August Broil an Marga Ortmann, 14. März 1943

Aachen, am 1. Fastensonntag.

Meine liebe Marga!

Heute ist der erste Fastensonntag. Es ist ein feiner, stiller Sonntag, trotz Kasernenleben und Soldatentumult. Am Nachmittag dieses Sonntages sind die meisten Kameraden zur Kantine gegangen. Da bleibt soviel Ruhe und Stille in der großen Stube übrig, daß mir Gelegenheit zu einem Briefe bleibt.

Eben habe ich die Sonntagsmesse nachgelesen. Es ist ein kleiner Ersatz für das leibhaftige Mitfeiern des Opfers selbst. Du – so hast Du selbst geschrieben – unsere Lieben und unsere Freunde werden es mit umso tieferer Kraft für uns mitfeiern. Doch kommen die Gedanken der Meßliturgie mit starker Gewalt über mich. Wieder

ist es die Sonntagsepistel, die so starke und ermunternde Worte zu mir spricht. Denn der Brief des Apostels ist an die lebenden Korinther jener Zeit gerichtet. Sie haben schwer zu kämpfen in ihrer persönlichen Freiheit mit den Unbilden und Härten des Lebens. Dies könnte sie mißmutig und kleingläubig machen. Darum ruft der Apostel ihnen zu: „Wir erweisen uns in allen Stücken als Diener Gottes in großer Geduld“. So geht es uns Menschen heute, auch mir. Da setzt die wahrhaft tiefe Kraft des Christseins ein, die den Menschen, auch den äußerlich ärmsten und schwächsten, hinaushebt und ihn zum Gotteskind macht.

Marga, gestern habe ich einen Brief an meine Mutter geschrieben. Anlaß

dazu war mir einmal ihr Namenstag am nächsten Mittwoch, dann aber auch Deine Worte über das kurze Zusammentreffen mit ihr am Kölner Bahnhof in Deinem Brief. Du hast recht erkannt, was es für unsere Mütter heute bedeutet, Mutter zu sein, in ihrer tiefen, aufopfernden Mutterliebe. Ich habe ihr dann von uns beiden geschrieben und ihr gesagt, daß wir mit Gottes hilfe unser Leben aneinander binden wollen für alle Zeit. Zwar sei es eine seltsame Fügung, daß in diese Zeit eine solche Trennung hineingesetzt würde, daß aber diese Trennungszeit gewiß ihren tieferen Sinn habe und daß sie uns vielleicht erst zum wirklich erfüllten Leben reif machen werde.

Wie ich sie gebeten habe, so bitte ich auch Dich, daß ihr gemeinsam

die Zeit der Trennung überbrücken möget und versucht, einander näher zu kommen. Das wird Euch beiden sicherlich Hilfe und Kraft geben, und Gottes Segen wird bei Euch sein.

Mit diesen Sonntagsgedanken schicke ich Dir recht frohe Grüße zu. Das Heil des Herrn sei mit Dir.

Dein August.