August Broil an Marga Ortmann, 24. Mai 1943
Bremen, den 24/5.43.
Meine liebe Marga.
Heute nur einen kurzen Gruß und die Nachricht, daß Dein Paket gut angekommen ist, vollgepackt mit herrlichen Früchten. Wenn ich eine solch „aristokratische“ Frucht in meiner Hand wiege, dann spüre ich die Fülle der Reife dieser Frucht aus der kühlen Schale in meine Hand übergehen. Welch herrliche Gaben schenkt uns die freundliche Natur. Sie gibt uns fraglos die reichen Gaben. Wir aber sollten uns beim Genießen dieser Gaben der Schöpfer-Urkraft bewußt werden, die aus dem toten Stoff Leben formt.
Meine Marga, es hat mir Freude gemacht, daß Du so gut an mich gedacht hast. Doch die Freude
wäre gewiß noch größer, wenn ich Dir so gut sein könnte. Denn auch Du brauchst solch gute, helfende Gabe so wie ich.
Ich habe Claus Frankens Brief noch immer hier. Den muß ich Dir jetzt einmal zurückschicken. Seine Gedanken sind fein, das Gedicht tiefes Erleben der Sehnsucht und Härte des Soldatseins. Aber er ist auch Taktiker; denn rundweg fragt er Dich nach einem Wort von Dir, das er für die Zwecke seiner Arbeit verwenden will. Wenn Du schreibst, dann wirst Du das Tiefe, das Letzte nicht sagen können, es sei denn Du müßtest für eine hohe Aufgabe ein solches Opfer bringen, das Letztes von Dir fordert. Wenn Du dies erkannt haben solltest, dann dürftest Du nicht zögern. Du verstehst mich, meine Marga und wirst zu handeln wissen.
In Dankbarkeit und Freude
Dein August