Gisbert Kranz: Fahrten 3 (1937)
Ludwigsburg
Am andern Tag war Sonntag. Wir gingen des Morgens in die Kirche. Hier wurde ein Hirtenbrief des Bischofs von Rottenburg verlesen. Vor einem Jahr wurde in Württemberg die Gemeinschaftsschule eingeführt. Man sagte, mit dem Religionsunterricht bleibe alles beim Alten. Jetzt waren über 200 Religionslehrer entlassen worden. Die Geistlichen mußten einen Eid schwören, daß sie in ihrem Unterrichte nichts gegen den Staat unternähmen usw. Mancherorts wurden von den Beamten, die den Eid abzunehmen hatten, an die Geistlichen Forderungen gestellt, die sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnten, sodaß sie den Eid verweigerten. So wurde gesagt, sie müßten den Unterricht in nationalsozialistischer Weltanschauung erteilen usw. Die sich weigernden Religionslehrer wurden entlassen. Dazu sagte der Bischof von Rottenburg, der Staat habe wohl das Aufsichtsrecht über den Religionsunterricht, aber was gelehrt wird, bestimme
die Kirche und nicht der Staat. Nach dem Konkordat bleibt die kirchliche Lehre unangetastet. Sodann beschäftigte sich der Bischof mit den Folgen, die die Entlassung der Geistlichen nach sich ziehen. Er wandte sich an die Eltern mit der Bitte, ihre Kinder in religiöser Hinsicht mehr denn je zu betreuen. –
Nachdem wir gefrühstückt hatten, sahen wir uns die Garnisonkirche und das Schloß an. Dann fuhren wir weiter nach Stuttgart, der Hauptstadt Württembergs. Hinter Stuttgart mußten wir einen hohen Berg raufschieben. Von hier oben hatten wir einen herrlichen Blick auf die weitausgedehnte Gartenstadt mit ihren roten Dächern, zwischen grünen Hügeln gebettet. – Hinter Stuttgart versuchten wir, bei einem Pfarrer Mittag zu essen. Doch bis Tübingen ist alles Diaspora, sodaß wir keinen antrafen. Wir bestellten uns wieder in einem Restaurant Tagessuppe. Dann fuhren wir weiter nach Tübingen. Hier „leisteten“ wir uns einen guten Sonn-
tagsnachmittagskaffee mit süßen Teilchen. Dann sahen wir uns Tübingen an. Schließlich fuhren wir weiter nach Hechingen. Schon kurz hinter Tübingen bemerkten wir in der Ferne den Hohenzollern. Vor uns dehnte sich die Schwäbische Alb mit ihren vielen Zeugenbergen aus. Die Landschaft ist herrlich. –
Wir kamen dem Hohenzollern immer näher. Bald waren wir in Hechingen, einem kleinen, alten Städtchen mit vielen malerischen Winkeln, das am Fuße des berühmten Berges liegt. Wir wandten uns an den Kaplan der Jungmänner, einem prächtigen jungen Herrn, wegen des Nachtquartiers. In Hechingen ist nämlich keine Jugendherberge. Er ging mit uns auf die Straße und spazierte mit uns auf und ab, um auf einen andern Herrn zu warten. Währenddessen fragte er uns nach unsrer Fahrtroute, nach der Essener Jugend, usw. Ab und zu kam ein kleines Mädchen, gab dem Herrn Kaplan die
Hand, knikste und sagte: „Gelobt sei Jesus Christus.“ Worauf der Kaplan antwortete: „So! In Ewigkeit!“ – Die Stadt war sehr geflaggt und alles war mit Grün, Girlanden und Lampions geschmückt. Ich fragte, aus welchem Anlaß das sei. Da erzählte uns der Kaplan, hier sei heute ein Kinderfest, nach der Stifterin Irma West benannt. Diese ist eine Auslandsdeutsche und stiftete der Stadt Hechingen dieses Fest, das alljährlich mit großer Aufmachung gefeiert wird. Am Abend sei noch ein Festzug und großer Zapfenstreich. – Uns begegneten zwei Jungmänner, denen uns der Präses vorstellte. Sie wollten uns aufnehmen für die Nacht. Es waren feine Kerle. Der Kaplan wies sie an, uns im Schwesternhaus Essen zu besorgen. Er wußte nämlich, daß wir noch nichts gegessen hatten. Gleich bei unsrer Ankunft hatte er danach gefragt. Da sagte er, er wollte uns Quartier und Essen besorgen. Was es kostete, wollte er bezahlen. –
kurz und gut, wir gingen mit unsren Gastgebern, der eine hieß Eduard, der andre Eugen, zu den Vinzentinerinnen und wir bekamen zuerst Suppe, dann Kaffe mit Brot, Butter und Marmelade. Nachdem wir uns es schmecken gelassen hatten, ging ich mit Eduard in dessen Wohnung, Ferdi mit Eugen. Als wir unsere Sachen hier abgelegt hatten, gingen wir mit unsren Gastgebern wieder zum Herrn Präses und warteten dann auf den Festzug. Wir wurden noch einigen andren Jungmännern vorgestellt, die auch da waren. – Es war schon dunkel geworden. An den Fenstern der Häuser flammten die Lampions auf, die alles in rotes Licht tauchten. Vor dem Rathaus war ein Podium aufgestellt. Überall wehten Fahnen. Die Feuerwehr sperrte mit der Polizei die Straße ab; Stricke wurden gespannt, die die wartende Menschenmenge zurückhielten. Endlich kam der Zug. Voran eine Kapelle, dann eine Abteilung Jungen,
alle in Feuerwehruniform. Es folgten der „Fürst“ und die „Prinzessin“, gefolgt von vielen „Rittern“ und „Edelfräuleins“. die Kinder waren alle in prächtigen Kostümen. Den Schluß des Zuges bildeten eine große Schar von Kindern, die Fackeln in den Händen trugen. Als der Zug am Rathaus angelangt war, gruppierten sich die Kinder und die Kapelle auf dem Podium, das im Scheinwerferlicht erstrahlte. Eine Unmenge von Menschen umsäumten den Platz. Wir standen ganz vorne, sodaß wir alles gut sehen konnten. Es wurden ein paar Chöre gesungen, abwechselnd mit Musikstücken der Kapelle. Gegen Ende wurde ein Spruch verlesen und das Lied: „Guten Abend, gute Nacht“ gesungen. Abgeschlossen wurde die Feier durch das Deutschland- und Horst Wessel-Lied. Dann trat der Fürst vor und sprach mit heller Stimme (Alles wurde durch Radio auf den weiten Platz übertragen): „Ich verkündige euch
eine große Freude: Morgen hat die ganze Volksschule Schulfrei und die Sexta und Quinta des Gymnasiums und der Realschule haben die beiden ersten Stunden frei!“ Lauter Jubel; nur einer von den Jungmännern, ein Obersekundaner, sagte: „Wir haben nichts davon! Uns haben sie kein Frei gegeben!“ – Nachher kamen noch ein anderere Kaplan und der Herr Kooperator zu uns, mit denen wir zusammen noch einen schönen „Mondscheinspazierung“ machten, wobei wir abwechselnd sangen und erzählten. – Es war schon spät, als wir uns zu Bett legten, mit dem Bewußtsein, einen schönen Tag vollbracht zu haben.
Am andern Morgen tranken Ferdi und ich zusammen bei Eduard Kaffee. Nachdem wir uns bedankt und verabschiedet hatten, verließen wir Hechingen und fuhren nach Gammertingen. Wir hatten wieder gutes Wetter. In Sigmaringen aßen wir für 60 Pf. in der Her-
berge, wo Vinzentinerinnen waren. Wir bekamen: Suppe mit Brot, Kartoffeln und Sose, Gemüse, Fleisch und Salat. In Pfullendorf rasteten wir auch. – Die Kilometerschilder waren hier in der Gegend, wie auch woanders auf unsrer Fahrt, total verdreht; die Kilometerangaben waren voneinander oft um 5 km verschieden. Trotz des Ärgers darüber kamen wir am Abend wohlbehalten in Meersburg an, am Bodensee, dem Endziel unsrer Reise. Leider haben wir uns Meersburg wenig angesehn, sondern fuhren mit der Fähre sofort nach Konstanz über. Wir hatten einen prächtigen Sonnenuntergang. Leider war das Wetter nicht ganz klar, doch konnten wir die Säntisgruppe und die Allgäuer Alpen einigermaßen gut erkennen. – Die Herberge in Konstanz liegt etwas außerhalb der Stadt und befindet sich in einem Turm, der sich 100 m über den Spiegel des Bodensees erhebt. Die Herberge war schon voll, doch konnten wir auf Notlagern schlafen. Es wimmelte, wie in allen an-
[..Rest fehlt!..]
Die Ausgaben auf der Fahrt.
Ich hatte 15,00 Mark mitgenommen, dazu noch 7,18 M für besondere, unvorhergesehene Zwischenfälle (große Panne, Unfall, Telegrafieren usw.). Ich bezahlte immer alles zusammen, zählte am Ende des Tages die Ausgaben zusammen, dividierte das Ergebnis durch zwei und Ferdi gab mir dann das Geld zurück. So war’s am einfachsten. Hier schreibe ich genau alles auf, was wir zusammen ausgegeben haben, damit man sieht, wofür und wieviel man auf Fahrt ausgibt. Man kann natürlich auf Fahrt viel billiger leben. Im Sommer 1936 habe ich auf der Fahrt zur Nordsee durchschnittlich 0,80 M ausgegeben. Das kam, weil wir viel mehr Proviant von Haus aus mitgenommen hatten und fast nur von Brot lebten. Auf meiner Eifelfahrt Pfingsten 1936 habe ich nur 0,74 M pro Tag ausgegeben. Das kam daher, weil wir zu fünfen waren. Da lebt’s sich natürlich billiger, als wenn man zu zweit fährt. Da-
bei haben wir garnicht „krummgelegen“, sondern uns noch manchmal süße Teilchen etc. geleistet. Man kann also sagen, daß man im allgemeinen auf Fahrt mit 0,50 M auskommt, wenn man sich selbst verpflegt und auf entbehrliche Genußmittel verzichtet. Wenn man natürlich fechtet, wird’s noch billiger. – Auf dieser Fahrt haben wir pro Tag (jeder für sich) durchschnittlich 1,25 M ausgegeben, d. h.: 50 % für Lebensmittel, 15 % für Genußmittel, 10 % für Schlafgeld und 25 % für sonstige Ausgaben.
Erster Tag, 21VII. 22,18 M
Flasche Wasser 0,35
Rolle Pfefferminz 0,10
Brückengeld 0,12
Herbergsgeld 0,60
Aufbewahrungsgeld 0,10
Ausgaben zusammen: 1,27 M
Ausgaben für mich: 0,64 M
Zweiter Tag, 22.VII. 21,54 M
2 Tassen Kaffee 0,20
Brückengeld 0,12
Milch 0,30
Brot 0,60
Sprudel 0,25
2 Glas Wein 0,30
Schlafgeld 0,60
Ausgaben zusammen: 2,37 M
Ausgaben für mich: 1,18 M
Dritter Tag, 23.VII. 20,36 M
1 Pfd. Äpfel 0,32
1 Pfd. Johannisbeeren 0,20
4 Teller Suppe 0,60
Gebäck 0,30
Schlafgeld, Suppe m. Brot, Frühst. 1,00
Ausgaben zusammen: 2,42 M
Ausgaben für mich: 1,21 M
Vierter Tag, 24.VII. 19,15 M
Kleine Dose Nivea 0,24
½ l Milch 0,12
Brot 0,38
Vierfruchtmarmelade 0,32
Tee 0,30
Ausgaben zusammen: 1,36 M
Ausgaben für mich: 0,68 M
Fünfter Tag, 25.VII. 18,47 M
Schlafgeld 0,60
Kaffee 0,30
4 Teller Suppe m. Brot 0,90
Gebäck m. Wasser 1,00
2 Hörnchen Eis 0,20
Brot 0,32
Ausgaben zusammen: 3,32 M
Ausgaben für mich: 1,66 M
Sechster Tag, 26.VII. 16,81 M
Sprudel 0,25 M
1 Rollfilm 1,00
Mittagessen 1,20
2 Glas Milch 0,20
2 Tassen Kaffee 0,20
Brötchen 0,40
Käse 0,10
Fähre (Meersburg – Konstanz) 1,00
Ausgaben zusammen: 4,35
Ausgaben einzeln: 2,18 M
Siebter Tag, 27.VII. 14,63 M
Schlafgeld 0,60
Brot, Marmelade, Milch 0,68
Brot 0,28
Schlafgeld 0,60
Ausgaben zusammen 2,16 M
Ausgaben für mich: 1,08 M
Achter Tag, 28,VII. 13,40 M
Brot und Kaffee 0,90
Brot und Marmelade 0,88
Suppe 0,10
Fotos 0,30
Milch 0,30
Ausgaben zusammen: 2,48 M
Ausgaben für mich: 1,24 M
Neunter Tag, 29.VII. 12,16 M
Minus in der Kasse 0,32
Brot 0,54
Ausgaben zusammen: 0,54 M
Ausgaben für mich: 0,27 M
Dazu das Minus der Kasse 0,59 M
Zehnter Tag, 30.VII. 11,57 M
Fotos 0,20
Tomaten 0,13
Fotos 0,20
Salmiakpastillen 0,10
Ausgaben zusammen: 0,63 M
Ausgaben für mich: 0,32 M
Elfter Tag, 31.VII. 11,25 M
(Von heute an bezahlte jeder für sich.)
Wasser 0,10
Brötchen 0,20
Fotos 0,40
Postkarten 0,10
Gebäck 0,20
Badegeld 0,10
Foto 0,12
Käse 0,10
Brot 0,14
Kartoffeln 0,20
Schlafgeld 0,30
Kaffee 0,15
Ausgaben für mich: 2,11 M
Zwölfter Tag, 1.VIII. 9,14 M
Neuer Schlauch 1,00
Teilchen 0,15
Mittagessen 0,30
Gebäck 0,40
Kakau 0,25
Eis 0,30
Ausgaben für mich: 2,40 M
Dreizehnter Tag, 2.VIII. 6,74 M
Bonbons 0,19
Gebäck 0,45
Wasser 0,10
Ausgaben für mich: 0,74 M.
Gesamtausgaben: 16,18 M.
Mitgenommen: 22,18 M.
Rest: 6,00 M.
Fahrtübersicht.
Erster Tag, den 21. Juli. Mittwoch.
Fahrtroute: Essen-Steele – Werden – Kettwig – Krummenweg – Ratingen – Düsseldorf – Benrath – Opladen – Leverkusen – Köln – Bonn – Beuel.
Kilometer: 110 km; Fahrtdauer: 8 Stunden.
Ausgaben 0,64 M.
Wetter: gut (sonnig, heiß).
Zweiter Tag, den 22. Juli. Donnerstag.
Fahrtroute: Beuel – Bonn – Godesberg – Mehlem –
Remagen – Sinzig – Nieder-Breisig – Brohl – Andernach – Koblenz – Rhens – Boppard – (Bacharach) – Salzig – St. Goar – Oberwesel – Bacharach – Nieder-Heimbach – Bingerbrück – Bingen.
Kilometer: 120 km; Fahrtdauer: 10 Stunden.
Ausgaben: 1,18 M (neue Verpflegung).
Wetter: gut (mäßig warm, sonnig, windig).
Dritter Tag, den 23. Juli. Freitag.
Fahrtroute: Bingen – Kempten – Nieder-Ingelheim – Finthen – Mainz – Kastel – Bischofsheim – Gr. Geran – Darmstadt – Bensheim – Heppenheim – Weinheim – Heidelberg.
Kilometer: 116 km; Fahrtdauer: 9 Stunden.
Ausgaben: 1,21 M.
Wetter: gutes Fahrtenwetter (nicht zu heiß und nicht zu kalt, mäßig windig, z. T. Sonne.
Vierter Tag, den 24. Juli. Samstag.
Fahrtroute: Heidelberg – Neckargemünd – Eberbach – Neckarels – Nekarsulm – Heilbronn –
Lauffen – Ludwigsburg.
Kilometer: 134 km; Fahrtdauer: 9 Std.
Ausgaben: 0,68 M.
Wetter: sehr gut (sonnig, warm, mäßiger Wind, abends bewölkt).
Fünfter Tag, den 25.VII. Sonntag.
Fahrtroute: Ludwigsburg – Stuttgart – Dettenhausen – Tübingen – Hechingen.
Kilometer: 80 km; Fahrtdauer: 6 Stunden.
Ausgaben: 1,66 M.
Wetter: sehr gut (mäßig warm, sonnig, leicht bewölkt).
Sechster Tag, den 26.VII. Montag.
Fahrtroute: Hechingen – Gammertingen – Sigmaringen – Krauschenwies – Pfullendorf – Meersburg – Konstanz.
Kilometer: ungef. 100 km; Fahrtdauer: 8 Std.
Ausgaben: 2,18 M.
Wetter: gut (sonnig, etwas kühler).
Siebter Tag, den 27.VII. Dienstag.
Fahrtroute: Konstanz – Radolfzell – Singen – Tengen – Donaueschingen.
Kilometer: ungef. 90 km; Fahrtdauer: 6 Stunden.
Ausgaben: 1,23 M.
Wetter: sehr gut (sonnig, warm).
Achter Tag, den 28. Juli. Mittwoch.
Fahrtroute: Donaueschingen – Neustadt – Titisee – Kirkzarten – Freiburg – Emendingen – Ettenheim – Lahr.
Kilometer: 117 km; Fahrtdauer: 8 Stunden.
Ausgaben: 1,24 M.
Wetter: genügend (vorm.: kalt (Hochschwarzwald!), nebelig; nachm.: sonnig, mäßig warm).
Neunter Tag, den 29. Juli. Donnerstag.
Fahrtroute: Lahr – Offenburg – Appenweiler – Oos – Rastatt – Karlsruhe – Wörth a. Rh.
Kilometer: 116 km; Fahrtdauer: 7 Stunden.
Ausgaben: 0,59 M.
Wetter: gut (sonnig, mäßige Temperatur, aber unklare Sicht.).
Zehnter Tag, den 30. Juli. Freitag.
Fahrtroute: Wörth – Germersheim – Speyer – Ludwigshafen – Oggersheim – Frankenheim – Worms – Oppenheim – Nierstein.
Kilometer: 100 km; Fahrtdauer: 8 Stunden.
Ausgaben: 0,32 M.
Wetter: gut (sonnig, mittlere Temperatur).
Elfter Tag, den 31. Juli. Samstag.
Fahrtroute: Nierstein – Mainz – Kastel – Biebrich – Wiesbaden – Bad Schwalbach – Michelbach – Zollhaus – Diez – Limburg.
Kilometer: 83 km; Fahrtdauer: 6 Stunden.
Ausgaben: 2,11 M.
Wetter: sehr gut (sonnig, mäßig warm).
Zwölfter Tag, den 1. August. Sonntag.
Fahrtroute: Limburg – Hahn – Altenkirchen – Siegburg.
Kilometer: 85 km; Fahrtdauer: 6 Stunden.
Ausgaben: 2,40 M.
Wetter: sehr gut (sonnig, warm, windig).
Dreizehnter Tag, den 2. August. Montag.
Fahrtroute: Siegburg – Troisdorf – Urbach – Wahn – Köln-Mülheim – Leverkusen – Obladen – Leichlingen – Solingen – Vohwinkel – Wülfrath – Neviges – Langenberg – Kupferdreh – Steele.
Kilometer: 100 km; Fahrtdauer: 7 Stunden.
Ausgaben: 0,74 M.
Wetter: gut (sonnig, nachm. leichte Regenschauer.) –
Auf der ganzen Fahrt sind wir 1350 km gefahren, das sind ungefähr 104 pro Tag durchschnittlich. Jeden Tag sind wir im Durchschnitt 7 ½ Stunden gefahren, d. h. in einer Stunde fuhren wir 14 km. – Ausgegeben haben wir auf der ganzen Fahrt 16, 18 M, das ist pro Tag 1,25 M im Durchschnitt. – Wir hatten auf der ganzen Fahrt durchweg gutes Wetter. Es hat kein einziges Mal geregnet, nur in Kupferdreh, als wir nach Hause fuhren (letzter Tag).
Das Hegau.
An einem strahlenden Ferientag – es war der 27. Juli 1937 – fuhren wir durch das schöne Hegau, von Konstanz über Radolfszell kommend nach Singen am Hohentwiel. Schon von weitem sieht man die Kuppe des Hohentwiel, dem Berg, auf dem sich die größte Burgruine Deutschlands erhebt und auf dem der Dichter Viktor von Scheffel seinen historischen Roman „Ekkehard“ spielen läßt. Im Anfang seines Buches (I. Band, 1. Kapitel) lesen wir über das Hegau folgendes geschrieben:
„Es ist ein schönes Stück deutscher Erde, was dort zwischen Schwarzwald und dem schwäbischen Meer sich auftut. Wer’s mit einem falschen Gleichnis nicht allzu genau nimmt, mag sich der Worte des Dichters erinnern:
Das Land der Allemannen
mit seiner Berge Schnee,
Mit seinem blauen Auge,
dem klaren Bodensee:
Mit seinen gelben Haaren,
dem Ährenschmuck der Auen,
Recht wie ein deutsches Antlitz
ist solches Land zu schauen.
- wiewohl die Fortführung dieses Bildes Veranlassung geben könnte, die Hegauer Berge als die Nasen in diesem Antlitz zu preisen. –
Düster ragt die Kuppe des hohen Twiel mit ihren Klingsteinzacken in die Lüfte. Als Denkstein stürmischer Vorgeschichte unserer alten Mutter Erde stehen jene schroffen malerischen Bergkegel in der Niederung, die einst gleich dem jetzigen Becken des Sees von wogender Flut überströmt war. Für Fische und Wassermöven mag’s ein denkwürdiger Tag gewesen sein, da es
in den Tiefen brauste und zischte, und die basaltischen Massen glühend durch der Erdrinde Spalten sich ihren Weg über die Wasserspiegel bahnten. Aber das ist schon lang her. Es ist Gras gewachsen über die Leiden derer, die bei jener Umwälzung mitleidsvoll vernichtet wurden; nur die Berge stehen noch immer, ohne Zusammenhang mit ihren Nachbarn, einsam und trotzig wie alle, die mit feurigem Kern im Herzen die Schranken des Vorhandenen durchbrechen, und ihr Gestein klingt, als säße noch ein Gedächtnis an die fröhliche Jugendzeit drin, da sie zuerst der Pracht der Schöpfung entgegen gejubelt.“