August Broil an Marga Ortmann, 10. März 1943
Aachen, am Aschermittwoch.
Du, meine liebe Marga!
Es ist ein strahlender Frühlingstag, garnicht als ob mit dem Tage heute eine ernste Bußzeit beginnen sollte. Doch das soll wohl auch nicht der Sinn der Bußzeit sein, daß alles um uns her grau und elend ist. Sondern es soll ja gerade alles frisch und stark sein um uns her. Der eigentliche Kampf der Bußzeit findet in uns statt, besonders in unserer Zeit. Denn mehr oder weniger ist doch das Leben aus den Gewohnheiten und Ordnungen herausgenommen, und die saubere Ordnung der Zeiten und Feste von außen ist ein menschlich Geschaffenes und kann zurücktreten oder aussetzen. Dann aber muß innen eine um so festere und tiefere Ordnung
einsetzen. So ist es mit dem heutigen glanzfrohen Aschermittwoch, und so ist es mit uns selbst in der Soldatenzeit. Wir sehen nicht das Violett der Gewänder, wir hören nicht das Verstummen der Orgel und des Allelujas. Wir leben Tag für Tag in der Ordnung der Soldaten – vielleicht ist es anders gesehen sogar Unordnung – und müssen in ihr mitgehen. Da heißt es dann innerlich sein eigenes Leben zu behalten und dieses innere eigene Leben in der größeren Ordnung zu bewahren, die uns als Gliedern des Leibes Christi gegeben wurde. So will ich denn versuchen, als Soldat einen christlichen frohen Ostern in dieser heiligen Bußzeit entgegenzugehen.
Du, Marga, der gestrige Nachmittag war sehr fein für uns beide. Es ist uns damit etwas Schönes geschenkt worden, das uns
noch lange Zeit froh machen wird.
Deinen Brief, den Du mir selbst übergeben konntest, habe ich gleich, im überfüllten Zuge stehend, gelesen. Dieser Brief hat mir auf manches Antwort gegeben, was ich Dir schon andeutete und was ich Dir in meinem Brief, den Du sicher jetzt bekommen hast, schrieb. Du sagst Ja zu dem was an Unsicherem, Hartem und Schwerem für die Zukunft kommen wird. Es ist ein bereites und offenes Ja. Und wenn ich jetzt in der Einsamkeit stehe und dabei weiß, daß dieses Ja mit uns steht, dann wird es immer einen Weg aus ihr hinausgeben in ein starkes und frohes Leben verhaltener Gemeinsamkeit. Das alles muß wachsen in mir und muß gehegt und gepflegt werden.
Wenn uns Gott die Gnade gibt, all das klar zu erkennen, dann ist für uns, besonders für mich, der Weg einfacher und klarer, dann werde auch ich das Schwere und