Marga Ortmann an August Broil, 3. Juni 1943

Zum Fest der Himmelfahrt des Herrn.

Vierzig Tage sind seit der Auferstehung vergangen.
Der Herr ist den Seinen erschienen
in seinem verklärten Leib.
Er hat ihnen die Sendung gegeben,
sein Reich hinauszutragen an der Erde Grenzen.
Nun schaut Er auf:
„Vater, gekommen ist die Stunde:
Verherrliche Deinen Sohn,
damit der Sohn Dich verherrliche!“
Mit dieser göttlichen Forderung
hält Er Rückschau auf sein gottmenschliches Leben,
das in dieser Stunde seinen Abschluß,
seine Krone und Erfüllung findet.
Wie Er als Ewiges Wort des Vaters
am ersten Schöpfungsmorgen
von allen Geschaffenen sagte, daß es gut sei,
so legt Er auch jetzt die neue Schöpfungstat
in die Hand des Vaters zurück:
Und alles ist sehr gut.

Die Sendung ist erfüllt.
Alles, was der Vater ihm gegeben,
hat Er den Menschen gebracht: Ewiges Leben!
Seine letzte Sorge gilt
der Erhaltung dieses Lebens.
„Ich bin nicht mehr in der Welt,
und sie sind in der Welt.
Und ich will zu Dir kommen!
Vater! Heiliger! Bewahre sie in Deinem Namen! (Joh. 8, 11)
Noch einmal empfängt Er sie alle mit seiner Liebe.
„Und es geschah, da Er sie segnete,
daß Er emporgehoben wurde in den Himmel. (Luk. 24, 53)
Seine letzte Tat ist der Segen;
damit beschließt Er das Werk,
um es am Throne des Vaters neu zu beginnen.
Mit diesem Segen reißt Er uns alle zu sich empor,
und senkt heilige Unruhe uns ins Herz,
die uns nur Wanderer sein läßt auf dieser Welt,
voll Sehnsucht
dorthin zu gelangen, wohin Er uns vorausgegangen,
eine ewige Heimstatt uns zu bereiten.

Herr, laß das Sehnen in uns lebendig bleiben,
richte die Herzen zu Dir empor,
daß alle Sorgen, Mühen und Leiden
uns mehr nicht sei’n, als ein dunkles Tor,
das Du als Erster durchschritten bist,
das Du uns auftust, Herr Jesu Christ.
Gib auf dem Weg uns treues Geleit,
daß einst wir gelangen nach dieser Zeit,
dorthin, wo Du uns vorausgegangen,
wo wir in Dir die Krone erlangen. Amen!

Köln, am Vigiltag von Christi Himmelfahrt 1943.

Mein lieber August! Möchtest Du die frohe Zuversicht, die uns das Geheimnis des Tages schenkt, recht tief verspüren. Diese Gedanken sind nur ein Versuch Dir dabei zu helfen. Morgen früh wissen wir uns wieder vereint beim hl. Opfer, das die Verwirklichung dessen ist, was wir an den Festen froh begehen.

Deine Marga,
die Dich sehr lieb hat.