Marga Ortmann an August Broil, 5. Februar 1943

Köln, den 5. Februar 1943.

Mein lieber August!

Vor mir liegt Dein Brief; aus dem Erleben der Dinge und all der Schönheiten der Natur da draußen kam er in meine Stille und läßt mich teilhaben an dem, was Dich bewegt und erfüllt. Da habe ich etwas gespürt von dem Klingen Deines Herzens, das zu mir herüberschwingt, ungeahnte Tiefen in mir erschließend. – Still ist es in mir geworden. All die umwälzende Bewegung der letzten Tage ist einer erlösten Ruhe und Klarheit gewichen, die mich so froh macht. Unsagbar Großes, Tiefes und Erfüllendes ließ der Herr uns erleben. Wir können es nur jubelnd, dankbar hinnehmen und unser bereites: Ja Vater dazu sprechen. Noch nie ist mir das Wollen Gottes in meinem Leben so bewußt gewesen wie jetzt, da es mir eine so entscheidende, neue Richtung weist.

Wie mir davor gebangt hat und wie ich mich dagegen gestreubt habe, hast Du in meinen Versen erfahren. Nun aber habe ich Dir doch die Türe aufgetan und ich will sie Dir immer weiter auftun; alles sollst Du hineinlegen können, alles Helle und Schöne, alles Dunkle und Schwere, alle Höhen und Tiefen Deines Seins.

So viel möchte ich Dir noch sagen, doch sind nicht alle Worte wie ein Stammeln vor dem, was das Herz nicht auszudrücken vermag? Gott hat den Anfang gesetzt, er wird uns die Kraft geben zum gemeinsamen Weg. Wir wollen beginnen mit der Bitte, die wir so oft am Abend der Woche getan: Gib den Segen Herr!

Die Tage Deines Urlaubs mögen Dir und mir die letzte Spanne der Bereitung für das gemeinsame Beginnen sein.

Deine Marga.