Gisbert Kranz an seine Mutter Berta, Sommer 1934

Insigne Ducis nostri Jesu Christi.

Liebe Mutter!

Ich bin nun Knappe! In Lippramsdorf war es sehr schön! Morgens, um ¼ 6 Uhr standen wir auf und abends, um 10 Uhr, gingen wir zu Bett (oder besser: ins Stroh!). Die Prüfung habe ich bestanden. Morsen konnte ich am besten, fahrtentechnisch wusste ich gut bescheidt, Bundesgeschichte ging in etwa. Lieder konnte ich nicht alle. Das war das Urteil des Fähnleinführers. – Mein Tagebuch über Lippramsdorf ist schon fertig. Wenn Du wiederkommst, kannst Du es lesen! – Morgen soll Sanktus kommen!? Ich werde gut aufpassen und jede Gelegenheit, ihn zu treffen, benutzen. – Donnerstag fahre ich voraussichtlich nach Kettwig mit dem Roller. Es wird

eine prima Tour werden! Du hast doch nichts dagegen? Um 7 fahr ich ab, um ½ 9 bin ich in Werden, um 9 Uhr bin ich in Kettwig, 1 Stunde seh ich mir die Stadt an, um 10 Uhr fahr ich wieder nach Hause und bin dann um 12 Uhr da und wenns länger dauerte durch einen unvorhergesehenen Fall, bin ich höchstens um 1 Uhr wieder da! – Wie geht es Dir? Du hast aber ein schönes Zimmer. Da kannst du ja direckt auf den Rhein sehen! Bist du schon mit einem Dampfer auf ihn gefahren? –

Gruss und Kuss

dein Filius (Gisbert.)