August Broil an Marga Ortmann, 5. Mai 1943
Bremen, am 5. Mai 43
Meine liebe Marga! Die Fahrt nach Bremen ist in der vergangenen Nacht glücklich beendet worden. Es war eine erlebnisreiche Fahrt. Sei es das furchtbare Schauen des zerstörten Ruhrgebietes oder das im Gegensatz hierzu herrliche der sonnenbeschienenen, frischgrünen Mailandschaft. Ja herrliche und furchtbare Landschaft im Mai. Und doch thront wie die Königin des Friedens über allen Landen. Ist sie uns ferner und fremder geworden? An uns Menschen liegt es noch einzig und allein, ob sie lächelnde thronende Königin sein und bleiben kann, wenn der Friede in der Welt und unter den Völkern nicht sein kann, muß darum auch der Frieden der Herzen verlorengehen? Ist das nicht jetzt unsere einzige Sehnsucht und Hoffnung: Frieden von Herzen. Du Königin, herrsche über diese suchenden, sehnsuchtsvollen Herzen! Sei Ihnen Unterpfand ihres Friedens, damit aus dem Herzensfrieden ein wirklicher Friede der Welt