August Broil an Marga Ortmann, 6. Mai 1943
Bremen, den 6/5.43.
Meine liebe Marga!
Nun sind wir den ersten Tag an unserem neuen Ausbildungsort Bremen. Wir hatten Glück und sind gleich am ersten Tag in eine Stube eingeteilt worden. Vier der Aachener Kameraden, darunter auch Michael Gebert konnten sich durch alle Fährnisse des Aufteilens und Einteilens hindurch retten und sind mit mir zusammen geblieben. Wir erwarten jetzt die Dinge, die kommen werden.
Von unserer Fahrt hier herauf muß ich Dir noch einiges erzählen. Früher hatte ich mir diese Fahrt nach Bremen immer als sehr eintönig vorgestellt. Aber das Gegenteil ist wirklich der Fall, wenn man das Ruhrgebiet, das schon in Vorkriegszeiten stellenweise äußerst häßlich war,
mit seinen jetzt furchtbaren Zerstörungen durchfahren hat, dann tut sich dem Auge bei der Weiterfahrt durch das Münsterland und Bremen entgegen eine wunderbare, eigentümliche und eigenwillige Landschaft. Es mag sein, daß sie in dem hellen Glanz der Frühlingssonne ganz besonders leuchtend und schön war. Doch auch an trüben Tagen wird die Landschaft ihren Reiz haben. Ich sehe an meinen Augen vorbeieilen das wechselvolle Bild weiter frischgrüner Wiesen, buntfleckige Kühe darauf weidend, die Kiefern, die Birken, die Buchen, alle in frischem Grün oder mit jungen Trieben, die leuchtenden, glühenden Rapsfelder, und immer rote Ziegelhäuser mit roten Ziegeldächern
oder Fachwerkhäuser mit tiefen Strohdächern. Stell Dir dieses friedliche, frohe, beruhigende Bild vor. In später Nachtstunde sind wir angelangt. Wir hatten einen kleinen Marsch durch die Nacht bis zur Kaserne. Die altvertrauten Sternbilder standen in majestätischer Ruhe. Wenn nicht die übenden Scheinwerfer herumgegeistert hätten, wo wäre trotz grauem Feldzeug etwas vom Krieg zu spüren gewesen nach diesem Tag.
Meine Marga, diese wenigen Zeilen sollen Dir für den heutigen Abend ein wenig erzählen.
Ich grüße Dich herzlich und froh
Dein August