Marga Ortmann an August Broil, 18. Dezember 1943
Köln, den 18. Dez. 1943.
Mein lieber August,
nun hat unser Umzug, unsere Heimkehr nach Köln doch endlich geklappt. Vater rief mich eben von der Aachenerstr. aus an. Da wird jetzt wohl viel Arbeit auf mich warten, doch ich muß vorher noch mit ein paar kurzen Zeilen zu Dir kommen.
Heute in der Frühe war es ein rechtes Abschiednehmen von dem Wald und den Feldern, von Gladbach, von Annelise und ihrem Heim, das uns nun fast ein halbes Jahr ein bescheidenes „zu Hause“ gewesen ist. Noch nie haben wir so notdürftig leben müssen, wir haben noch nie so sehr auf alle äußere Annehmlichkeit verzichten müssen als in dieser Zeit. Und dennoch habe ich die Trennung davon wie ein Abschied empfunden. Wir können eigentlich nie an den Dingen vorbeileben, immer findet das Herz eine Beziehung dazu, und wenn es eine gute ist, wird die Trennung immer schmerzlich sein.
Montag, den 20. Am Samstag hat das Schreiben doch nicht mehr Zeit beanspruchen dürfen, so will ich es
heute nachholen. Schöne, arbeitsreiche Stunden liegen dazwischen. Mit der wenigen Habe haben wir uns nun in der neuen Wohnung schon etwas einrichten können, es ist viel schöner geworden als ich es mir vorgestellt hatte. Was war das ein gutes gemeinsames Planen und Schaffen in der Familie und wie froh waren alle, als wir das erste Mittagsmahl im neuen Wohnzimmer halten konnten. Den Gasherd habe ich selbst zum ersten Mal benutzt, um für Dich darin etwas zu bereiten. Hoffentlich habe ich bald recht oft Gelegenheit dazu. (Das Päckchen wird Dir Frau Brogi mitbringen, aber bitte erst Weihnachten öffnen!)
Nun habe ich schon zweimal in dem Raum geschlafen, der zunächst unser kleines Reich werden soll. Wie freue ich mich darauf, es mit Dir gemeinsam gestalten zu können. Ich habe vorerst nur ein Bett aufgeschlagen, wie wir es sonst machen werden, können wir ja noch überlegen. Ach, ich habe mit soviel frohen Gedanken und innigem Beten da Einzug gehalten. Wenn es auch noch so bescheiden ist, wir wollen dankbar dafür sein, eine Stätte zu haben, wo wir miteinander daheim sein können, Du bei mir und ich bei Dir. Damit ist uns die äußere Möglichkeit zum Beginn unseres gemeinsamen
Weges gegeben. Liebster, in zwei Wochen wird es schon so weit sein, ich kann es kaum fassen.
Heute morgen habe ich nochmal mit Kpl. Angenendt gesprochen. Am 4.I. ist in der Krypta Ewiges Gebet, da sind die Betstunden, deshalb müssen wir doch den 3.I. also Montag als Hochzeitstag nehmen. Morgens um 9 h ließ es sich gut einrichten, der Termin scheint mir auch am günstigsten zu sein. Um die amtlichen Angaben zu machen müssen wir Freitag, den 31. nach der standesamtlichen Trauung zum Pfarrer von Kapitol, der daraufhin Kpl. A. die Erlaubnis gibt die Trauung vorzunehmen. Die Gestaltung der Feier, Gemeinschaftsmesse, Lieder u.s.w. wird sich so durchführen lassen wie wir es uns wünschen. Wir können die Einzelheiten an dem Freitag vorher noch gemeinsam mit ihm besprechen.
Liebster, in aller Eile muß es heute gehn, denn es wartet so viel Arbeit auf mich, daß ich nicht weiß wo ich beginnen soll. Gleich fahre ich nochmal nach Gladbach um die Anzeigen zu bestellen und sonst noch allerlei zu regeln. In herzlicher Freude bin ich ganz
Deine Marga