Gisbert Kranz an seinen Vater Gisbert, 23. Juli 1933

d. 23.VII.33.

Lieber Vater!

Ich habe Deinen Brief erhalten. Vielen Dank dafür. – Ich habe gestern eine deutsche Arbeit zurückbekommen. Sie ist genügend -. Es ist aber schon besser geworden. Ich habe noch eine Latein-, Rechen- und französ. Arbeit rückständig. – Wir alle sind in den Zirkus gewesen. Er war schön; ich hatte ihn mir aber schöner vorgestellt. Löwen, Tiger, Neger, Chinesen, Japaner, Affen und Vögel waren nicht da, aber man sah dort feine (ostpreußische und russische) Pferde, Bären, Gänse, ein Schwein, Bären, ein Elefant, Kunstreiter, Spanier, Akrobaten, ein Feuerfresser, einen Sprung von der Zirkuskuppel, das kleinste Pferd der Welt, Indianer, ein lebendiges Karussell (Pferde, Elefant) usw. – Auch 3 Klauns waren da, „aber drekige!“ – Ich darf jetzt wieder ins Fähnlein gehen. Samstag war ich wieder drin. – Und nun habe

ich Dir eine „traurige Geschichte“ zu erzählen. Dieser Tage spielte ich auf dem Hof mit Heinz Hecker. Da hörte ich Heulen und Zähneklappern. Und da kam Karl Hein auf den Hof. Und Karl Heinz sagte: „Der Fritz hat in der Badeanstalt geschliedert auf der Brücke und da ist er (du meine Güte!) – ins Wasser gefallen. Und er tauchte unter, kam ein bischen hoch und tauchte wieder unter – weg war er. ...“ So erzählte Karlheinz. und was nun? Karlheinz hat ihn gesehen, wie er ins Wasser fiel und da war er [.?.]gelaufen, reingesprungen (geistesgegenwärtig!) und hat dann den Fritz wieder rausgeholt. Der war nass’ wie ’ne ersoffne Katz’! Der Bademeister war nicht dabeigewesen. Karlheinz war nun zu ihm hingegangen, hat ihm alles erzählt und dann den Fritz patschnass nach Hause gebracht. Da hat er Tee getrunken. Dann ist er ins Bett gegangen. Im Bett hat er zu Mutter gesagt: „Mutter, weiß’ Du wat? morgen geh ich noch tot!“ – Ruh Dich in der letzten Woche gut aus! – Heil! – Gisbert

Fritz Franz