genau feststeht, sind 98 nicht heimgekehrt. Ihre Namen stehen in Erz gegossen auf der Ehrentafel im Untergeschoß des Gymnasiums. Im zweiten Weltkriege wurden 9 Lehrer eingezogen, von denen wieder einer, und zwar Studienrat Schweer, gefallen ist. Von den 303 eingezogenen Schülern sind, soweit wir wissen, 63 gefallen, mit den ehemaligen Schülern sind es 122. Einige Jahrgänge sind sehr hart mitgenommen. So sind z. B. von der math. Abteilung des Abiturientenjahrganges 1939 von 18 Schülern nur 6 zurückgekehrt. Viele Schüler sind noch in Gefangenschaft oder vermißt.

Der letzte Krieg hat uns auch die Kindersoldaten beschert.

Im Februar 1943 wurden die Schüler des Geburtenjahrganges 1927 als Luftwaffenhelfer zur Flak nach Ueberruhr eingezogen; am 12.1.1944 die Schüler der Obertertia vom Jahrgang 1928. Auch diese jüngsten wurden 1944 ins Heer gesteckt. Viele von ihnen gerieten in Gefangenschaft, einer von ihnen, Karl Rehmund, mit 15 Jahren; er ist vor kurzem aus Aegypten zurückgekehrt. Ein anderer, Lothar Grohs, ist am Achensee gefallen, kaum 16 Jahre alt. Ein Untertertianer, Felix Verbücheln, ist am Westwall mit 15 Jahren gestorben.

Im Krieg auf Wanderschaft.

Als die Luftangriffe auf unser Gebiet immer stärker wurden, kam die Kinderlandverschickung, KLV., auf. Unsere Schule ging, als alle Schulen von Essen geschlossen wurden, im April 1943 nach Lomnitz in Böhmen und im Oktober 1943 nach Galtür und Ischgl in Tirol. Alle Herren, soweit sie nicht die Luftwaffenhelfer unterrichteten, gingen mit.

Zum Glück hat unser schönes Gebäude nicht allzuviel gelitten. Als daher im August 1945 die Hoffnung bestand, daß der Schulbetrieb bald wieder eröffnet würde, haben Lehrer und Schüler in wochenlanger harter Arbeit ohne jede fachliche Hilfe das Gebäude wieder notdürftig hergerichtet, so daß am 5. November 1945 die Schule wieder eröffnet werden konnte. Ueber 500 Schüler waren aus allen Teilen Deutschlands zu ihrer geliebten Penne zurückgekehrt.

Aber die Zahl stieg immer noch an, sodaß wir Ostern 1947 fast 700 Schüler hatten und das in einem Gebäude, welches für 300-350 Schüler gebaut ist. Besonders groß war die Zahl der Kursusteilnehmer, d. h. der Schüler, die als Kriegsteilnehmer in 6 bzw. 12 Monaten zur Reifeprüfung gebracht werden mußten. Anfang Mai 1946 legten 45 Kursusteilnehmer die Reifeprüfung ab, 1947 37. Die Zahl der Abiturienten von 1904-1947 beträgt 711. Augenblicklich besuchen unsere Penne 675 Schüler in 20 Klassen.

In unserem Gebäude ist auch noch die Humboldtschule mit 618 Schülern in 19 Klassen untergebracht, sodaß täglich ungefähr 1300 Schüler in wechselndem Vor- und Nachmittagsunterricht betreut werden. Die hierbei zu überwindenden Schwierigkeiten sind sehr groß.

Das ist ein kurzer Ueberblick über die Geschichte unseres Gymnasiums. Ich hoffe, allen unseren Freunden, besonders aber den früheren Schülern hiermit eine kleine Freude gemacht zu haben, wie ich es im Kriege mit den Rundbriefen der Schule getan habe.

Dr. F. Gaillard