Gisbert Kranz an seinen Vater Gisbert, 6. August 1933
6.VIII.33.
Lieber Vater!
Als wir auf dem Bahnhof kamen, filmte Ernst Schlanstein (OII) uns, wie wir antraten, abfuhren und wie wir in Brakel ankamen. Auch heute hat er gefilmt, wie wir durch den Nebel heute morgen im Badeanzug zur Öse, ein Bach, gingen, uns zu waschen. Jeden morgen stehen wir um ½ 6 auf. Dann im Dauerlauf zur Öse. Wenn es heiss ist, dann gehen wir zur Nethe baden. Die Nethe ist ein kleiner Fluss. Nach dem Baden morgens gehen wir zur Scheune, ziehen uns an und marschieren zur Kirche. Nebenbei gesagt, haben wir ein kleines Orchester: eine kleine Trommel, eine Flöte, drei Hörner, über 6 Geigen. – Das Essen ist prima. Morgens geben es Kniften mit Kraut, so gross, wie ein Pfanneku-
chen und so dick, wie bei uns zu Hause 4 Butterbrote übereinander. Gestern kam Herr Dresen zu uns. Heute ist im Dorfe (Gehrden) Kirchweih. Wir haben viele Fahnen; eine Hakenkreuzfahne und 2 schwarz-weiss-rote, 2 Wimpel, 2 Banner zum mitnehmen, als Lagerfahnen eine Hakenkr.-, eine scharz-weiss-rote- und eine [..] Fahne. Wenn Du diesen Brief gelesen hast, schicke ihn bitte Mutter. Wie geht es Dir? An Elisabeth und Toni, Mutter, (Günter) Karlheinz, Fritz und das Ladenpersonal viele Grüsse.
Sieg, und Heil und fette Bäuche.
Gisbert