Tagebuch von Karl-Heinz Kranz (11. August 1942 - 25. April 1943)

Tagebuch von
Karl Heinz Kranz

Gloria Dei

 

 

11. August 1942

Nun habe ich mich doch entschlossen, Tagebuch zu führen.

Zu Anfang will ich einen kurzen Lagebericht geben. Der Tag wird zum großen Teil von der Berufsarbeit ausgefüllt. Obwohl mich diese sehr interessiert – ich bin mit meiner Berufswahl wirklich zufrieden -, ist sie unter den Kriegsverhältnissen manchmal alles andere als liebenswert. Doch ich will nicht klagen; der Krieg fordert von uns allen Opfer, und dabei habe ich nur sehr wenig zu tragen. Ein Blick auf die Soldaten, die auf alles verzichten müssen und alles entbehren, läßt die geringen Opfer der Heimat vergessen. – Außerhalb des Berufes wird ein großer Teil meiner Freizeit von der Jugendarbeit in Anspruch genommen. Es ist mir eine wichtige Aufgabe zu helfen, daß das Reich Gottes auch in der Jugend

wachse. Die übrige Freizeit verwende ich zur persönlichen Weiterbildung, zu notwendigen und angenehmen Dingen. Schon lange kenne ich in meiner Freizeit keine Langeweile mehr. – Mein ganzes Streben möchte ich – direkt oder indirekt – auf den richten, der unser aller Ursprung und Urgrund ist. Herr, laß mich wachsen auf Dich hin! – Gestern abend fuhr mein Bruder Gisbert wieder nach Danzig. Sein Urlaub war schnell um. Wer weiß, wann wir uns das nächste Mal sehen? Ich rechne damit, in zwei Monaten eingezogen zu werden.

Die Gruppenarbeit bekommt nun wieder Auftrieb. Philipp hat etwas „Wind“ gemacht; hoffentlich hat die Flaute nun endgültig in Steele aufgehört. Jungens sollen leben und nicht schlafen.

 

 

12. August 1942

Nun wollen wir
den Anfang machen.
Nun helf’ uns Gott,
dann geht’s uns
allzeit wohl. Amen.

14. August

Gerade komme ich vom Heimabend zurück. 16 Mann waren da, lebendig genug, auch einem „alten Fuhrknecht“ es nicht leicht zu machen, Ordnung zu halten. Ich freue mich immer, wenn ein Kerl ’mal ein wenig auftaut. Hoffentlich gelingt es mir, eine Kernschar zu bauen, auf die man sich immer verlassen kann.

Heute bekam ich Nachricht über meine Prüfung. In 14 Tagen steigt die Schriftliche. Ich fühle mich stark genug.

16. August

Heute war Dr. Frotz wieder in Essen und hielt den Junghelferkreis. 110 Jungen hatten sich zusammengefunden. Er sprach davon, daß wir mitten im Leben stehen müßten, und daß wir uns doch nicht zu Massenmenschen entwickeln dürften. Je höher wir in der Achtung unserer Mitmenschen stünden, desto mehr würde Christus geehrt. Er sagte weiter, daß wir aus dem „Du sollst“ der Gebote durch Ergründen des „Warum“ ein „Ich will“ machen müssten. Klares Erkennen, Scheiden und Entscheiden ist notwendig.

„Das ist das Größte, aus der Uniform das Gesicht zu retten.“ (Ernst Wiechert)

19. August

„Herr, gib uns den Glauben, so steil wie die Berge, die trotz aller Stürme so standhaft bestehen;

 

 

o gib uns die Hoffnung, so steil wie die Dome, die herrlich zum Himmel sich heben empor; o gib uns die Liebe, so tief wie die Meere, die sammeln und strömen und niemals vergehn. Laß uns die Herrlichkeit Gottes erkennen in allem, was lebt und was liebt in der Welt, in allem, was leidet in schmerzlicher Prüfung, daß uns die Hoffnung auf dich nicht verläßt. Nichts wird uns ängstigen, nichts uns verzagen, mag auch das Leid und der Tod uns umgeben, denn deine Liebe ist unser Sieg.“

23. August.

Heute war ich mit Hans Eyting auf Fahrt. Wir fuhren am Morgen bis Bottrop und marschierten von dort nach Kirchhellen. Als wir auf der Landstraße nach Holthausen getippelt waren, suchten wir im Ort den Bauern, bei dem Heinz Hölter

arbeitete. Darüber kamen wir nach Kirchhellen und fanden in einer abgelegenen Ecke den Hof, nachdem wir schon fast eine Stunde gesucht hatten. Zu unserem Erstaunen trafen wir 3 Kerle aus dem „Königreich Rott“ und Heinz H. an, von dem wir glaubten, er sei in Steele. Nachdem wir nun Mittagsrast gehalten hatten, wanderten wir zusammen durch die Haide. Es war seltsam, wie schnell man von der Stadt aus in der Haide war. Über sandige Wege spazierend erzählten wir uns dies und jenes. Wir kamen an einer groß angelegten Flakstellung vorbei. Um ½ 4 Uhr trennten wir uns von den anderen und gingen durch die Haide nach Bottrop. Das Wetter war besser, als wir es erwartet hatten. Erst, als wir zu Hause anlangten, begann es zu regnen.

 

 

27. August.

Heute war ein wichtiger Tag für mich. Den schriftlichen Teil der Handlungsgehilfenprüfung habe ich nun hinter mir. Fast 5 Stunden schwitzten wir über den Prüfungsarbeiten. Wir mußten drei Arbeiten anfertigen: Rechnen, Buchführung und Schriftverkehr kombiniert mit Handelskunde. Die Aufgaben waren nicht allzu schwer, und die Zeit war reichlich bemessen. Trotzdem dampften wir, zumal die Temperatur gegen Mittag fast 30° erreichte. Jedenfalls habe ich daß schon ’mal überstanden. In einigen Wochen kommt die Hauptsache, nämlich die mündliche Prüfung. Na ja, es wird schon klappen!

Heute schrieb mir Hans A. aus dem Osten. Es ist erbärmlich, wie die Kerle dort stumpf und stur werden. Es muß furchtbar schwer sein,

sich dagegen zu wehren.

Erich B. hat 3 Wochen Urlaub, nachdem er 1 ½ Jahre nicht mehr zu Hause war. Er bemüht sich sehr um unsere Arbeit. Vor allem liegt ihm die Führerschulung am Herzen.

30. August

In meinem Wechselrahmen hängt jetzt dieser Spruch:

Am meinem Platz soll keiner besser gestanden sein.

Ein Unbekannter schrieb es in sein Tagebuch, einer, der sein Leben gab für Deutschland. Was muß das ein Kerl gewesen sein, der solch einen Satz aufschrieb! Welch ungeheure Forderung liegt darin! Ich glaube nicht, daß ich jemals diesen Satz aussprechen kann von mir. Aber mühen will ich mich darum, ehrlich kämpfen –

 

 

2. September

Heute war die Jugendpredigt. Die Münsterkirche war wie immer brechend voll. Die Predigt hatte als Thema: Demut. Mitten darin kam Fliegeralarm. Die Kirche mußte geräumt werden. 21.20 Uhr kam die Entwarnung und alles strömte aus den Kellern nach Hause.

Heute hatte ich Gelegenheit mit Erich einige praktische Dinge der Gruppenarbeit zu besprechen. Gestern hielt er die Führerrunde, in der er neben den praktischen Dingen auch einen Umriß unserer Aufgabe ganz allgemein gab.

6. September

Gestern war die erste Dekanatsrunde für die 14 Jährigen. Dieser Kreis soll regelmäßig neben der Dekanatsrunde der Älteren laufen.

Heute morgen hatte ich Franz Josef, Herbert und

Otto auf der Bude. Die Trennung der Gruppe ist nun durchgeführt.

Am Freitag waren 18 Mann im Heimabend. Trotz der großen Anzahl war es während des Führerwortes still, was bei dem Thema (Reinheit) nicht verwunderlich ist.

Am Samstag war ich beichten. Ich habe „persönlich“ gebeichtet. Ein erfreulicher Fortschritt.

10. September

Am Dienstag waren zum ersten eigenen Heimabend der Schulentlassenen drei Mann erschienen. Aller Anfang ist schwer...

Gestern abend arbeiteten wir beim Velten in dem Buch: „Zucht und Maß“ von Pieper weiter. Es wird eine fruchtbringende Arbeit.

13. September

Freitag war Huth im Heimabend! In der Dekanats-

 

 

runde erschienen nicht viel; dafür war der Arbeitsstoff umso interessanter. Wir übten uns nachher im Vorlesen.

Heute morgen hatten wir Führerrunde bei mir. Ich freue mich über die Lebendigkeit der Jungen. Mit ihnen wird das Werk gelingen.

Heute nachmittag war ich lange bei Frau [...]. Wir sprachen, wie schon oft, wieder über Hans. Die Frau macht sich große Sorge um den Jungen, da sie ihm trotz aller Liebe nicht helfen kann. Hans ist sehr verschlossen und läßt niemand sein Innenleben erkennen. Frau E. schenkt mir großes Vertrauen, obwohl ich noch so jung bin.

15. September

Gestern abend hielt Herbert den Heimabend. Es klappte gut, angefangen vom pünktlichen Beginn bis zum tonus rectus beim Gebet. Es

waren 8 Jungen da.

Nachher blieb ich noch etwas mit Hans E. zusammen. Wir sahen uns vielleicht das letzte Mal für lange Zeit. Zum Abschluß unserer Unterhaltung rangen wir 5 Runden miteinander. Ich verlor jede nach kurzer Zeit. Hans ist auch 35 Pfund schwerer als ich.

17. September.

Gestern erhielt ich vom Chef eine freudige Nachricht: Ich habe in der schriftlichen Prüfung die beste Arbeit gemacht. Es besteht die Aussicht auf „erfolgreiches“ Bestehen der Handlungsgehilfenpr. Gestern abend hielt Dotz einen Einführungsabend für unsere Wallfahrt nach Altenberg. Wir lernten zwei neue Michaellieder.

20. September.

Noch 10 Tage bin ich Lehrling. Es ist ein selt-

 

 

sames Gefühl; praktisch ändert sich meine Stellung im Kotten dadurch nicht. 2 ½ Jahre bin ich nun Lehrling, stehe 2 ½ Jahre im praktischen Leben. Wie schnell war diese Zeit herum. Ich erinnere mich noch gut, wie ich von der Handelsschule ging. Es war mir ganz komisch zu Mute. 10 Jahre hatte ich auf der Schulbank gesessen, und nun sollte es nicht mehr so sein. Etwas ganz Neues begann. Einerseits war ich voll banger Erwartung, was nun kommen würde, andererseits freute ich mich, nun endlich in meinen Beruf zu kommen. Mit gemischten Gefühlen ging ich nun zum ersten Male zum Geschäft. Ich weiß noch gut, wie man mich in die Packkammer führte, und der alte Kremmeskötter mir zeigte, wie man eine Kiste öffnet und wieder zunagelt. – Und nun stehe ich wieder vor neuem Beginn.

Diesmal ist es ein gewaltiger Umbruch, denn nun stehe ich vor der eigenen Bewährung. Beim Kommiß hilft mir niemand mehr, da muß ich alleine auf den Beinen stehen, und sogar ziemlich fest, damit man mich nicht umwirft.

29. September

Am Sonntag hatten wir unseren Lichttag in Altenberg. Er war lang und gründlich vorbereitet worden. 19 Jungen und 2 Mädel machten die Wallfahrt mit. Gegen 4 Uhr kamen schon die ersten zum Bahnhof. Um 7 Uhr kamen wir in Köln an. Von dort fuhren wir mit der Straßenbahn nach Bergisch-Gladbach, und marschierten dann weiter in Richtung Altenberg. Die Straße führte uns durch Wälder und Felder. Der Nebel

 

 

hing noch in den Tälern; es war kühl, doch der Tag versprach schön zu werden. Kurz vor 10 Uhr erreichten wir den Dom. Nach einer feinen Singmesse zogen wir in den Wald, um unsere Raumleere zu beseitigen. Nachher suchten wir ein Gelände aus für ein Kampfspiel. – Zu dem Lichttag hatten wir unseren Soldaten geschrieben und ihnen mitgeteilt, daß wir um 2 Uhr im Dom sein wollten, um für unsere Gemeinschaft vor der Madonna zu beten. – Als es nun auf 2 Uhr zuging, fanden wir einen Platz am Waldrand, vom dem aus wir den Dom sehen konnten. Wir stellten uns zu einem Kreis zusammen und beteten den Altenberger Rosenkranz. Dann hielten wir unsere Weihestunde im Dom. Unter dem Bild der Gottesmutter brannte unsere Kerze. Nach einer Zeit stillen

Gebetes machten wir einen Rundgang durch den Dom. Die klaren Linien der Architektur erfreuten uns. Ein herrliches Gotteslob ist dieser Dom! – Am Nachmittag machten wir noch ein Geländespiel, bei dem es heiß herging. Dann marschierten wir nach Burscheid, von wo wir unsere Heimreise antraten. In der letzten Stunde des Tages kamen wir glücklich in der Heimat wieder an.

Heute morgen hatte ich die mündliche Prüfung zu bestehen. Nun ist glücklich alles vorüber. Bestanden habe ich sie, aber den genauen Bescheid erhalte ich erst bei meiner Einberufung.

Heute ist St. Michael. Möge doch bald Frieden werden, in der Welt und in unserem Volke!

 

 

4. Oktober.

Am Freitag haben wir Abschied gefeiert. Zwei Mann vom Kotten hatten einen Gestellungsbefehl bekommen, und ich ging als Erwartender eines solchen Befehls mit. Ich habe mich schon ganz darauf eingestellt, daß ich in Kürze zu den Preußen muß.

Heute konnte ich die Oper „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven genießen.

Laß dich nicht ängstigen,
nichts dich erschrecken.
Alles geht vorüber -
Gott allein verbleibt derselbe.
Alles erreicht der Geduldige,
und wer Gott hat, der hat alles.
Gott allein ist genug.

St. Theresia.

7. Oktober.

Heute bekam ich meinen Gestellungsbefehl! Noch eine Woche bin ich in der Heimat, dann geht’s ab, wer weiß, wohin. Es ist schon gut, daß ich ihn erwartete, auch, daß ich noch Zeit habe, um alles in Ruhe zu klären. Ich weiß, daß ich nichts Rosiges zu erwarten habe. Aber ich brauche nur an das Wort der Hl. Theresia zu denken, um meinen Weg zu sehen. Bange machen gilt auch hier nicht!

10. Oktober

Gestern arbeitete ich den letzten Tag am Kotten. Abends bekam ich mein Lehrzeugnis. Es ist glänzend ausgefallen. Nun steht auch mein Prüfungsergebnis fest: Bestanden mit Prämie, also bestmöglich.

 

 

Ich freue mich über diesen guten Abschluß. Ob ich beim Militär auch meinen Mann so stehe wie im Beruf? Jetzt kommt die Bewährung.

13. Oktober.

Noch einmal schlafen, dann beginnt das Neue, Unbekannte. Ich habe mich überall verabschiedet. Manche taten es herzlich, andere oberflächlich und gleichgültig. Nun habe ich alles geordnet und bin abmarschfertig. Auch die geistig-seelische Vorbereitung habe ich nicht vernachlässigt. Am Montag legte ich meine Lebensbeichte ab. Ich zog den Schlußstrich unter mein Jungenleben. Eine herrliche Zeit war es, und ich kann Gott nicht genug danken dafür. Herrlich war das viele Gute und Schöne, herrlich aber

auch der Kampf mit der eigenen Schwäche, der Kampf mit der Umwelt. Möge Gott mir in meinem weiteren Leben weiter soviel Gnaden schenken, wie ich sie bisher erhielt.

14. Oktober

Gisbert kam Sonntag in Urlaub, für drei Tage. Wir haben noch schöne Stunden zusammen verlebt. Großartig wurde gefeiert. Nun ist auch das vorbei. Die Abschiedsstunde ist gekommen. Was bringt mir der heutige Tag?

15. Oktober

Nun bin ich den ersten Tag in der Kaserne. Noch habe ich meine Zivilsachen an. Es ging bis jetzt alles noch zivilmäßig.

 

 

Ich bin in der 4. M.G. Kompanie gelandet. Die Herfahrt führte durch feine Landschaften. Mit Schifferklavierbegleitung sausten wir durch die Gegend. Überall ist langes Warten beim Kommiß an der Tagesordnung. Wir haben für heute (wir sollen noch nach Waffen eingeteilt werden) eine feine Stube bekommen.

15. Oktober

Heute morgen wurden wir um 6 Uhr geweckt. Wir haben diese Nacht gut geschlafen. Im Nu waren wir gewaschen, angezogen und saßen am Kaffeetisch. Nun warten wir der kommenden Dinge....

Immer noch tragen wir Zivil. Heute haben wir unsere Spinde eingeräumt und bekamen den ersten Unterricht.

16. Oktober.

Gestern abend entdeckte der U.v.D. Staub. – Ich habe schon tüchtig Post weggeschickt, damit ich später bei der Postverteilung wieder ernten kann.

18. Oktober

Inzwischen habe ich tatsächlich als erster der Stube Post bekommen. Am Freitag wurden wir eingekleidet. Unsere Gewehre haben wir inzwischen auch erhalten. Bis jetzt läuft alles noch ziemlich ruhig. Ab morgen beginnt die richtige Ausbildung. Heute morgen sahen wir drei interessante Lehrfilme, unter anderem einen russischen Beutefilm. So allmählich lebt man sich ein. Bis jetzt habe ich noch keinen gleichgesinnten Kameraden getroffen. Wir sind freilich auch

 

 

noch nicht richtig warm geworden. Na, es wird schon werden, wenn es auch heißt, die Zähne zusammenbeißen.

26. Oktober

Am 22. Okt. wurden wir feierlich vereidigt. Nachmittags wurden wir zum ersten Mal ausgeführt, Sonntag zum zweiten Mal. Angenehm ist ein solcher Herdenausgang gerade nicht. Der Dienst wird nun immer schärfer. Meine Vorgesetzten sind gut. Über meine Kameraden kann ich noch nicht recht urteilen; wir sind nämlich wieder neu eingeteilt worden, so daß ich mit anderen auf der Stube liege. Heute waren wir zum ersten Mal im Gasraum, vorige Tage zum ersten Mal auf dem Stuckenberg.

8. November.

Lange habe ich nichts mehr in mein Tagebuch geschrieben. Die Zeit ist aber auch schwer knapp beim Kommiß. Man findet keine ruhige Minute, höchstens samstags, sonntags und nachts.

Inzwischen habe ich natürlich viel erlebt, doch es lohnt sich nicht, alles aufzuschreiben. Erwähnen will ich nur, daß ich zum ersten Mal mit dem Karabiner und dem M.G. scharf geschossen habe, daß wir unseren ersten Marsch über 15 km gemacht haben und daß ich den Stuckenberg teilweise sehr genau aus der Froschperspektive kenne. Ich kann noch manches Stückchen niederschreiben, aber da das ja alles Unwesentliches Beiwerk ist, will ich lieber mich etwas über

 

 

meine Umgebung ausschreiben. Da ist zunächst mal meine Stube, unser Aufenthaltsraum während der Freizeit. Schön ist sie nicht, aber es geht. Die Wände sind gerade nicht geschmackvoll dekoriert. Ein guter Spruch hängt an der Rückwand:

„Sei, was Du willst,
aber was Du bist,
habe den Mut,
ganz zu sein.“
                     Albert Leo Schlageter.

Und nun etwas über die Stubenkameraden. Da ist zunächst der Stubenälteste, der Gefr. T. Er hat im Winter den Kampf in Rußland mitgemacht. Im Dienst ist er streng, aber sonst gutmütig. Dann ist ein K.O.B. auf unserer Stube, Schütze K., der mir nicht

zusagt. Er ist großsprecherisch und meiner Meinung nach kein großer Charakter. Beruf: Pennäler. Als nächster kommt der lange Hans B. Obwohl er der längste Kerl der Kompanie ist, hat er noch einen ziemlich kindischen Geist. Kurt B. ist ein geriebener Bursche, der Don Juan noch übertreffen will. Hans B. ist Bürokrat, ebenfalls Kurt B. u. w. w. Letzterer ist von draufgängerischer Natur; er hat einige gute Charakterzüge, ist aber in vieler Hinsicht nur ein Mitläufer. Willi W. ist auch noch ein richtiger Junge; wenn er sich als alter Mann ausgibt, muß man lachen. Es sind unter den Oktober-Rekruten überhaupt eine Reihe Leute, die noch halbe Kinder sind. Gerd H. gefällt mir am besten von allen Stuben-

 

 

kameraden. Er ist ziemlich ruhig und vertritt im allgemeinen gesunde Ansichten. Beruf: Schüler der Oberschule. Protestant. Übrigens ist auf der Stube noch nicht über religiöse Dinge gesprochen worden. Günter Sch. ist ein ganz angenehmer Kamerad, geradeaus. Gerd raucht und trinkt nicht. Mein Spindkamerad Alois St. ist aus grobem Holz geschnitzt. Beruf: Schmied. Sein Wesen ist treu, ehrlich, kameradschaftlich. Geistig steht er nicht sehr hoch und ist Mitläufer. Ernst K. ist auch ziemlich ruhig. Er scheint mittelmäßig zu sein. Als letzter ist noch Heinz P. zu nennen, der mir persönlich zuwider ist. Er hat einen schlechten Charakter, ist total verkommen. Er fällt beim Dienst auch ewig auf. – Das sind nun meine Kameraden. Und wie stehe ich unter ihnen? Ich be-

mühe mich, mit allen auszukommen. Kameradschaft ist gerade beim Kommiß unerläßlich. Und echte christliche Nächstenliebe kann man hier immer wieder anwenden. Mir scheint dieses Gebiet die wichtigste Aufgabe während meiner Soldatenzeit zu stellen. Hoffentlich versage ich nicht. Gott helfe mir!

15. November

Gestern hatte ich meinen ersten Alleinausgang. Ich habe die Gelegenheit zur hl. Beichte ausgenützt. Heute morgen konnte ich zur hl. Messe gehen und kommunizieren. Ich hoffe, nun immer sonntags zur Kirche zu kommen. Es ist doch eine herrliche, gnadenreiche Stunde, wenn man das Opfer unseres Herrn mitfeiern kann

 

 

und sich mit ihm vereint. Man gewinnt viel Kraft, um im Alltagskampf seinen Mann zu stehen.

Am letzten Montag war hier eine große Aufregung. Jede Kompanie mußte einen Zug stellen, der abkommandiert wurde. So stellte man aus den Rekruten mit einigen Gefreiten und Unteroffizieren den Zug zusammen. Es wurde gemunkelt, wir kämen zum besetzten Gebiet und würden dort weiter ausgebildet. Wir brauchten keinen Dienst mitzumachen und harrten auf den Stuben der kommenden Dinge. Nachmittags gingen wir wieder mit zum Exerzieren. Am andern Tag klärte sich allmählich die Lage. Wir brauchten doch nicht auszurücken. Man nahm an unserer Stelle Soldaten der Marschkompanie, die neu eingekleidet wurden. Vorige Tage

zog eine große Kolonne gegen Frankreich.

Freitag hatten wir einen 20 km-Gepäckmarsch gemacht, den ich gut überstanden habe.

16. November

Heute fragte mich ein Kamerad in einer Pause, ob ich nicht rauche. Als ich dieses beantwortete, fragte er mich, ob ich denn auch nicht trinke. Wieder sagte ich: nein. Da meinte er: Ja, was machst Du denn sonntags? Kommentar überflüssig!

30. November.

Inzwischen habe ich wieder viel erlebt! Unsere Ausbildung ging stramm weiter. In der Nacht von Freitag auf Samstag machten wir einen Nachtmarsch von 30 km mit

 

 

einer Übung. Gegen 6 Uhr zogen wir los und kamen morgens um 10 Uhr wieder in der Kaserne an. Die Nacht war G.s.D. nicht allzu kalt, aber wir haben auch so schon ganz nett gefroren. Die Sache war schlecht organisiert, denn es mußten an falscher Stelle große Pausen eingelegt werden, um die Zeit totzuschlagen. Als wir auf dem Rückmarsch die Stadtgrenze von Herford erreichten, holte uns ein Musikzug ab, der uns mit Märschen durch die Stadt zur Kaserne hinaufführte. Ohne Musik hätten wir aber auch keinen vernünftigen Gleichschritt mehr zusammenbekommen, denn uns fielen die Augen vor Müdigkeit bald jeden Schritt zu.

Und nun fahren wir gegen Frankreich. Samstagmittag wurden die Leute vorge-

lesen, die mitfahren. Dann wurde alles startklar gemacht. Es war ein großes Packen und Schaffen. Wir hatten G.s.D. genug Zeit, alles zu erledigen. Und jetzt warten wir marschfertig; morgen früh geht’s los. Ich bin nicht traurig darum, daß wir nach Frankreich kommen, denn dann brauchen wir wenigstens nicht nach Rußland, jedenfalls diesen Winter nicht mehr. Den Zurückgebliebenen blüht diese Blume noch.

1. Dezember.

Ich sitze im Zug und schaukele in Richtung Frankreich. In Bielefeld hält der Zug schon lange. Wir sind in vier Wagen untergebracht, die an fahrplanmäßige Züge angehängt werden. In

 

 

unserem Abteil sind 8 Mann, wir haben also genügend Platz. Gerade beendete ich eine Schachpartie mit meinem kleinen Reiseschach, das gestern abend noch mit den Weihnachtspaketen vom Kotten kam. Ich habe mich sehr darüber gefreut. – Die Kerle sitzen hier und versuchen zu pennen. Die Zeit schleicht langsam weiter, und der Zug will und will nicht abfahren. Wie lange werden wir noch in diesem Abteil die Zeit totschlagen, bis wir am Ziel angelangt sind?

½ 3 Uhr. Vor einer halben Stunde waren wir in Hamm, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten. Der Zug rast nun in gleichmäßigem Tempo der Heimat zu. Bald werden wir Dortmund und Essen erreichen. Doch weiter geht die Fahrt in Feindesland. Die Heimat werde ich nur im Vorbeifahren sehen, vielleicht auf lange Zeit zum letzten Mal. – Unser Abteil ist durch

eine Tür vom Gang getrennt. Dadurch ist es hier mollig warm. Die Kameraden langweilen sich herum. Heute morgen spielten wir etwas Skat. Nachher las ich. Wenn der Zug hält, sind die Fenster dicht umlagert. Man will mal etwas anderes sehen und hören als die Gesichter der Kameraden und das eintönige Ratata des Zuges. Unser Zug fuhr über Recklinghausen – Wanne-Eickel – Altenessen. Ich habe also doch die Heimat nicht mehr sehen können.

2. Dezember

Gestern fuhren wir über Duisburg bis Köln-Nippes. Gegen 2 Uhr setzte sich der Zug wieder in Bewegung. In Köln bekamen wir vom Roten Kreuz Kaffee und Suppe,

 

 

letztere vom Typ „Westwall“ (uneinnehmbar). Heute morgen fuhren wir über Rheydt nach Kaldenkirchen und überquerten dort die holländische Grenze. Diese Nacht schliefen wir sitzend in allen Stellungen. – Es ist heute herrliches Wetter. Der Zug eilt durch das schöne holländische Flachland. Feine Landschaftsbilder zeigen sich dem Beschauer. Unser Weg führte uns über Eindhoven. 11.15 Uhr erreichten wir die holländisch-belgische Grenze. Am Abend erreichten wir Antwerpen. Dort bekamen wir im Soldatenheim Suppe und Kaffee. Belgien machte auf uns einen unfruchtbaren Eindruck gegenüber Holland. Unsere Fahrt führte durch heideartiges Gebiet. An den Häusern sah man noch die Spuren des Krieges. Hier in Antwerpen kann man für deutsche Groschenstücke einkaufen, während alle anderen Einheiten

nicht angenommen werden. Ich bin mal gespannt, wohin wir eigentlich kommen. Unsere bisherige Strecke verläuft ja ziemlich kurvenreich.

3. Dezember.

Die letzte Nacht schliefen wir etwas besser. Die Heizung funktioniert nun. Heute morgen 10.10 Uhr passierten wir die französische Grenze. Der Zug hat ein langsames Tempo. Es liegt wohl an der Überbelastung der Lok. Die Zeit kriegt langsam dahin. Wann sind wir am Ziel? – Heute morgen gelang es mir, mich für einige Minuten ins N.T. zu vertiefen. Ich las mir die Stellen der Schrift über Johannes, den Vorläufer des Herrn, durch. „Bereitet Euch!“ ruft er auch mir zu. In drei Wochen ist bereits Weihnachten, und ich stehe noch mit fast leeren Händen da. Kaum darf ich wagen

 

 

zu flehen: Maran atha. Und doch hoffe ich gerade in diesem Jahr ein recht gnadenreiches Weihnachten feiern zu können. Da muß ich mich erst klären, ordnen, damit der Menschensohn nicht in eine Rumpelkammer niedersteigen muß. Ich möchte doch erfüllter sein, wie Maria, die Gottesmutter, es war, als sie die Frohbotschaft empfing, möchte sagen können: Ich bin der Knecht des Herrn. Wenn ich meine Armseligkeit betrachte, kann ich nur sagen: Herr, geh weg von mir, ich bin nicht würdig. Und wieder flehe ich: Herr, Du mach mich würdig. Laß mich sein Dein Wegbereiter, Träger Deines Lichtes, Soldat Deiner Kriege.

Toureving. Wir fahren durch das nordfranzösische Industriegebiet. Trostlose Wohnverhältnisse scheinen hier zu herrschen. Industrie reiht sich an Industrie. Ein Ort liegt neben dem anderen. Unser Zug, der mit seiner langen Wagenreihe durch die Gegend kriegt, kommt kaum vom Fleck. Nun stehen wir schon

einige Stunden in Lille. Heute abend sollen wir nach Calais fahren. Heute nachmittag war großes Steckrübenfuttern. Es gelang uns nämlich, aus einem neben uns haltenden Güterzug etliche Steckrüben zu erobern.

4. Dezember

Heute morgen um ½ 1 Uhr kamen wir am Bestimmungsbahnhof an. Die Nacht schliefen wir in einem großen Saal. Heute morgen wurden wir eingeteilt. Ich bin nun in der 3. Schwadron gelandet, also bei der Kavallerie (Radfahrabteilung). Unsere Stube ist in einem Hause. Alle anderen müssen in Baraken hausen.

27. Dezember

Leider fehlt mir die Zeit, das Tagebuch auf dem Laufenden zu halten. Ich

 

 

muß schon auf meine Briefe verweisen.

31.XII.42

Nur noch wenige Stunden dauert das alte Jahr, dann weicht es dem neuen. Leider fehlte mir im letzten Monat die Möglichkeit, meine Notizen fortzusetzen. Einzelheiten will ich nun auch nicht mehr nachtragen, aber ein kurzer Überblick scheint mir doch noch angebracht. Es war eine ziemliche Umstellung von der Kaserne auf die Feldeinheit. Auf viele angenehme Dinge mußte ich verzichten. Das kleine Dorf,. in dem ich jetzt liege, läßt alle Kultur vermissen. Unsere Schwadron ist erst kurz vor unserer Ankunft neu aufgestellt worden, so daß erst alles mal recht einlaufen muß. Trotz aller äußeren Umstände habe ich mich soweit hier eingelebt. Unser Dienst ist stramm, aber auszuhalten. Jeden Morgen

geht es ins Gelände. Auf diese Ausbildung wird großen Wert gelegt, was ich auch für richtig halte.

Was nun meine Stellung anbelangt, so muß ich feststellen, daß sie sich gegenüber Herford bedeutend verschlechtert hat, vor allem, was die Kameraden anbelangt. Wir liegen mit 16 Mann auf einer Stube. Das Zusammenleben wird durch die Menge natürlich nicht gefördert. Von den Kameraden steht keiner über der Masse, so daß ich keinen habe, dem ich mich anschließen könnte. Da ich in vielen Dingen anders bin als die Kameraden, gibt es manche Zusammenstöße. Ich gebe zu, daß das auch mit meinen Eigenheiten zusammenhängt. Aber trotzdem ich versuche, mit keinem in Streit zu kommen und allen Kamerad zu sein, gibt es

 

 

immer wieder Zusammenstöße. Es betrübt mich sehr, daß ich so ein Außenseiter bin, und ich habe mir ernstlich vorgenommen, wirklich mich anzustrengen, in echter Nächstenliebe auch zum unangenehmsten Kameraden kameradschaftlich zu sein. Gott, Du gütiger Herr, hilf mir, die rechte Haltung zu finden. Ich soll doch als Christ Vorbild sein. Schenk Du mir Deine Gnade und Kraft dazu.

Wenn mir etwas schwer wird, so brauche ich nur kurz meine Sinne nach oben zu richten, und ich weiß, warum und weshalb. So komme ich über alles hinweg, und ich habe meine innere Freude nicht durch äußere Widrigkeiten verloren. Daß ich diese Kraft habe, dessen bin ich froh, und ich danke Gott dafür von ganzem Herzen.

Die letzten Stunden des alten Jahres verdienen eigentlich, daß man eine Rückschau hält. Viel geschah

in diesem Jahr, was ich mir am Anfang nicht hätte träumen lassen. An wesentlichen Dingen kann ich kurz folgendes überschauen: Im Beruf: Meine Lehre habe ich beendet, und ich kann wohl sagen, daß ich mit meiner Leistung, die ich im Herbst unter Beweis stellte, zufrieden sein kann. In der Arbeit der Pfarrjugend habe ich in dem Dreivierteljahr schöne Erfolge erzielt, so daß ich bei meiner Einberufung mit ruhigem Blick in die Zukunft weggehen konnte. Bis jetzt habe ich das Gefühl, daß die Arbeit ohne allzugroße Pleiten weiterläuft. – Und wie stand ich zu Hause? Da hat es noch manches Mal gehapert, doch bin ich auch hier wenigstens ein klein wenig weitergekommen. Wie stand es mit mir selbst? Manches habe ich im vergangenen Jahr durch Selbsterziehung er-

 

 

reicht, vor allem in dem Punkte, der mir einige Jahre zu schaffen gemacht hatte. Aber manche Pleite habe ich einstecken müssen. Jedenfalls weiß ich nun meine Hauptschwächen und kann dort den Hebel ansetzen. Zusammenfassend kann ich feststellen: Dieses Jahr hat mir viel Gutes gebracht und manchen Erfolg. Reiche Gnade hat mir Gott geschenkt, und ich kann nicht genug danken. O Gott, Du beschämst mich mit Deiner großen Liebe, bin ich doch zu erbärmlich, um sie mir in etwa zu vergelten. Ja, ich war doch oft schwach, habe viele Schuld auf mich geladen, anstatt Gottes Güte mit Liebe zu erwidern. O Herr, verzeih mir alles, was ich im vergangenen Jahr gegen Dich gefehlt habe. Ich will mich ernstlich mühen, im kommenden Jahr Dir besser zu dienen. Schenk Du mir dazu Deine reiche Gnade, daß ich auch in meinem neuen Stand meine Pflichten recht erfülle.

Meine Kameraden veranstalten ein großes Saufgelage. Mich ekelt es an. Ich habe mich zeitig zurückgezogen. Allmählich wirds doll. Scheußlich!

8. Januar 1943

Die ersten Tage des neuen Jahres sind nun schon vergangen. Bald ist meine Rekrutenzeit beendet. Ich schreibe während einer Marschpause auf einem Radmarsch. Es ist doch angenehmer, mit dem Rad km zu schlucken, als zu Fuß zu watzen.

Ich muß noch berichten vom ersten Tag im neuen Jahr. In der Sylvesternacht wurden 100 RM einem Gefreiten gestohlen, als Neujahr mittags der Schwadronschef davon erfuhr, ließ er die ganze Schwadron antreten und befahl, daß wir alle halbe

 

 

Stunde feldmarschmäßig antreten mußten, bis der Dieb festgestellt würde. Außerdem war sofortige Urlaubssperre. Wir hatten noch kein Essen empfangen. Der Tanz ging den ganzen Nachmittag über durch. Wir aßen zwischendurch. Dazu kam dann noch das schöne Regenwetter. Wir wurden klatschnaß. Gegen 6 Uhr gab uns der Chef Zeit bis 9 Uhr, bis zu welchem Zeitpunkt das Geld wieder da sein mußte; andernfalls ginge der Tanz weiter die ganze Nacht durch. Kurz, um 9 Uhr, war das Geld gesammelt worden, aber der Täter ist bis heute noch nicht heraus. Der ganze Feiertag war der Schwadron versaut worden. Ich werde den Tag nie wieder vergessen. Die Angelegenheit wird noch weitergehen, bis der Schuft geschnappt ist.

10. Januar

„Denn das ist das Geheimnis der Dinge:
Wer ihnen nachläuft, vor dem fliegen sie;
Wer sie pflücken will, dem entfallen sie;
Wer sich an sie hängt, dem werden sie entrissen.
Wer aber an ihnen vorüber geht,
Dem laufen sie nach, um mit ihm zu Gott zu kommen.“
                                                               Peter Lippert

Aus dem Brief eines Freundes: „Ja, wir müssen lernen zu verzichten, um zu gewinnen, erst dann werden die Dinge uns dienen.“

24. Januar

Seit einer Woche bin ich kein Rekrut mehr. Wir wurden auf die Züge aufgeteilt, liegen aber noch in den alten Quartieren. – Morgen abend werde ich zum ersten Mal auf Wache ziehen. Im Westen nichts Neues.

 

 

14. Februar 1943.

Es wird die höchste Zeit, daß ich wieder ins Tagebuch etwas einschreibe. Inzwischen hat sich vieles verändert. Seit dem 1. d. M. liegen wir als Wachschwadron in einer kleinen Stadt, nicht weit von unserem alten Quartier entfernt. Unter unserem Schutze arbeitet hier der Korpsstab. Jeden dritten Tag steht man hier auf Wache. Ich habe bisher immer die Kfz.-Wache mitgemacht, die noch verhältnismäßig ruhig ist. Man hat auf Wache viel Zeit zu lesen und zu schreiben. Mittags ist Vergatterung um 12 Uhr, und dann steht man, bis anderen Tags die neue Wache zur Ablösung kommt. Für die Wache muß alles auf Hochglanz gebracht werden. Solch tadellosen Lederputz wie hier haben wir in der Kaserne längst nicht gehabt. Am Tage zwischen den Wachen wird zackiger

Geländedienst gekloppt, damit wir nicht aus der Übung kommen. Außerdienstlich haben wir es hier besser. Es steht uns nämlich ein feines Soldatenheim zur Verfügung, das mit einem Schenkraum, einem Eßzimmer, einem Lesezimmer, einem Schreibzimmer, einem Musikzimmer, einem Eßraum und einem Wohnzimmer für Offiziere ausgestattet ist. Im Soldatenheim gehe ich öfter abends essen, das man dort gut und preiswert besorgen kann. Französische Lokale sind uns verboten. Zweimal wöchentlich wird ein deutscher Film gezeigt. So haben wir es hier in unserer Freizeit angenehmer als früher. Das Soldatenheim ist ja ganz großartig eingerichtet wie in einem feinen Hotel. Man wird an alte Zivilzeiten erinnert....

 

 

15. Februar

Ich sitze hier im Wachlokal, wieder Kfz-Wache, und finde wieder Zeit, etwas niederezuschreiben.

Unsere jetzigen Quartiere sind alte Kasernen. Sie haben gegenüber den früheren vor allem den Vorzug, daß eine vernünftige Waschgelegenheit mit fließendem Wasser vorhanden ist. Wir liegen (unsere Gruppe) auf einer verhältnismäßig guten Bude. Vor allem haben wir jetzt mehr Raum und sind nicht mit so vielen auf der Bude. Außer einem Mann sind alle neue Kameraden. Ich will sie kurz beschreiben. Unser Stubenältester ist der Gefreite Rehor, der schon in Rußland gekämpft hat. Man kann ganz gut mit ihm fertig werden. Aber wehe, wenn ihm etwas gegen den Strich geht! Unser M.G.-Schütze I ist Maurer, seines Zeichens

Oberreiter. Er ist ziemlich ruhig und vernünftig, von Beruf Fräser. Schütze II ist O.Rtr. Bergmann, auch kein schlechter Kamerad; ebenfalls ein ruhiger Mann. Schütze III: Reiter Keutel, auch März-Rekrut. Er ist ein ziemlicher Schlot, der ewig meutert. Er kann sich wohl im Dienst zackig benehmen, aber sonst ist (charakterlich) nicht viel mit ihm los. Beruf: Eisenanstreicher. Willi Pelzer ist kein übler Junge. Er kommt aus Rheydt. Max Hackenberg war schon in unserem alten Quartier auf meiner Bude. Er ist von Beruf Finanzschüler und kommt aus M. Gladbach. Auch Durchschnittsmensch. Peter Bungarz ist ein Kölner. Eine seltsame Flasche, dazu noch schlotig und schlampig. Er ist bekannt wegen seiner ulkigen (manchmal dämlichen) Lieder. Im Dienst eine Niete,

 

 

führt er sonst das große Wort. Beruf: Fräser. Stühmeier ist auch Durchschnitt, zeignet sich durch gute Kameradschaft aus. In diesem Punkt steht es überhaupt in unserer Gruppe nicht schlecht, und ich bin überzeugt, daß wir im Einsatz fest zusammenhalten. Jakob Breidenbenden, der immer noch im Lazarett liegt, ist ein behäbiger Kerl, der sich nicht leicht aus der Ruhe bringen läßt. Unter diesen Kerlen stehe ich nun. Meine Stellung hat sich gegenüber unserem alten Quartier gebessert. Ich werde mich auch bemühen, durch weitgehende Kameradschaftlichkeit meine Sonderstellung zu beseitigen.

Augenblicklich fahren täglich ein paar Mann in Urlaub, damit die „Alten“ endlich alle durch kommen. Aber wir „jungen Schlipse“ kommen doch noch nicht dran!

26. Februar

Seit dem 18. d. M. sind wir nun wieder in unseren alten Quartieren. Es ist schade, daß wir nur 2 ½ Wochen in dem Städtchen blieben, hatten wir es dort doch immerhin etwas besser als hier. In diesen Tagen haben wir noch einmal eine kurze und gründliche Geländeausbildung erhalten. Und nun geht es in wenigen Tagen bis nach Rußland. Es wird ein harter Kampf werden nach den großen Rückschlägen des Winters. Aber Kampf ist ja Eigentliches für den Soldaten.

Vorige Tage war der letzte Gottesdienst – wer weiß, für wie lange – für uns. Gebe Gott mir Kraft, die schweren Dinge zu tragen, die meiner warten. „Alles für Deutschland, Deutschland für Christus!“ Ich bin bereit ....

 

 

28. Februar.

Nun sind wir glücklich am Verladebahnhof und warten, warten. Ich sitze hier auf Fliegerwache. – Vorgestern brachte Maurer mir ein riesiges Paket mit von zu Hause. Leider mußte alles schnell aufgefuttert werden, was ich nicht verpacken konnte. – Nun laß ich alle Dinge an mich herantreten, wie sie kommen. Dann wird man am besten damit fertig.

1. März.

Wir sind unterwegs! Die erste Nacht im Waggon ist vorbei. Antwerpen liegt schon hinter uns. Roosendaal, Breda, Tilburg, s’Hertogenbosch, Utrecht, Amersfört, Apeldorn, Twello.

2. März

In der vergangenen Nacht fuhren wir ein gutes Stück nach Deutschland hinein, Osnabrück und Hannover liegen schon hinter uns. Braunschweig, Magdeburg, Wittenberg.

3. März

Oppeln (Oberschlesien), Gleiwitz, Hindenburg, Kattowitz, Polen.

4. März

Polen, Lublin

5. März

Ukraine, Popelnja, Fastow, Kiew

 

 

6. März

Poltawa. Wir fuhren noch einige Zig Km weiter als Poltawa. Abends wurden wir ausgeladen. In der Nacht tippelten wir noch ca. 20 km mit den Rädern bis zu diesem großen Dort. Es ging abwechselnd über Glatteis und aufgeweichte, matschige Straße.

7. März.

Das Quartier, das wir gestern hatten, haben wir wieder verlassen und sind in bessere eingezogen. Wir haben es prima getroffen. Man kann mit den Russen ganz gut auskommen; sie sind ziemlich freundlich.

12. März

Nachdem wir einige Tage in dem Dorf geblieben waren, setzten wir uns in Marsch. Zwei Tage

Fahrt haben wir nun hinter uns. Bei dem augenblicklichen Tauwetter und den wunderbaren Straßen ist das direkt ein Vergnügen. Hier kann man Kunstfahren lernen.

13. März

Tarnowka

Nun sind wir auf dem Vormarsch. Unser gestriges Quartierdorf ist erst vor 3 Tagen von Russen gesäubert worden. Überall finden wir Spuren des vergangenen Kampfes: zerschossene Häuser, zerstörte Panzerwagen und Kraftwagen, tote Russen und Pferdekadaver. Heute fuhren wir nur zum nächsten Dorf. Wir haben feines Quartier. Im rollenden Einsatz werden Flugzeugverbände eingesetzt. Russische Flieger

 

 

sehen wir kaum. -

Gerade kam der Befehl: Fertigmachen. Gleich werden wir auf unseren ersten Spähtrupp ziehen und ein Bahngeleis sichern. Der Krieg wird auch für uns allmählich ernst.

Man stumpft so langsam ab. Unser Leben besteht aus Dienst, Essen, Schlafen. Darüber hinaus kommen die Wenigsten. Bald wissen wir nicht mehr Wochentag und Datum, es wird alles zeitlos. – Ich habe nur die eine Hoffnung, daß unser Einsatz nicht umsonst ist, gleich, wie teuer er bezahlt werden muß. Alles für Deutschland, Deutschland für Christus. Das ist mein Leitsatz während meines Dienstes am Vaterland.

14. März.

Gestern abend sind wir doch nicht mehr losgezogen. Heute morgen startete in aller Frühe ein Spähtrupp mit neuem Auftrag. Wir watzten wohl 10 Stunden an einer Tour durch die Gegend. Feindberührung hatten wir nicht, aber hundemüde sind wir geworden. Da es hier schon um 4-5 Uhr dunkel wird. war vom Tage nichts mehr übrig, als wir gegen 3 Uhr hier ankamen. Schade um den schönen Sonntag, aber den werden wir hier in Rußland wohl ganz streichen müssen.

Nun hat auch wieder die Fastenzeit begonnen. Hoffentlich wird sie ernst genommen, daß die Menschen den Himmel bestürmen, damit Friede werde.

 

 

17. März

Montag hatten wir einen ziemlich ruhigen Dienst. Abends mußten unsere Gruppen auf Bahnsicherung ziehen. Es war lausig kalt, der Wind pfiff uns um die Ohren. Kurz bevor wir abgelöst werden sollten, kam ein Melder und holte uns zurück. In zwei Stunden marschierte die Schwadron los. Wir hatten noch eine gute Stunde geschlafen, da wurden wir um ¼ 2 Uhr geweckt. Bald setzte sich die Schwadron in Bewegung. Im ersten Dorf trafen wir auf einen Zug der 1. Schwadron und marschierten weiter gegen den Feind. Das Unternehmen sollte Racheakt sein für die leichte Verwundung eines Unteroffiziers am Vortage bei einem Spähtrupp, bei dem eine kurze Feindberührung vorgekommen war. Als wir ziemlich an

den Feind herangekommen waren, wurde unsere Gruppe als Spähtrupp losgeschickt. Nach langem Weg – ich hatte bei dem Spähtrupp dauernd zwei Munikästen zu schlörren – stellten wir eine Sicherung des Gegners fest. Die zur Schwadron zurückgeschickten Melder fanden diese nicht mehr, und wir zogen uns zurück. Nachdem wir hin und hergelaufen waren, trafen wir die zurückflutende Schwadron, die von Russen eingekreist war. Wir haben eine Reihe Verluste. Der Schwadronschef und zwei Zugführer fielen, sowie einige Kameraden. Eine Reihe Leute wurden verwundet. Unsere Gruppe ist nicht ins Gefecht gekommen. Alle haben sich tapfer geschlagen. Wir waren an dem Tag wohl an die 40 km gelaufen. So kaputt wie gestern abend war ich noch nie.

 

 

18. März.

Heute morgen setzten wir uns in aller Frühe in Bewegung. Wir waren noch nicht den halben Weg gefahren, als ich die Einheit verlor. Ich fuhr, nachdem alles Suchen ergebnislos war, der Bahnlinie entlang und machte schließlich bei ukr. Bahnwärtern Quartier. Es ist ganz interessant, so alleine mit den Leuten zu sein. Man lernt Sitten und Gebräuche kennen.

19. März

Heute morgen stand ich schon um 5 Uhr auf, doch wurde ich erst nach 8 Uhr abmarschfertig, da ich einen Platten, der sich nur scheinbar am Vorderrad einstellte, flicken wollte. Nachdem ich einige km der

Bahnlinie entlanggefahren war, brach eine Pedale, und kurz darauf hatte mein Hinterrad Platten. Letzteres konnte ich beheben, aber schieben mußte ich die Karre doch. In einem großen Dorf suchte ich lange hin und her, um unsere Einheit zu finden. Erst spät wurde ich auf den richtigen Weg geschickt. Unterwegs sah ich einmal unser Zeichen R.A.F. Ich tippelte bis zum nächsten Dorf und habe hier ein armseliges Quartier gefunden.

24. März

Am nächsten Tag wurde ich, nachdem ich noch ein Stück Wegs gewatzt war, von einem Auto bis zum Stab der R.A.F. mitgenommen. Die Abteilung

 

 

war aber schon wieder 7 km weiter, und ich fuhr mit dem Krad dorthin. Kaum angekommen, stieg ich wieder in ein Auto, um der Abteilung nachzufahren, die weitermarschierte, um am folgenden Tag einen Angriff zu machen. Bei Nacht fanden wir den Weg nicht und blieben in einem Dorf. Morgens zog ich mit 2 Mann zu Fuß weiter und erreichte die Abteilung in der Bereitstellung. Der Wald wurde bis zum Donez durchkämmt, wo wir abends in Stellung gingen. Tags darauf wurde nur MG-Wache gestellt. Und gestern kamen wir zurück, holten unsere Räder und bezogen

das jetzige Ruhequartier. Es tat sehr gut, sich nach den Tagen der Entbehrung gründlich zu essen, waschen und auszuruhen.

27. März

Ich muß noch nachtragen, daß unser Zugführer, Ltn. von Baum, bei einem Kampf während meines Abseins von der Schwadron gefallen ist. Vorgestern abend zogen wir wieder in unsere alte Stellung am Erholungsheim. Da ich neuerdings im Zugtrupp bin, habe ich es in soweit gut, daß ich draußen keine Wache stehen brauche. Dafür muß ich als Melder laufen. Wir haben hier regelrechte Verteidigungsstellungen ausgebaut. Zwischen uns und dem Russen liegt nur der Donez. Da dieser noch zugefroren ist, wagt sich der Russe schon mal herüber. Seine Scharfschützen

 

 

zwingen uns hier zur Vorsicht. – Heute ist ein Freudentag. Seit einem Monat die erste Post von daheim! Sogar ein 100g-Päckchen hatte sich dazwischengemogelt. Jetzt bekommen wir auch die Rußlandverpflegung.

29. März

Gestern hatte ich ein kleines Mißgeschick. Ich machte Brennholz klein, als mir die Axt statt ins Holz in den Schuh herein sauste. Es gab einen Schnitt quer über den Nagel des dicken Zehes, der weiter nicht besonders wild ist. Das schlimmste ist, daß nun auch der Schnürschuh noch kaputt ist, nachdem ich schon keine Stiefel mehr habe, denn es gibt keinen Ersatz! – Heute ereignete sich nichts besonderes.

1. April

Am 30.III. wurden wir abends von der Infanterie abgelöst. Wir marschierten im Stockdunkeln durch tiefen Matsch in unser letztes Quartierdorf und pennten dort den Rest der Nacht. Am nächsten Tag wurden die Fahrräder empfangen, und nachmittags ging es los über den Fluß mit Schlauchbooten. Im nächsten Dorf machten wir Quartier. Heute hatten wir unseren ersten Ruhetag. Hoffentlich folgen noch Einige. Heute nachmittag war Feldgottesdienst der Abteilung, zu dem der General erschienen war. Wir standen mit Stahlhelm da und hörten zum ersten Mal den Befehl: Helm ab zum Gebet. Der

 

 

protestantische Divisionspfarrer hielt eine Ansprache über das Wort: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben!“ Anschließend an den Gottesdienst wurden die ersten E.K. II. und Sturmabzeichen verliehen. – In unserer Abteilung sind bisher 30 Tote und 9 Vermißte, wovon 13 Tote und 8 Vermißte allein auf unsere Schwadron fallen.

Das Wetter ist schlecht geworden. Es regnet öfter. Hier im Dorf ist die „Straße“ stark verschlammt.

8. April

Nun liegen wir schon 8 Tage in Ruhe. Die Straßen sind inzwischen schon ziemlich trocken geworden. Es hat wieder regelmäßiger

Dienst begonnen: Unterricht, Sacheninstandsetzen, Geländedienst, Exerzieren, Waffenreinigen usw. Wir sind jetzt Divisionsreserve.

Heute bin ich 19 Jahre geworden. „Wie doch die Jahre enteilen...“. Und doch bin ich noch jung, habe das Leben noch vor mir. Wie sieht die Zukunft aus? Ich weiß es nicht, aber ich werde sie meistern.

Heute nachmittag sahen wir ein Varieté, von der Oper in Charkow gestellt. Die Ukrainer hatten ganz nette Darbietungen auf dem Trapez.

15. April

Es ist wieder ein regelrechter Dienstbetrieb, fast wie in Frankreich, ein-

 

 

gelaufen. Da gibt es nicht viel Neues zu berichten. Zum Wegebau werden wir auch eingesetzt. Wahrscheinlich werden wir noch einige Wochen hier liegen bleiben.

„O verlerne die Zeit,
Daß nicht Dein Antlitz verkümmere
Und mit dem Antlitz Dein Herz.“
                                 Hans Carossa

„Der Acker der Zeit wird mit scharfer Pflugschar gepflügt. Wohin wir schauen, sind aufgeworfene Schollen. Doch hart ist das Erdreich, – ob ihm unsere Keimkraft genügt? Still, sorgen wir nicht, wohin wir gesät werden sollen! Wer weiß es denn, ob er nicht Keim für künftigen Stern ist? Machen

wir uns selbst nur dichter und wahrer und neuer, daß alles in uns vergehe, was nicht ganz Keim ist! Und wenn uns das Erdreich nicht löst, so löst uns das Feuer.“
                                 Hans Carossa

18. April

Heute morgen hatten wir in einer Schule unseren Ostergottesdienst. Wir konnten die hl. Sakramente während der Gemeinschaftsmesse empfangen.

Gestern bekam ich einen schönen Schwung Post, 5 Briefe, 11 Illustrierten und etliche Zeitungen. Bald werden auch die ersten Päckchen anrollen.

 

 

20. April

Gestern bekam ich gleich zwei Päckchen auf einmal, die ersten in Rußland. Das war ein kleines Fest. – Heute, auf Führers Geburtstag, hatten wir Abteilungsappell, wobei es Litzen regnete. Heute gabs auch wieder Marketenderwaren, mit denen wir hier ganz gut versorgt werden. Der Dienst fällt natürlich so gut wie flach.

25. April
Ostern

In den letzten Tagen machten wir 3 km von hier Stellungsbau. Morgens um ¼ 5 Uhr Wecken, mit den Rädern zur Arbeitsstelle und 7 Uhr Arbeitsbeginn. In dem Sandboden konnte man ja gut arbeiten, aber die Wände stürzten alle

wieder ein und mußten abgestützt werden. Es war eine Bullenhitze, vor allem mittags, wo ca. 30°C uns in Schweiß brachten. Daß etliche den Sonnenbrand bekamen, bleibt nicht aus. Mittags wurde das Essen gebracht, und abends gegen 5 – ½ 6 waren wir wieder zu Hause. Da immer ein Mann Quartierwache macht, blieb ich jeden dritten Tag von jeglichem Dienst zu Hause. Hier gab es dann alles Mögliche zu krosen.

Heute auf Ostern erhielten wir pro Mann 4 Eier, einen Haufen Plätzchen, Bohnenkaffee und einen halben Korintenstuten zusätzlich; dazu bekam ich zwei Päckchen mit 3 kg Inhalt von zu Hause. Heute Mittag gabs eine prima Bohnensuppe mit Pudding. Na, da können wir bei

 

 

leben! – Es ist wieder an der Zeit, daß wir Stellungswechsel machen. Dienstag abend geht es wieder los auf dem Stahlroß.

Fortsetzung Buch 2 [nicht erhalten]

6.III. Kalowka
7.III. Warwarowka
12.III. Taranowka
13.III. Passiki
16.III. Korobow
19.III. Merewa
31.III. Nowo Pokrowskoje